Von PETER KREMPIN, 21.11.05, 19:14h, aktualisiert 21.11.05, 22:07h
Wiehl - Zu lang, zu breit zu dick, zu dünn. Mit seiner Nase ist kaum jemand zufrieden. „Immer weniger Menschen möchten sich mit der natürlichen Gestalt ihrer Nase nicht abfinden“, sagt der Bielsteiner Hals-Nasen-Ohren-Arzt Dr. Ralf G. Keusgen. Rund 1000 Mal hat er seit 1988 Nasen chirurgisch verschönert. „Nur darüber reden durfte ich bislang nicht.“
Dagegen stand die ärztliche Berufsordnung im Geltungsbereich der Ärztekammer Nordrhein, erklärt der stellvertretende Vorsitzende der Kassenärztlichen Vereinigung Nordrhein im Oberbergischen Kreis. Obgleich die Bundesärztekammer ihren Mitgliedern seit Frühjahr 2004 mehr Freiheit in der Selbstdarstellung zubilligt, konnte sich die Ärztekammer Nordrhein erst im November 2004 zu ihrer Verabschiedung entschließen.
Seitdem wagen es Arztpraxen immer häufiger, mit Faltblättern und individuell gestalteten Visitenkarten ihr Leistungsangebot vorzustellen. Keusgen lädt, wie andere Ärzte auch, zudem zu Informationsabenden ein. Mit einem Tag der offenen Tür betrat Keusgen Neuland für eine Arztpraxis.
Die Offenheit hat beim Organ Nase allerdings ihre Grenzen, meint der HNO-Arzt. „In Deutschland geben Menschen nur ungern offen zu, wegen einer Körperkorrektur zum Arzt zu gehen.“ In den USA, wo Keusgen Mitglied der Amerikanischen Akademie für plastische und rekonstruierende Gesichtschirurgie ist, gehen mit dem Thema Ärzte und Patienten unvoreingenommen um. Immerhin: Die Ärztekammer Nordrhein beschäftigt sich auf ihrer Internetsite auch mit dem Begriffen Schönheitschirurgie. „Das Bedürfnis der Menschen, operative Korrekturen an sich durchführen zu lassen, steigt.“
Umso mehr gelte es, unterstreicht Keusgen, als Arzt seriös zu bleiben und mit dem Patienten die Gründe für den gewünschten Eingriff eingehend zu besprechen. „Eine wohlgeformte Nase kann das eigene Wohlfühlen durchaus steigern, aber mit dem Skalpell löst man keine tiefer liegenden Probleme.“
„Deshalb gehört neben der medizinischen auch die seelische Betreuung des Patienten.“ Beim Organ Nase überwiegt der Anteil der weiblichen Patientinnen nur unwesentlich. „Ehemalige Boxer gehören ebenso zu meinen Patienten wie Geschäftsleute.“
Der gebürtige Dürener Ralf Keusgen traf 1986 im Gummersbacher Kreiskrankenhaus auf Prof. Dr. Dr. Wolfram Richter. „Ein Glücksfall für mich, denn er war einer der ganz großen der Nasenchirurgie. Sieben Jahre lernte Keusgen vom Meister, dann wechselte er zunächst an die Städtischen Kliniken Dortmund, bevor er als niedergelassener Arzt zurück ins Oberbergische kam.
Die Frage, wie denn die künftige Nase aussehen soll, könnte Keusgen vor dem Eingriff mit einer handelsüblichen Software am Computer demonstrieren. „Aber das gilt noch immer als standeswidrig.“ Ebenso das vorlegen von Vorher-nachher-Fotos. „Umso wichtiger ist es, dem Patienten eingehend zu erläutern, was möglich und sinnvoll ist.“
Die Mehrzahl der Operationen wird über Schnitte in den Nasenvorhof innerhalb der Nase ausgeführt. Und das ohne Sicht auf die rund ein Dutzend verschiedenen Gewebearten. „Es gehört sehr viel Erfahrung dazu, nur durch Ertasten zu erkennen, welche Maßnahme das Aussehen der Nase wie beeinflussen wird.“
Ziel einer Nasenoperation ist, so Keusgen, die Harmonisierung der Gesichtsproportionen, ohne ein fremdes Gesicht zu schaffen. Aber: „Den Begriff Schönheit definiert nun mal jeder ganz persönlich.“
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