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Pro Köln stellt sich hinter Hartenfels

Von DETLEF SCHMALENBERG, 26.11.05, 08:15h, aktualisiert 27.11.05, 21:44h

Mit Nachdruck setzt sich die selbst ernannte „Bürgerbewegung“ öffentlich für den zurückgetretenen Asta-Funktionär Thomas Hartenfels ein. Neue Vorwürfe rücken ihn weiter ins Zwielicht.

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Thomas Hartenfels (v.l.), Neonazi Axel Reitz und der heutigen Pro-Köln-Ratsherr Bernd Michael Schöppe im Herbst 1999.
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Thomas Hartenfels (v.l.), Neonazi Axel Reitz und der heutigen Pro-Köln-Ratsherr Bernd Michael Schöppe im Herbst 1999.
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Hartenfels (rechts) und Neonazi Reitz (daneben) lauschen dem heutigen Pro-Köln-Funktionär Rouhs (mit Megaphon)im Herbst 1999.
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Mit Nachdruck setzt sich die selbst ernannte „Bürgerbewegung“ öffentlich für den zurückgetretenen Asta-Funktionär ein. Der hatte mehr Kontakt zum braunen Sumpf, als bisher bekannt war.

Die Funktionäre von Pro Köln, seit Jahren im Visier des Verfassungsschutzes, legen sich in diesen Tagen mächtig ins Zeug. Man verschickt Pressemitteilungen, auf der Homepage der selbst ernannten „Bürgerbewegung“ ist von einer „Hetzkampagne“ die Rede. Thomas Hartenfels, ein Mann „mit Rückgrat“, werde von einer „linken Jagdgesellschaft“ verfolgt und diffamiert. Politische Gegner hatten den Studenten an der Universität auf Plakaten als „Neonazi“ bezeichnet. Dies verurteilt auch die Rösrather CDU, für die Hartenfels im Stadtrat sitzt. Ebenso wie die Mitglieder der Jungen Union, deren Kreisvorsitzender der 26-Jährige ist, stellen sich die Christdemokraten bisher vor den Angegriffenen. „Nur weil jemand vor sechs Jahren Mist gebaut hat, kann man ihn jetzt nicht mehr belangen“, sagte der Rösrather CDU-Fraktionsvorsitzende Erhard Füsser am Mittwoch.

Hartenfels, der dem „Ring Christlich-Demokratischer Studenten“ (RCDS) angehört, ist als Projektleiter für Öffentlichkeitsarbeit des Asta der Universität Köln zurückgetreten. Die Hochschulgruppe „Alternative Liste“ hatte Informationen zu seiner Vergangenheit öffentlich gemacht. Hartenfels musste zugeben, von 1999 bis 2001 an Veranstaltungen mit neonazistischem Hintergrund teilgenommen zu haben. Es habe sich lediglich um eine „jugendliche Experimentierphase“ gehandelt, behauptet der 26-Jährige. Er sei nur flüchtiger Gast im braunen Sumpf gewesen, habe keine engen Kontakte gehabt und schon gar keine Ambitionen, sagt er. Recherchen des „Kölner Stadt-Anzeiger“ ergeben ein anderes Bild.

Hartenfels sei ein „aufstrebender und hoffnungsvoller Kamerad“ gewesen, sagt der bekannte Neonazi Axel Reitz, Gründer der „Kameradschaft Köln“. Die Mitglieder solcher Gruppierungen, die sich Mitte der neunziger Jahre nach dem Verbot rechtsextremer Organisationen wie der „Freiheitlichen Deutschen Arbeiterpartei“ (FAP) gegründet haben, gelten als gewaltbereit. Reitz, der sich am Telefon gelegentlich mit „Himmler“ meldet, hat einmal als seinen Traumjob „SA-Standarten-Führer“ angegeben.

Im Herbst 1999, auf einer Kundgebung unter dem Motto „Kalk bleibt deutsch“, pries er Hartenfels vor Fotografen sinngemäß „als meinen Mann“ und legte demonstrativ den Arm um dessen Schulter.

Auch Pro-Köln-Funktionär Manfred Rouhs, der Hartenfels heute unterstützt, war bei der Veranstaltung. Ebenso der heutige Pro-Köln-Ratsherr Bernd Michael Schöppe.

Doch beim Besuch öffentlicher Veranstaltungen von Rechtsextremisten ist es für Hartenfels nicht geblieben. Vom „Kölner Stadt-Anzeiger“ befragt, räumt er nun ein, mehrfach auch bei internen Treffen der Neonazis von der „Kameradschaft Köln“ gewesen zu sein. Wie es dort Ende der neunziger Jahre zuging, hat der Verfassungsschutz dokumentiert. Im Hinterzimmer einer Kneipe an der Aachener Straße hatte Reitz bei einem Treffen gerufen: „Diejenigen, die uns über Jahre hinweg bekämpft haben, uns aus der Arbeit gedrängt und ins Gefängnis gebracht haben, die werden eines Tages auf den Marktplatz gestellt und erschossen. In diesem Sinne: Sieg Heil!“

An jenem Abend jedenfalls sei er nicht zugegen gewesen, sagt Hartenfels, der gelegentlich auch für die rechtsextreme Wochenzeitung „Junge Freiheit“ geschrieben hat. In einem Artikel vom Juli 2000 schwärmt er beispielsweise von Franz Schönhuber, dem ehemaligen Vorsitzenden der Republikaner, sowie von dem ehemaligen RAFMitglied Horst Mahler, der mittlerweile von der radikalen Linken zum Rechtsextremismus gewechselt ist. Das Auftreten der „beiden dunkel gekleideten Herren“ künde von kommenden „besseren Zeiten, in denen sie sich endlich auf staatsmännischem Parkett, statt in verrauchten Hinterzimmern bewegen

können“, schrieb Hartenfels.

An einen anderen prominenten Neonazi erinnert er sich heute aber nur zögernd: Thomas Brehl, ehemals linke Hand des mittlerweile verstorbenen Hitler-Verehrers

Michael Kühnen und Mitinitiator des nach Einschätzung des Verfassungsschutzes nationalistischen und offen antisemitischen „Kampfbund Deutscher Sozialisten“ (KDS). Ob er Kontakt mit dem wegen Rädelsführerschaft verurteilten Ultrarechten gehabt hat? Nun ja, damals habe

er häufiger „an derartige Leute, Informationsadressen und Postfächer geschrieben“, sagt Hartenfels. Und schließlich: „Da waren dann wohl auch ein paar Briefe an Herrn Brehl dabei.“

Und diese Schreiben, insgesamt seien es neun, würden „an Deutlichkeit nichts zu wünschen übrig lassen“, bestätigt Thomas Brehl.Auf den „Gleichgesinnten aus früheren Tagen“ ist er nicht gut zu sprechen, weil der die Bewegung verlassen habe.Von seiner Freude, endlich Kontakt zur braunen Bewegung

bekommen zu haben, von seinem Bemühen, kompetente Kameraden in den Aktivistenkreis einzubinden, habe Hartenfels damals geschrieben. Mit „Heil Deutschland“ oder „Heil und Sieg“ seien die Briefe beendet worden.

Er könne sich nicht mehr an den Wortlaut seiner Schreiben erinnern, sagt Hartenfels. Ob er denn mit „Heil und Sieg“ unterschrieben habe? Das komme ihm unbekannt vor, sagt Hartenfels zunächst. Und dann: „Kann doch sein, dass ich es so geschrieben habe. Es ist möglich.“

Pro-Köln-Funktionär Manfred Rouhs jedenfalls hofft, mit dem „angegriffenen Ratsherrn“ nun ins Gespräch zu kommen. Gelegenheit zum Meinungsaustausch hätte es laut Rouhs schon gegeben. Er kenne Hartenfels vom Pressefest seines rechtsextremistischen Magazins „nation24.de“, schreibt Rouhs. Als „überzeugter Verfechter des Grundgesetzes“ solle sich Hartenfels jetzt „nicht verbiegen lassen“.



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