Von STEFAN ANDRES, 12.12.05, 07:21h
Von „A“ wie Aufräumen bis „Z“ wie Zaubern - was es so zu tun gibt im Alltag und darüber hinaus, das kann oder mag nicht jeder selbst erledigen. Der „Tauschring Leverkusen“ bietet die Möglichkeit, sich Hilfe für verschiedenste Dinge ins Haus zu holen und im Gegenzug eigene Talente anzubieten. Käthe Knapp, eine von drei Organisatorinnen des Tauschrings: „Wir gehen davon aus, dass jeder Mensch wenigstens ein Talent hat, das er anbieten kann.“ So entsteht eine von Geld unabhängige Wirtschaft, in der „Talente“ die Währung sind, in der die Leistungen berechnet werden.
Am Samstag trafen sich rund 20 der 60 Mitglieder zu einem weihnachtlichen Trödel im Familienseminar der Arbeiterwohlfahrt (Awo) am Berliner Platz in Opladen. Einige hatten weihnachtliche Getränke oder Kekse vorbereitet, andere verschiedene Dinge zum Tausch mitgebracht. Ein wichtiges Thema war die Einrichtung einer Internetseite für den Tauschring: Ring-Mitglied und Computerfachmann Manfred Peters hat als Leistung eine Internet-Seite erstellt, die nun ins Netz gegangen ist und die Mitglieder für die Kommunikation untereinander und den Talente-Tausch nutzen können. Dort sollen auch neue Mitglieder gewonnen werden. Je mehr Talente im Pool, desto schwunghafter der Handel. Peters möchte dafür „seine Bude geputzt bekommen“, so Knapp.
Mitglied Waltraud Kermann aus Burscheid erläutert das Talente-Tausch-System: „Das kann Bügeln gegen Fensterputzen oder Marmelade kochen gegen Haustier-Sitting sein“ - die Möglichkeiten sind nahezu unbegrenzt. Nur bei käuflich erhältlichen Dienstleistungen, etwa Tapezieren, ist Vorsicht geboten: „Sonst kriegen wir Ärger mit Finanzamt und Handwerkskammer.“ Mitglied Birgit Papadopoulos hat am Samstag einen Karteikasten gegen einen neuen Schal getauscht.
Einer muss anfangen
„Der Tauschring steht und fällt mit dem Engagement der Mitglieder“, erläutert sie, jeder müsse aktiv seine Talente anbieten. Selbst Schulden machen ist möglich: „Irgendjemand muss ja anfangen und eine Leistung in Anspruch nehmen, sonst kann der Handel nicht in Schwung kommen“, so Knapp. Mitorganisatorin Maria Kemen betont aber, dass es noch nie Probleme gegeben habe mit Mitgliedern, die selbst keine Leistung erbracht hätten. Zweimal im Jahr gibt es einen „Kontoauszug“, alle zwei bis drei Monate werden Treffen organisiert, dazwischen läuft der Handel über die „Marktzeitung“.
Die Mitglieder sind zwischen 20 und 80 Jahren alt, vom Studenten bis zum Rentner. Mitglied ist übrigens auch das Awo-Familienseminar. Die Tauschvereinbarung: Der Ring darf die Räume am Berliner Platz nutzen, dafür verteilen die Mitglieder die Seminar-Programme.
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