Von CHRISTOPH HOFFMANN, 14.12.05, 07:48h
Nein, risikobereit war er vorher nicht. Auch nicht besonders abenteuerlustig. „Eher durchschnittlich“, sagt Joachim von Loeben. Wenn er in seiner Zwei-Zimmer-Wohnung in Nippes in der Küche sitzt, blickt er im Flur auf eine übergroße Landkarte von Afrika. Besuchern zeigt er darauf den Weg, der sein Leben verändert hat. Er beschreibt ihnen die Erlebnisse, die ihn risikobereit machten - und abenteuerlustig.
Es ist das Frühjahr des Jahres 2003. Der Rechtsanwalt hat ein Buch gelesen, „16 Jahre um die Welt“, und er ist fasziniert von der neuen Freiheit, die man als Reisender spürt und von den vielen Erfahrungen. Er fasst einen Entschluss: In einem Jahr will er mit seinem Motorrad Afrika durchqueren, in zwölf Monaten bis an die Südspitze, bis nach Kapstadt gelangen. Mit seiner Honda, Modell „African Queen“, hatte er auf heimischen Straßen erst 5000 Kilometer zurückgelegt. „So viel habe ich in meinem besten Monat in Afrika geschafft“, lächelt von Loeben.
Die Entscheidung steht, doch seine Familie ist besorgt: „Zu gefährlich“, „Dir passiert bestimmt etwas“, waren noch die harmloseren Kommentare. Von Loeben klinkte sich für ein Jahr aus seiner Firma aus. Am 1. Januar 2004 sollte es losgehen, drei Monate vorher beginnt er mit den Planungen: „Das war eindeutig zu knapp“, weiß er jetzt. Im Gepäck hat er drei Unterhosen, drei Paar Socken und T-Shirts, eine lange Hose, einen Pullover und eine Regenjacke. Mehr passt nicht in die Alukoffer, die er auf den Gepäckträger montiert hat.
Fünf Tage nach dem Start nimmt er die Fähre nach Tunis. Seine Wege führen ihn durch die Wüste in Libyen, durch Ägypten, am Nil entlang bis nach Äthiopien. Dort bleibt er drei Wochen. Beeindruckt ist er von den Menschen. „Als ich mit meinem Motorrad ankam, scharten sich plötzlich die Ureinwohner - nur mit einem Lendenschurz bekleidet und die Haut mit Tonerde eingerieben - um mich“, erzählt er. Sie berühren sein Motorrad, „dann haben sie mir über die Arme gestreichelt. Meine helle Haut kam denen wie ein Weltwunder vor.“
Er orientiert sich anhand von Karten, die er in den Dörfern kauft. „Geschlafen habe ich meist unter freiem Himmel“, erzählt er. Gebettet auf eine dünne Matte und unter einer Decke. Oder er nächtigte bei Familien, die ihm Führer oder Einheimische vermittelten. Gastfreundschaft - das spürte von Loeben überall - wird bei den Afrikanern groß geschrieben. „Essen konnte ich oft in Familien, meistens gab es dort Maisfladen mit einer Soße, den Rest habe ich mir in den Städten gekauft.“
Auch Gefahren musste der Abenteurer während seiner Reise trotzen. Zehnmal stürzte er mit seinem Motorrad, zog sich aber lediglich blaue Flecken zu. Schwerwiegender waren technische Probleme: Wie oft er einen Platten hatte, kann er nicht zählen. „Allein bei einem Streckenabschnitt durch Kenia musste ich den Reifen bestimmt viermal flicken. Da habe ich in zehn Stunden nur 90 Kilometer geschafft.“
Es gab Straßen, auf denen er vier Stunden lang ohne jede Begegnung mit Menschen gefahren ist. Einmal wird ihm sein Portmonee gestohlen. 300 Euro und seine Kreditkarte sind weg. Bis ihm seine Bank Geldschecks nachschickt, muss von Loeben einige Tage ohne Bargeld auskommen. Einheimische zahlen ihm Taxifahrten und Telefongespräche. Wieder fällt ihm die außerordentliche Hilfsbereitschaft auf. „Das hat mich richtig berührt“, sagt er.
Im Dezember erreicht er Kapstadt, nach zwei Wochen Aufenthalt fliegt er, mit seiner „African Queen“ im Gepäck, zurück nach Deutschland. Wenn von Loeben jetzt von seiner Reise erzählt, klingt leichte Wehmut in der Stimme mit. Gerne würde er wieder eine lange Tour durch ein fernes Land starten. Vielleicht Asien. Er weiß es noch nicht. „Ich kann jedem nur zu so einer Reise raten. Mein Selbstbewusstsein, schwierige Situationen zu meistern, ist viel stärker geworden.“
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