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Festnahme mit dem Handy gefilmt

Von DETLEF SCHMALENBERG, 14.12.05, 07:45h

Der Türke Hüseyin Ö. wurde im Juli in Köln von Polizeibeamten in Zivil zusammengeschlagen. Der Vorfall wurde mit einem Handy gefilmt, jetzt ermittelt die Staatsanwaltschaft wegen Körperverletzung im Amt.

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. . . brutal gepackt
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. . . brutal gepackt
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. . . und gefesselt.
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Staatsanwaltschaft ermittelt wegen Körperverletzung im Amt.

„Ich kriege keine Luft mehr“, schreit der auf dem Boden liegende Hüseyin Ö. Drei zivil gekleidete Polizeibeamte knien auf ihm, drücken den 28-Jährigen auf den Bürgersteig und versuchen, mit Kabelbindern seine Arme zu fesseln. „Was wollt ihr von mir?“ brüllt Ö. Seine Verzweiflung ist deutlich hörbar. Ein weiterer Polizist kommt hinzu und tritt dem Hilflosen mit voller Wucht ins Gesicht. Als der Getretene daraufhin in Todesangst versucht, sich aus der Umklammerung zu lösen, es ihm sogar gelingt aufzustehen, zwingen ihn die Polizisten durch Schläge zum Aufgeben.

Das Resultat der Polizeiaktion vom Juli dieses Jahres waren zahlreiche Prellungen an Kopf und Körper von Ö., die später im Krankenhaus behandelt wurden. Sein rechtes Auge war vollkommen zugeschwollen. Weil die rabiate Festnahme in der Kölner Südstadt, durchgeführt von einem Sondereinsatzkommando der Essener Polizei, von drei Dutzend Zeugen beobachtet wurde, beschäftigt sich nun die Staatsanwaltschaft mit dem Vorfall. Einer der Passanten hat dabei sogar mit seinem Handy gefilmt. Dieses Dokument liegt den Ermittlern vor. „Gegen die Beamten wird wegen Körperverletzung im Amt ermittelt“, bestätigte Behördensprecher Günther Feld. Wegen des laufenden Verfahrens wollte er sich zu Einzelheiten nicht äußern.

Nach Informationen des „Kölner Stadt-Anzeiger“ wurde der Essener Polizist, der den am Boden liegenden Ö. mit voller Wucht ins Gesicht getreten hatte, bereits vom Dienst suspendiert. Er und seine Kollegen gaben zu Protokoll, Hüseyin Ö. habe sich der Festnahme widersetzt und die Gewaltanwendung dadurch erst notwendig gemacht. Von den umstehenden Passanten, die das Geschehen verfolgten, seien die Beamten zudem „gestoßen und geschlagen“ worden. Der im Handy gedrehte Film erweckt jedoch den Eindruck, dass dies nicht so gewesen ist und die Passanten sich lediglich über die Brutalität der Festnahme empörten.

Für die Aktion gegen Ö. hatten sich die Beamten während einer Observation im Drogenmilieu entschieden. Vom Ruhrpott aus hatten sie ein Fahrzeug verfolgt, das über die Niederlande nach Köln fuhr. In dem Wagen würden Drogen transportiert, vermuteten die Ermittler. Bei der Fahrt durch Köln verloren sie das Auto jedoch aus den Augen und richteten ihre Aufmerksamkeit auf einen anderen Wagen. Die Fahnder hielten es für möglich, dass dieser Pkw mit der Drogenaktion etwas zu tun hatte. Abgehörte Telefonate könnten möglicherweise darauf hindeuten, hieß es.

Am Steuer dieses Wagens, der seinem Schwager gehört, saß Hüseyin Ö. Als er in der Nähe des Chlodwigplatzes vor dem Haus seines Verwandten parkte und ausstieg, griffen die Zivilbeamten zu. „Ohne Vorwarnung hat mich einer der Männer mit seiner Pistole gegen die rechte Schläfe geschlagen“, berichtet Ö. Sie hätten sich als Polizisten ausgegeben und zunächst nicht geschlagen, widersprechen die Beschuldigten. Michael Sertsöz, der Kölner Verteidiger von Ö., hält das Vorgehen der Polizei für „absurd“. Auf Grund von „fadenscheinigen Vermutungen“ sei sein Mandant „rücksichtslos niedergeknüppelt“ worden.

Mit dem vermuteten Drogenhandel, so ist die aktuelle Beweislage, kann Ö. nicht in Verbindung gebracht werden. Noch am Tag seiner Festnahme wurde er deshalb wieder freigelassen. Für die Schläge entschuldigt hat sich bisher niemand bei ihm. Im Gegenteil: Gerade hat Ö. einen Brief vom städtischen Kassenamt erhalten. Die Behörde fordert 539,03 Euro für den Krankenwagen, mit dem der junge Türke in die Klinik gebracht wurde. Wenn Ö. nicht bald zahle, komme der Gerichtsvollzieher und die Forderung werde „zwangsvollstreckt“.



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