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Nicht nur zur Weihnachtszeit

Von HENDRIK BEBBER, 20.12.05, 06:57h

Der Brite Andy Park feiert seit zwölf Jahren jeden Tag das Fest der Feste. „Mr Christmas“ hat inzwischen zwar Übergewicht, aber auch zahlreiche Werbeverträge. Nur im Dezember fällt sein Haus in dem westenglischen Städtchen Melksham nicht auf.

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Mr. Christmas Andy Park
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Mr. Christmas Andy Park
London - Nur im Dezember fällt das Haus von Andy Park in dem westenglischen Städtchen Melksham nicht auf. Doch wenn die Nachbarn die Lichterketten eingemottet haben, blinkt es weiter weihnachtlich im „Christmas Fun House“. Zieht im August der Geruch von Grillwürstchen durch die Vorgärten, so brutzelt Andy Park unverdrossen seinen Truthahn für das traditionelle Weihnachtsmahl - und das täglich seit mehr als zwölf Jahren. „Ich werde mindestens zwölf Jahre so weitermachen“, lacht „Mr Christmas“. „Weihnachten ist einfach zu schön, um es nur einmal im Jahr zu feiern. Ich freue mich jeden Tag daran.“

Das Urerlebnis, das diese seltsame Marotte auslöste, kam am 14. Juli 1994. „Es war ein höllischer Tag“, erinnert sich der ehemalige Elektriker. „Nach drei verpatzten Reparaturen sank ich total abgeschlafft in meinen Sessel und sehnte mich nach Ruhe und Freude. Da kam mir der rettende Gedan ke: Ich erinnerte mich an die Weihnachtsfeste meiner Kindheit, stieg auf den Dachboden, holte die Dekorationen herunter und feierte Weihnachten.“ Wenn man es richtig macht, ist das eine Vollzeitbeschäftigung, weswegen der 45-Jährige nur noch vormittags arbeitet. Dafür stärkt er sich mit Truthahn-Sandwichs und einigen „Mince Pies“, den traditionellen englischen Weihnachtsküchlein.

Gegen elf Uhr wird ein kleiner Truthahn in die Röhre geschoben, kurz nach eins setzt sich Park an die festlich gedeckte Tafel. Meistens allein, seine Freundin und seine Tochter halten den täglichen Festrummel für „total beknackt“. Nur der zweijährige Enkel Jason strahlt mit ihm den ewig leuchtenden Weihnachtsbaum im Wohnzimmer an.

Trubel, Jubel und Heiterkeit gibt es aber, wenn Prominenz in der Reihenhaussiedlung auftaucht: Das Wohnzimmer ist tapeziert mit Starfotos, die „Mr Christmas“ im Hochsommer „Merry Christmas“ wünschen: George Best, Cliff Richard ebenso wie britische Talkmaster. Aber auch sie dürfen den Höhepunkt des Tages nicht stören: die Aufzeichnung der Weihnachtsansprache der Queen. Wenn Ihre Majestät am Ende um Gottes Segen für ihre Untertanen bittet und die Nationalhymne erklingt, erhebt sich Park und prostet seiner Königin mit Sherry zu. Das Video gehört auch zum Urlaubsgepäck; selbst im Griechenlandurlaub verspeist Park Truthahn mit Rosenkohl. Während Freunde und Verwandte anfänglich fürchteten, dass „Mr Christmas“ in der Klapsmühle landete, machte sich sein Arzt eher Sorgen über die Gewichtsprobleme. Park hat daher sein Festmahl etwas reduziert und arbeitet die gefährlichen Pfunde mit einem Heimtrainer ab.

Zum rettenden „Weihnachtsengel“ wurde seine Weimaraner-Hündin „Sky“, mit der Herrchen bei Spaziergängen die Kalorien abspeckt. An die 4500 Truthähne, rund 90 000 „Mince Pies“, jeweils 30 000 geröstete Kartoffeln und Füllebällchen und mehrere Tonnen Rosenkohl hat Park inzwischen verspeist. Auch bei Geschenken lässt „Mr Christmas sich nicht lumpen. Jeden Abend legt er welche unter den Weihnachtsbaum, um sie am Morgen erwartungsfroh auszupacken. Vor seinem Haus parkt eine Luxuslimousine. An die 400 000 Euro hat Park in seinen Weihnachtsfimmel investiert. Angesichts des kommerziellen Weihnachtstrubels, der in Großbritannien schon im Herbst ausbricht, ist es nur logisch, dass bei „Mr Christmas“ das ganze Jahr die Kasse dank Werbe- und Sponsorenverträgen klingelt. Seine Tanznummer „It´s Christmas Everyday“ wird selbst von der BBC gespielt. Zu seinem Leidwesen „musste die Queen wegen anderer Verpflichtungen darauf verzichten, als Backgroundsängerin bei mir Starruhm zu erlangen“, bedauert „Mr Christmas“. Auch das Angebot, ihre Weihnachtsrede in seinem Wohnzimmer aufzuzeichnen, lehnte sie ab.



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