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„Ich bin nun mal kein José Carreras”

Von ANJA KATZMARZIK, 21.12.05, 10:55h, aktualisiert 21.03.06, 10:57h

Ein Jahr ist es beinahe her, als der Tsunami Südostasien überrollte. Die Anteilnahme und Spendenbereitschaft der Menschen war groß. Auch Kölner haben sich engagiert. Inzwischen ist bei ihnen aber Frust aufgekommen.

Bild: Hennes
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Athula Wanigasekara (l) und Andreas Kouklinos mit den Bildern der Tsunami-Waisen.
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Athula Wanigasekara (l) und Andreas Kouklinos mit den Bildern der Tsunami-Waisen.
Zwischen Freude und Frust: Was ist aus den privaten Initiativen geworden?

„Die Menschen brauchen uns. Aber das interessiert keinen mehr.“ Andreas Kouklinos wirkt müde. Der Kölner Arzt startete vor fast einem Jahr die private Tsunami-Hilfe „equipmaid e.V.“ Doch das Geld geht aus, und er fühlt sich oft allein: „Wir waren nie mehr als sieben Gründungsmitglieder.“ Gestern ein Hoffnungsschimmer: In der PSD-Bank am Laurenzplatz wurden Bilder von Tsunami-Waisen für sein Projekt versteigert. Aber was wird danach?

Hiobsbotschaft per SMS

Vor einem Jahr. Kouklinos befand sich auf Sri Lanka, um eine Studentenpartnerschaft aufzubauen. Da erreichte seinen Freund Athula Wanigasekara, der ihn zum Flughafen brachte, die Nachricht per SMS: Die Welle hatte Galle erfasst. Die Nachrichtenlage war dürftig: „In Deutschland wussten sie mehr als wir.“ Kouklinos wollte bleiben, wurde jedoch evakuiert.

„All die traumatisierten Menschen am Flughafen“, erinnert er sich. „Im Flugzeug saß hinter mir ein Mann, der hat zehn Stunden lang nur geschrien und geweint.“ Der Mediziner half - und als die Maschine deutschen Boden berührte, war dem 35-Jährigen klar: „Ich kann nicht in Deutschland bleiben. Ich muss zurück.“ Nur zwei Stunden später war er wieder in der Luft.

Kouklinos bekam als erste Spende 2000 Euro von Freunden - und blieb zweieinhalb Monate. Er nutzte Geld und Kontakte und besorgte medizinisches Gerät und Medikamente. In der deutschen Botschaft half der gelernte Kinderkrankenpfleger bei der Versorgung Verletzter, im Süden packte er bei Aufräumarbeiten mit an. Ausgegeben hat er das Vierfache von dem, was er hatte. „Alles private Schulden.“ Er erwarb einen Lastwagen, um das Material zu transportieren. Er dient heute als rollendes Bananengeschäft und ernährt vier Familien. Die Männer - ehemalige Fischer - gehen nicht mehr aufs Meer. „Viele können oder wollen nicht mehr auf dem Wasser arbeiten.“ Andere wagen es, um zu überleben, weshalb der Verein bereits ein neues Fischerboot angeschafft hat, ein zweites ist geplant. Die Privatinitiative kooperiert mit der Caritas vor Ort, neue Wohnhäuser sind geplant, der Grundstein für ein „Transit-Home“ für Waisenkinder ist gelegt, ein Fonds für 58 Medizinstudenten eingerichtet. Mit rund 25 000 Euro Spenden plus Sachspenden half Kouklinos bei der „Selbsthilfe“ direkt da, wo sie gebraucht wird - das garantieren einheimische Partner vor Ort, mit denen er täglich Kontakt hat und die Baumaterial zum Lokalpreis („ohne Hautfarbengebühr“) einkaufen.

Die Spenden-Akquise wird immer mühsamer. Die Konten großer Organisationen dagegen seien voll. „Aber die Hilfe kommt nicht so an, wie sie ankommen könnte“, meint Kouklinos. „Und wir könnten es so dringend brauchen. Das ist frustrierend.“ Doch der Ehrenfelder macht weiter. „Ich bin nun mal kein José Carreras und kein Deutsches Rotes Kreuz - aber dafür habe ich auch keine Verwaltungskosten.“

Witwen lernen schneidern

Andere private Initiativen tun sich ähnlich schwer, geben aber nicht auf. „Was die Thais vor allem brauchen, sind Touristen. Ein Besucher ernährt 20 Familien“, sagt Evelyn Unger. Die Physiotherapeutin aus Merheim mit einem Institut für traditionelle Thaimassage befindet sich gerade wieder in Thailand, wo mit ihrer Hilfe vergangene Woche das „Women's Project Khukkak“ eröffnet werden konnte. In dem Gemeinschaftsprojekt von Einheimischen sowie einer deutsch-niederländischen Spendergemeinschaft werden 15 Tsunami-Witwen zu Schneiderinnen ausgebildet, damit sie ihre Familien ernähren können. Aber es fehlt immer noch Geld für einen kleinen Laden und Leder-Industrienähmaschinen.

Auch Krankenschwester Azleena Ibrahim wünscht sich, die Anteilnahme hätte etwas länger angehalten. Zwei Schulen und eine Notfallambulanz konnten mit Hilfe ihres jungen Vereins wieder aufgebaut werden. „Doch es besteht nach wie vor ein Defizit in der medizinischen Versorgung sowie den Bildungseinrichtungen“ vor allem außerhalb der touristischen Zentren. Gestern flog die 35-Jährige wieder auf die Malediven, Reise und Unterkunft natürlich aus eigener Tasche bezahlt. Um sich um ihre Projekte zu kümmern und um am 26. Dezember bei ihren Freunden zu sein. Zu einer Gedenkstunde mit Gebeten und Schweigen.



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