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Heroin mit Gips gestreckt

Von TOBIAS MORCHNER, 21.12.05, 07:46h

Die Zahl der Todesfälle durch illegale Drogen ist in Köln in diesem Jahr stark angestiegen, während in anderen Städten in NRW ein deutlicher Rückgang zu verzeichnen ist.

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Die Zahl der Drogentoten ist in diesem Jahr in Köln stark angestiegen.
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Die Zahl der Drogentoten ist in diesem Jahr in Köln stark angestiegen.
Die Polizei warnt vor einer Überbewertung. Die Stadt erwägt neues Angebot für Langzeit-Konsumenten.

Die Zahl der Todesfälle durch illegale Drogen ist in Köln in diesem Jahr stark angestiegen. Während in anderen Städten in Nordrhein-Westfalen ein deutlicher Rückgang der Drogentoten zu verzeichnen ist, zählte die Polizei in Köln bis Mitte Dezember bereits 54 Tote. 2004 waren es im Stadtgebiet nur 32.

„Ich bin ratlos und habe keine wirkliche Erklärung für diesen Anstieg“, sagt Dr. Herbert Berger, der Drogenbeauftragte der Stadt, „unsere Drogenräume sind sehr gut ausgelastet, unser mobiler Dienst arbeitet höchst effektiv, ist wirklich bemüht, die Abhängigen zu versorgen, und trotzdem diese Zahlen.“ Seine Vermutung: Viele der Junkies, die in diesem Jahr verstorben sind, seien einfach am Ende ihrer Drogenkarriere gewesen, einige ihrer Organe seien bereits so stark geschädigt gewesen, dass sie die Drogen-Mengen, die ihnen früher nichts ausgemacht haben, jetzt nicht mehr überlebt hätten. „Wir werden überlegen, ob es sinnvoll ist, in Köln ein besonderes Angebot für ältere, langjährige Drogenkonsumenten einzurichten“, so Berger.

Die Polizei interpretiert die neuen Zahlen etwas anders. „Die nackten Zahlen sind relativ, sagen für sich genommen nichts aus“, sagt Polizei-Sprecher Jürgen Laggies, „diese Schwankungen gibt es immer wieder. 1993 hatten wir 42, ein Jahr später 96 Drogentote. 1995 sank die Zahl wieder auf 74. Das liegt daran, dass beim Tod eines Drogenkonsumenten viele Zufälligkeiten zusammenkommen.“ So hinge es zum Beispiel von der Qualität des Stoffes, dem Gesundheitszustand des Abhängigen und den hygienischen Umständen ab, ob ein Langzeitkonsument eine Dosis überstehe oder nicht, so Laggies: „Hat jemand eine 20-jährige Drogenkarriere hinter sich und erwischt einen schlechten Tag, kann es schnell vorbei sein.“ Erkenntnisse darüber, dass in diesem Jahr mehr Drogenkonsumenten aus dem Umland oder anderen Städten nach Köln gekommen, und deshalb die Todes-Zahlen so stark angestiegen sind, hat die Polizei nicht. Für Winfried Ehing, den Leiter der linksrheinischen Beratungsstelle der Drogenhilfe Köln, gibt es zwei andere mögliche Erklärungen für die gestiegene Zahl der Drogentoten: „Wir hören immer wieder, dass die Qualität des Heroins im letzten halben Jahr stark gesunken ist. Immer häufiger wird es gestreckt, beispielsweise mit Mehl oder Gips, so dass es dadurch vermehrt zu Todesfällen kommen kann.“ Außerdem seien, so Ehing, in diesem Jahr vollständig neue Szenen entstanden, die Drogen konsumierten. „Unter den Russland-Deutschen in Köln scheint Heroin gerade sehr beliebt zu sein.“



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