Von GERRIT KRIEGER, 14.01.06, 07:21h
Die Kürzungsvorschläge der Unternehmensberatung Kienbaum machen auch vor dem Wildpark Reuschenberg und seinen tierischen Bewohnern nicht Halt. Die 240 000 Euro, die die Stadt für Luchs und Storch, Dammwild und Stachelschwein jährlich zuschießt, befand man dort, könnten gespart werden - was das Aus für den Wildpark bedeuten würde.
Was in einem solchen Fall mit den Tieren geschehen soll, bleibt bislang allerdings unklar. Frank Arentz, Vorsitzender des Tierpark-Fördervereins, sagt es ganz deutlich: „Wir wissen dafür keine Lösung und die Stadt weiß sie auch nicht.“ Die Chance, eine nennenswerte Anzahl der Tiere an andere Parks zu vermitteln, sieht er jedenfalls nicht. Andere Einrichtungen seien in der Regel versorgt. Bestenfalls in Einzelfällen, glaubt er, könnten Tiere auf diese Weise untergebracht werden. Für den großen restlichen Teil ist Arentz allerdings absolut ratlos. Verkauft bekomme man die Tiere nicht, sagt er: „Dafür gibt es keine Nachfrage.“ Freilassen dürfe man sie auch nicht. Und auch das Einschläfern von Tieren unterliege strengen Regelungen und sei in solchen Fällen selbstverständlich nicht erlaubt.
Auch bei der Stadt hat man bislang noch keine Lösung für dieses Problem parat. In seinem Dezernat - Planung und Bau - räumte Dezernent Hans-Eckart Krajewski ein, besitze man jedenfalls nicht die Erfahrung, um die Vermittlung der Tiere zu organisieren. Sollte der Rat sich für die Schließung des Wildparks entscheiden, müsse man ein entsprechendes Konzept entwickeln, vielleicht einen „professionellen Abwickler“ einschalten, der wisse, wie die Tiere vermittelt werden können.
Arentz ist unterdessen der festen Überzeugung, dass der Wildpark gerettet werden könnte. Denn den größten Teil der Gesamtkosten von jährlich 240 000 Euro, sagt er, nähmen schließlich die Personalkosten ein. Krajewski beziffert sie auf etwas über 158 000 Euro pro Jahr, hinzu kommen jährlich 12 000 Euro für Zivildienstkräfte. Die Kosten für das feste Personal, so Arentz, ließen sich aber auch im Falle einer Schließung nicht sparen. Schließlich seien die drei Beschäftigten Mitarbeiter der Stadt und dürfen nicht betriebsbedingt gekündigt, müssten also an anderer Stelle weiter beschäftigt werden. Was die, so Arentz, restlichen anfallenden Kosten von bis zu 70 000 Euro pro Jahr betreffe, so müsste der Förderverein imstande sein, Wege zu finden, um diese Summe mit Hilfe zahlreicher Maßnahmen „zum größten Teil abzufangen“. Bereits im Jahr 2005 habe der Verein über Sponsoring, freiwilligen Eintritt, Futtermittelautomaten, Mitgliedsbeiträge und andere Wege etwa 30 000 Euro zusammen bekommen. „Das lässt sich optimieren“, ist Arentz überzeugt, dem bereits zahlreiche Ideen vorschweben, wie solches zu realisieren wäre. Unter anderem, sagt er, sei der Verein im Gespräch mit zwei „sehr interessierten Großsponsoren“, die mit hoher Wahrscheinlichkeit dafür zu gewinnen wären, „eine richtig große Summe beizusteuern“. Und noch auf vielen anderen Wegen lasse sich Geld hereinholen oder, andersherum, einsparen: Beispielsweise, indem man pflegeintensive, teure Tiere im Falle ihres Todes nicht mehr neu anschaffe.
Und noch ein wichtiges Argument spricht aus seiner Sicht gegen die Schließung: Weil der Park sich im Naturschutzgebiet befindet, müsste dort nach dessen Aus für sehr viel Geld alles zurückgebaut werden - übrigens, so Arentz, auch das Gebäude mit Sozialräumen und Futterküche, das erst vor etwa drei Jahren, mit städtischen Geldern, gebaut worden sei.
Krajewski kennt diese Argumente und räumt ein, dass schnelle Ersparnisse - schon im nächsten oder übernächsten Jahr - in Fall des Tierparks kaum zu erzielen seien. Es sei durchaus möglich, dass der Spareffekt erst nach 2010 zum Tragen komme.
Manche Frage offen
Und in der Tat sei noch manche Frage offen: wie und wo das Personal nach einer Schließung eingesetzt werden könnte, wie genau die Abwicklung im Zweifel ablaufen werde, in welchem Umfang, welchem Zeitraum und zu welchen Kosten das Gelände dann zurückgebaut werden müsste. Aber, so Krajewski: „Wir haben auch andere Fälle, wo Investitionen getätigt werden müssen, bevor gespart werden kann.“ Und ein konkretes Konzept für die Abwicklung könne nun einmal erst entwickelt werden, wenn der Rat tatsächlich das Ende des Wildparks beschließe.
Die Verwaltung jedenfalls werde dem Rat in ihrer Stellungnahme nahe legen, dem Kienbaum-Vorschlag zu folgen und „Richtung 2010“ die Schließung des Wildparks anzustreben. Knackpunkt bei allem, so der Dezernent, blieben in Sachen Wildpark die Personalkosten: Denn die könne auch der Förderverein nicht aufbringen. Und eine Versorgung der Tiere durch Ehrenamtler, ohne Fachpersonal, sei gesetzlich nicht erlaubt.
Zum Stichwort „professionelle Abwicklung“ ergänzte der Dezernent am Freitag auf Nachfrage: Falls es dazu komme, werde man die Rahmenbedingungen für ein solches Verfahren so formulieren, dass die Abwicklung innerhalb des rechtlichen Rahmens der Bundesrepublik Deutschland erfolge. Er begegnete damit Befürchtungen, die der Redaktion im Rahmen der Recherchen zugetragen worden waren, wonach es bei solchen Abwicklungen andernorts schon dazu gekommen sei, dass Tiere, die nicht verkauft werden konnten, am Ende doch getötet wurden - und zwar im Ausland, wo zum Teil offenbar andere rechtliche Bestimmungen gelten.
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