Von Vivien Rehder, 08.01.06, 16:57h
46 Prozent der rund elf Millionen Alleinstehenden wünschen sich einer Studie der Online-Partneragentur parship.de zufolge eine Beziehung. Vor allem über Singleportale im Internet suchen und finden immer mehr Menschen einen Partner. Laut einer Marktanalyse des Branchendienstes Singleboersen-vergleich.de nutzen rund 4,6 Millionen Menschen Online-Dating - mit steigender Tendenz. Aber auch die klassische Kontaktanzeige in der Zeitung hat noch nicht ausgedient.
Im Internet lassen sich leicht Kontakte knüpfen, mehr aber auch nicht, meint Diplompsychologe Michael Thiel aus Hamburg. Sein Rat: Wer einem interessanten Menschen im virtuellen Raum begegnet, sollte sich möglichst bald zu einem Treffen verabreden, um einen echten Eindruck zu bekommen. Denn die Partnersuche im Internet hat ihre Tücken: «Jeder präsentiert sich dort als Idealbild, das sich nur bis zum ersten Treffen aufrechterhalten lässt», erläutert der Experte. «So stellt man zum Beispiel das schönste Foto von sich ins Netz und beschreibt sich selbst als attraktiv und sportlich.»
Thiel empfiehlt, die eigene Persönlichkeit möglichst realistisch darzustellen - zum Beispiel mit konkret genannten Hobbys und Interessen. «Wenn sich jemand als sportlicher Läufer verkauft, sollte er deutlich machen, ob er täglich Marathontraining betreibt oder zwei Mal im Monat ein bisschen durch den Wald joggt.»
Wichtig ist aus Sicht von Experten, bei der Partnersuche eine offene Einstellung zu bewahren. Single-Coach Regina Swoboda aus München rät, es mit der gezielten Suche nicht zu übertreiben: «Die Bereitschaft, andere kennen zu lernen und miteinander Spaß zu haben, bringt mehr, als die Masse nach geeigneten Kandidaten abzuklappern.»
Gerade bei der Suche in Online-Börsen seien viele Singles zu sehr auf Äußerlichkeiten fixiert, meint die Psychologin und Paarberaterin Annika Lohstroh aus Hamburg. Sie rät zu mehr Aufgeschlossenheit. «Liebe lässt sich nicht kalkulieren und kontrollieren.» Häufig seien es Kleinigkeiten, die jemanden attraktiv machen. «Menschen verlieben sich in eine bestimmte Lachfalte, einen Blick oder eine skurrile Eigenart, nicht in das perfekte Gesamtbild.»
Bei Verabredungen über Single-Portale oder Kontaktanzeigen entscheidet meist das erste Treffen darüber, was aus der neuen Bekanntschaft wird. «Dabei entsteht leicht eine angespannte Atmosphäre, weil jeder sich fragt, ob er das richtige angezogen hat und den Erwartungen des anderen genügt», schildert Regina Swoboda.
Mit einer entwaffnenden Bemerkung wie «Ich habe mich eine Stunde lang für dieses Date aufgerüscht» oder «Jetzt komme ich mir vor wie auf dem Prüfstand» lasse sich die unangenehme Situation überspielen und zugleich testen, wie der andere reagiert, rät Michael Thiel.
Offenheit zählt nicht nur bei der gezielten Partnersuche über Internet oder Kontaktanzeigen. Wer den klassischen Weg vorzieht, sollte sich überlegen, wo er Menschen mit ähnlichen Interessen treffen kann, rät die Psychologin und Psychotherapeutin Heike Oberlack-Nieß aus Bergisch Gladbach. «Studien zeigen, dass Gemeinsamkeiten mehr als Gegensätze ausschlaggebend für eine Beziehung sind.» Deshalb fänden viele Menschen ihren Lebenspartner eher unter Kollegen im Beruf oder beim Hobby als abends in der Disko.
«Jemanden kennen zu lernen, ist kein Problem, aber es ist schwieriger geworden, eine Partnerschaft auf Dauer zu halten», meint die Expertin. Häufig würden Äußerlichkeiten und romantische Vorstellungen in den Vordergrund gestellt. «Für viele ist es schwer einzusehen, dass zu einer Beziehung auch Arbeit gehört.» Statt sich den Schwierigkeiten zu stellen, beginnen manche Singles dann lieber wieder aufs Neue mit der Suche nach dem idealen Partner. (dpa/gms)
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