Erstellt 15.01.06, 09:58h, aktualisiert 16.01.06, 11:26h
Es fiel bislang eher schwer, sich Thomas D. und Wolfgang Niedecken gemeinsam auf einer Bühne vorzustellen: Zu weit entfernt voneinander schienen die Planeten, auf denen der Stuttgarter mit den Fantastischen Vier und der BAP-Chef jeweils musizierten - auch wenn beide Bands zumindest die Tatsache eint, dass sie deutsche Texte in der Popmusik salonfähig machten. Am Samstagabend in der Kölnarena aber passierte das scheinbar Unmögliche: Kurz vor Schluss des gut dreieinhalbstündigen Konzertes, mit dem BAP die Jubiläumstour zum 30. Geburtstag der Kölner Band eröffneten, wagten sich Niedecken und Thomas D. gemeinsam an „Verdamp lang her“ in neuer, hochdeutsch-kölscher Version. Und das Wagnis gelang. Es gelang sogar durchaus eindrucksvoll, dank der Bühnenpräsenz des Rappers und der angenehm entschlackten Version des BAP-Klassikers von 1981.
Und die ausverkaufte Arena tobte - das allerdings nicht erst seit diesem Stück, sondern bereits seit dem allerersten Ton des Konzertes. Schließlich war man zum Feiern aufgelegt, und da kam eine Tournee, die sich explizit „Greatest Hits Tour“ nennt, gerade recht. Größte Erfolge gab es allerdings viele, vor allem in den 80er- und frühen 90er Jahren, als BAP mit kölschen Texten zu eher unkompliziertem Rock in Deutschland wie im europäischen Ausland gefeiert wurden. Und so reichte es trotz Überlänge des Konzertes nur für eine Auswahl: Beginnend mit „Wahnsinn“ vom allerersten BAP-Album, arbeitete sich die Band durch ihre Geschichte - an der jedoch ausschließlich Niedecken selbst in Gänze beteiligt war, während der Rest der aktuellen Band an unterschiedlichen Punkten der „Dreimal zehn Jahre“ (so auch der Titel des aktuellen Albums) währenden BAP-Geschichte dazu stieß.
Thomas D. allerdings war nicht die einzige Live-Verstärkung, mit der die Band in Köln aufwarten konnte: Geigerin Anne de Wolff bereicherte etwa das furiose Dylan-Cover „Hurricane“ - und übernahm bei „Paar Daach fröher“ sogar den ursprünglich von Meret Becker gesungenen Part. Großer Applaus dafür, genau wie für H-Blockx-Sänger Henning Wehland, der Niedecken bei „Widderlich“ und „Rövver noh Tanger“ druckvoll zur Seite stand. Und auch Marta Jandová, eigentlich Sängerin bei Die Happy, zeigte mit ihrer Version von „Lena“, dass manchem BAP-Song eine neue Wendung durchaus gut bekommt.
Das galt auch für die Stücke ohne Gast-Einwirkung: „Kristallnaach“ etwa in zeitgemäßer Neu-Interpretation, das gereifte „Nemm mich met“ von 1983, oder die treibende Fassung von „Frau ich freu mich“ - durchaus gelungene Übersetzungen der Klassiker in ein aktuelleres Klangbild. Einigen Stücken allerdings, der unvermeidlichen Ballade „Do kanns zaubere“ etwa, hätte etwas mehr Originaltreue gut zu Gesicht gestanden. Doch selbst wenn die Band das halbe Konzert auf dem Kamm geblasen hätte - das so dankbare wie feierfreudige Publikum wäre mutmaßlich dennoch begeistert gewesen. Und bewies immer wieder beeindruckende Textsicherheit, etwa beim finalen „Wellenreiter“, wobei Niedecken sich in alter Tradition auf das erste Wort des Stückes beschränkte, ansonsten aber der Halle den kompletten Gesangspart überlies.
Feierte man das zehnjährige BAP-Bestehen noch 1989, hat Wolfgang Niedecken inzwischen die ersten Gehversuche der Band im Jahr 1976 und das damals entstandene „Helfe kann dir keiner“ zum offiziellen Band-Start erklärt. Nicht allzu viel jünger ist Bruce Springsteens „Hungry Heart“ - die Hymne markierte in eindrucksvoller, ausführlich vorgetragener akustischer Version unter Beteiligung aller Gäste den Schluss eines intensiven Rückblicks auf die 30-jährige Geschichte der Kölner Band. Einer Band, der es an diesem Abend dank mancher Neuinterpretation sowie der weitaus jüngeren Gäste gelang, ihr musikalisches Alter gekonnt zu verbergen. Was ja gerade bei der eigenen Geburtstagsfeier kein Fehler ist.
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