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Ausgebootet bis in den Ruin

Von UTA BÖKER, 19.01.06, 07:12h

Frechen - Ein Hürther Unternehmer wirft der Frechener Niederlassung von DPD „Mauscheleien“ vor. Deshalb will er Strafanzeige wegen Betrugs stellen.

Bild: Beissel
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Der Transportunternehmer Bernd Neu.
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Der Transportunternehmer Bernd Neu.
Frechen - „Das Frechener Depot von DPD geht über Leichen. Alles nur für Geld.“ Der Vorwurf von Bernd Neu aus Hürth-Gleuel wiegt schwer. Doch der 53-Jährige Transportunternehmer ist überzeugt, dass der Deutsche Paketdienst (DPD) mit Wissen der Frechener Depotleitung seine Firma AOS ruiniert hat. Deshalb will er Strafanzeige wegen Betrugs stellen.

Es habe mindestens 50 weitere Insolvenzen von Subunternehmen gegeben, die für das Frechener DPD-Depot im Gewerbegebiet an der Europaallee gearbeitet hätten, deckte Fernsehjournalist Tim van Beveren auf. Das Frechener Transportunternehmen von Fatih Gündüz sei Nutznießer dieser Firmenpleiten im Großraum Köln, heißt es in dem Beitrag des Wirtschaftsmagazins „Plusminus“.

Bernd Neu musste im Juni 2004 Insolvenz anmelden. Acht Jahre lang war er bis dahin als Transportunternehmer tätig, die letzten anderthalb Jahre lang fuhr er auch für die DPD-Niederlassung in Frechen Pakete und Postsendungen. In dieser Zeit sei er mit „miesen Tricks und kriminellen Machenschaften“ ausgebootet worden, sagt Neu. Große Gewinne könne man bei DPD sowieso nicht machen. So bekämen die Subunternehmer für die Auslieferung eines kleines Paketes 1,22 Euro ausgezahlt. Kurz vor Weihnachten 2003 seien bei AOS drei Fahrer ausgefallen. Er habe drei Touren für die DPD absagen müssen, erzählt Neu. Ohne Rücksprache habe die Depotleitung Ersatzfahrer der Firma Gündüz eingesetzt. „Die Fahrten wurden mir von meiner monatlichen Vergütung abgezogen.“ Mit horrenden Aufschlägen, wie der Unternehmer berichtet. So habe er für eine abgesagte Tour, die ihm laut Liste 99,04 Euro eingebracht hätte, 355 Euro berappen müssen. Diese und andere Springerfahrten habe die Firma Gündüz durchgeführt. Weil die Beiträge einbehalten worden seien, sei sein Unternehmen in Zahlungsschwierigkeiten geraten, sagt Neu. So habe er in einem Monat DPD 21 095 Euro in Rechnung gestellt. Ausgezahlt worden seien aber nur 1211 Euro. Das Ende seiner Firma war nicht mehr abzuwenden. Zum Fuhrpark gehörten zwölf Kastenwagen, 22 Fahrer waren fest angestellt. Noch heute steigen dem 53-Jährigen die Tränen in die Augen. „Meine Selbstständigkeit habe ich mir hart erarbeitet. Mir ist nie etwas geschenkt worden.“ Seine Gesundheit hat gelitten. „Heute nehme ich Herztabletten.“

Keine Nachweise

Unseriös findet Neu außerdem, dass für die Springerfahrten keine schriftlichen Nachweise geliefert worden seien. Üblich sei, dass ein Kunde, wenn er ein Paket erhalten habe, ein Formular unterschreiben müsse. Doch Neu seien nur leere Blätter übergeben worden: „Die Unterschrift der Kunden fehlt.“ „Plusminus“ fand noch andere Zeugen, die vor laufender Kamera bestätigten, dass von Gündüz regelmäßig mehr Fahrten dokumentiert worden seien als tatsächlich stattgefunden hätten. Darüber hinaus ist von Mauscheleien zwischen dem Depotleiter und Fatih Gündüz die Rede. Gündüz soll dem Depotleiter Spielzeug für die Kinder und ein Fahrzeug für Familienausflüge zur Verfügung gestellt habe, behauptet im Fernsehbeitrag ein ehemaliger Angestellter von DPD. Gündüz wollte sich zu den Vorwürfen nicht äußern. Er habe sich einen Anwalt genommen: „Ich möchte mich nicht verstecken, aber erst muss ich alle Unterlagen zusammentragen.“ Gegen ihn ermittelt die Kölner Staatsanwaltschaft wegen des „Verdachts des Betrugs“. Der Frechener DPD-Depotleiter war gestern für eine Stellungnahme nicht zu erreichen. Eine Sprecherin der DPD-Zentrale in Aschaffenburg teilte mit, ein unabhängiges Wirtschaftsinstitut aus Frankfurt sei beauftragt, die Fragen zu klären. Hans-Otto Nowak, Kreisleiter des Bundesverbandes mittelständischer Wirtschaft, befürchtet, dass „solche Praktiken die Glaubwürdigkeit der Wirtschaft unterlaufen“. Der faire Wettbewerb werde außer Kraft gesetzt.



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