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Merkwürdige Häufung von Glückspilzen

Von GUNTHER LUTZ, 21.01.06, 08:15h

Bei Online-Gewinnspielen namhafter Firmen gab es nette Preise zu gewinnen. Die Sieger kamen jedoch alle aus dem Großraum Köln, weil ein Mitarbeiter der Gewinnspiel-Agentur Freunde und Bekannte mit den besten Preisen versorgt hatte. Jetzt flog der Schwindel auf.

Wenn namhafte Firmen wie Autoteile Unger (A.T.U.), Vodafone, der ADAC und andere Großkonzerne etwas verlosen, sollte eigentlich alles mit rechten Dingen zugehen. Doch bei den Advents-Gewinnspielen, die diese Firmen ebenso wie der ADAC vor wenigen Wochen im Internet veranstalteten, kamen fast alle Hauptgewinner aus dem Großraum Köln. Merkwürdig. Noch merkwürdiger: Auch die mit der Abwicklung der Gewinnspiele beauftragte Agentur namens InteractiveM hat ihren Sitz in Köln. Teilnehmer aus anderen Gegenden, die auf Autos, Motorroller oder Fernseher hofften, hatten Pech - und zwar manipuliertes Pech. Das hat jetzt auch der Geschäftsführer von InteractiveM, Bernd Toma, nach einem Bericht des „Donaukurier“ eingeräumt: Einer seiner Mitarbeiter habe mit den wertvollen Gewinnen „Freunde und Bekannte bedacht“, sagte Toma der in Ingolstadt erscheinenden Zeitung. Man habe „personelle Konsequenzen“ aus dieser „Riesensauerei“ gezogen. Die fraglichen Preise habe die Agentur größtenteils zurückholen können, so Toma weiter. Zwar hätten nicht alle angeblichen Gewinner die geforderten Verzichtserklärungen abgegeben, in diesen Fällen habe seine Agentur die Gewinne zur ordnungsgemäßen Verlosung aber ein zweites Mal beschafft - darunter ein Auto.

Bei den Gewinnspielen handelte es sich um interaktive Adventskalender im Design des jeweiligen Auftraggebers: Hinter den Türchen verbargen sich Fragen, bei deren richtiger Beantwortung ein Tagespreis winkte. Wer jeden Tag mitmachte, sollte am Schluss an der Verlosung des Hauptpreises teilnehmen. Doch beim Anblick der im Internet veröffentlichten Gewinnerlisten wurden Kenner der Szene rasch stutzig: Schon am ersten Weihnachtsfeiertag brach im Internetforum der Webseite „Gewinn-Portal.de“ eine heftige Diskussion darüber los, warum „dem Weihnachtsmann ausgerechnet über dem Großraum Köln die Tasche aufgerissen ist“. In solchen Foren tauschen sich fanatische Gewinnspielteilnehmer aus, die zum Teil bei mehreren Hundert Online-Verlosungen im Monat mitmachen.

Zahlreiche Mitglieder der „Community“ wandten sich in den Tagen nach Weihnachten an die betroffenen Firmen und verlangten Aufklärung über die merkwürdigen Vorgänge in Köln. Dann räumte auch die dortige Agentur „Unregelmäßigkeiten“ ein, versuchte die Angelegenheit zunächst aber mit technischen Problemen und der Mehrfach-Anmeldung einzelner Teilnehmer bei den Adventsgewinnspielen zu erklären. Die Frage, warum denn nun so viele „Glückspilze“ ausgerechnet aus Köln kamen, ließ sich so natürlich nicht beantworten.

Bei den betroffenen Firmen von A.T.U. bis Vodafone, die mit den Gewinnspielen eigentlich positiv auf sich aufmerksam machen wollten, war der Ärger groß: „Wir waren schockiert“, sagt etwa Vodafone-Sprecherin Ute Schack. „So etwas darf nicht passieren“, heißt es bei A.T.U in Weiden. Und der ADAC hat einen seiner Hausanwälte eingeschaltet, so Roman Breindl von der Pressestelle des Automobilclubs. Derartige Gewinnspiele werde man als Konsequenz aus dem Vorfall künftig „wieder in Eigenregie veranstalten - unter Aufsicht unserer eigenen Juristen“. Das Auto, das es beim ADAC zu gewinnen gab, ist laut Breindl übrigens noch nicht in den Kölner Raum ausgeliefert worden und wird wohl neu verlost. Mit den Preisen der meisten anderen betroffenen Firmen ist das bereits geschehen - und zwar korrekt, wie überall versichert wird. Ob die Angelegenheit ein juristisches Nachspiel haben wird, ist noch offen. Aber gestraft ist die Agentur schon jetzt: Sie steht vor dem Aus. Laut Geschäftsführer Toma sind 2005 von insgesamt 35 Adventsgewinnspielen, die InteractiveM betreute, zwar nur sechs nicht sauber abgelaufen - aber das habe gereicht, dass man nun „fast ohne Kunden“ dastehe. „So wie es jetzt aussieht, wird es uns in drei Monaten wohl nicht mehr geben.“



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