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„Keine Ahnung von der Oper“

Von MARKUS SCHWERING, 26.01.06, 07:03h

Edda Moser über Loseys "Don Giovanni"-Flim, der als DVD erscheint. Die Sängerin, heute Gesangsprofessorin der Kölner Musikhochschule, trat in der Verfilmung von 1979 als Donna Anna auf.

Bild: Rakoczy
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Eine gefeierte Sopranistin, lehrt Edda Moser heute an der Musikhochschule in Köln.
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Eine gefeierte Sopranistin, lehrt Edda Moser heute an der Musikhochschule in Köln.
Die Sängerin, heute

Gesangsprofessorin der Kölner Musikhochschule, trat in der Verfilmung von 1979 als Donna Anna auf.

Die drei Herbstmonate des Jahres 1979, als in Oberitalien Joseph Loseys „Don Giovanni“-Film entstand, sind Edda Moser so gegenwärtig, als sei es gestern gewesen: „Die Palladio-Architektur, das herbstliche Licht, die Sonnenuntergänge über der Villa Rotonda - wunderbar.“ 26 Jahre sind es nun her, da das mit zwei Oscars für Schnitt und Ausstattung ausgezeichnete Werk herauskam. Anlässlich des laufenden Mozart-Jahrs wird es, das in der Geschichte der Opernverfilmung Epoche machte, erstmals auf DVD veröffentlicht - in „herausragender digitaler Tonqualität“, wie die Firma versichert.

Für die Gesangsprofessorin der Kölner Musikhochschule ist dies ein Anlass, ihre eigene Mitwirkung in diesem Film - als Donna Anna - wieder einmal zu reflektieren. An ihrer Auffassung der zentralen Rolle, die sie damals verkörperte, hat sich, wie sie sagt, nichts geändert. Sie identifiziert sich nach wie vor „absolut“ (dies ein Lieblingswort) mit ihr, mit dieser großen, ganz von der Rache am Mörder ihres Vaters okkupierten Einsamen, die sie mit charismatischer Eindringlichkeit darstellte - nicht nur als Sängerin mit der erotischen Stimme, sondern eben auch als Akteurin.

Edda Moser ist auch noch ganz präsent, wie es seinerzeit zu dem „Don Giovanni“-Projekt kam: Man hatte Mozarts Oper mit einer überragenden Besetzung an der Pariser Oper aufgeführt - woraufhin sich im Intendanten Rolf Liebermann der Wunsch festsetzte, das Ganze zu verfilmen. Als Regisseur engagierte er Joseph Losey, den Linken und ehemaligen Brecht-Freund, der vor den Bedrängnissen der McCarthy-Jahre aus den USA nach Europa geflohen war - und die Verbitterung darüber, wie die Sängerin anmerkt, nie loswurde. Freilich: Die Seele des Ganzen sei Liebermann gewesen, der auch den Einfall gehabt habe, den Film in den Architekturen des genialen Renaissance-Baumeisters Andrea Palladio in und um Vicenza spielen zu lassen.

Dann gab es eine Enttäuschung: Das Ensemble der Pariser Vorstellungen kam nicht mehr zusammen - „weiß der Himmel, warum nicht“. Edda Moser hätte gerne Placido Domingo als Don Ottavio (Annas Verlobten) gehabt - aber sie bekam Kenneth Riegel. „Der war zwei Köpfe kleiner als Raimondi“. Ruggero Raimondi hatte, auch er ein Charismatiker, die Titelpartie versehen. Das Problem dabei: Der dramatische Plot hat zum Ausgangspunkt, dass Donna Anna den abendlichen Besucher im ersten Augenblick für Don Ottavio hält: „So blöd“, sagt Moser, „kann die doch gar nicht sein, Riegel und Raimondi zu verwechseln.“ Im Übrigen sei Don Ottavio ein empfindsam Liebender und kein feiges Weichei, als welcher er im Film erscheine.

Legte also die Sängerauswahl die Interpretationslinie für die Oper fest? „Leider ja“, sagt Moser heute. Auch sonst bekommt der Film sein Fett weg - „Donna Anna“ ist da erstaunlich kritisch. Joseph Losey? „Der hatte doch von der Oper gar keine Ahnung, und in den Arien wusste er einfach nicht, was er mit uns anfangen sollte. Ich hab ihm dann die meisten Szenen vorgespielt und gesagt: »Lass mich mal machen.«“ Auch die Idee des Regisseurs, Don Giovanni einen stummen Pagen beizugeben, stieß nicht auf Begeisterung: „Wir haben damals gesagt: Was soll denn der kleine offensichtlich homophile Boy? Der hat hier doch gar nichts zu suchen.“ Don Giovanni als Bisexueller? „Das war eben eine Obsession von Losey.“ Schließlich Lorin Maazel, der damals das Orchester der Pariser Oper dirigierte: „Ein exzellenter Techniker, der nur überhaupt kein Faible für Mozart zu haben schien. Man raucht doch nicht beim Dirigieren Zigarre, während ich die Donna Anna singe.“

So war Edda Moser dann nicht nur als Donna Anna, sondern auch als Edda Moser bei den Dreharbeiten die Einsame. Die Musikaufnahmen wurden übrigens in Paris gemacht. Lediglich die Rezitative entstanden vor Ort: „Da musste es ganz still sein. Die Polizei sperrte die Straßen, damit kein Autolärm zu hören war.“

Wenn Edda Moser heute über „Don Giovanni“ spricht, ist per se eine große Portion Trauer dabei, denn von der Bühne hat sie sich längst verabschiedet - 1994 mit einer Salome an der Wiener Staatsoper: „Ich bin ja eigentlich tot, Sterben ist einfacher, denn seinen eigenen Tod überlebt man nicht.“ Tatsächlich muss der Blick zurück schmerzgetränkt sein, denn damals, als sie die Donna Anna sang und spielte, stand die gefeierte Sopranistin, deren Berliner Herkunft in ihrem Rededuktus allemal hörbar ist, auf dem Gipfel ihrer Karriere - obgleich sie, wie sie betont, erst durch diesen Film weltweit bekannt wurde, „auch in Gegenden, wo es kein Opernhaus gibt“.

Wie auch immer: Wer sich die Donna Anna im Film vergegenwärtigt - Moser nimmt es dem (1984 verstorbenen) Regisseur übel, ihr Gesicht kein einziges Mal in Großaufnahme gezeigt zu haben -, der kann sie auch heute noch in der Kölner Gesangslehrerin wiederfinden, in der aristokratischen Grandezza, in der hoheitsvollen und allemal theaternahen Impulsivität ihrer Erscheinung. Da fällt es nicht schwer, bei der Verabschiedung vor dem Café „Donna Anna, addio“ zu sagen.

Joseph Loseys „Don Giovanni“-Ver filmung bringt die Firma Concorde am 8. Februar als DVD heraus.



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