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„Mit Terror allein kann man nichts bieten“

Erstellt 27.01.06, 07:00h

Michael Wolffsohn über eine mögliche Politisierung der Hamas. Mit dem Professor für Neuere Geschichte sprach Sibylle Quenett.

Michael Wolffsohn über eine mögliche Politisierung der Hamas. Mit dem Professor für Neuere Geschichte sprach Sibylle Quenett.

KÖLNER STADT-ANZEIGER: Herr Professor Wolffsohn, ist für Sie der Erdrutschsieg der Hamas in Palästina überraschend?

MICHAEL WOLFFSOHN: Leider nein. Die Hamas hat eine sehr erfolgreiche Gesellschaftspolitik betrieben. Anders als die Fatah war sie gegenüber dem Korruptionsbazillus weitgehend resistent. Dafür hat die Fatah jetzt die Quittung erhalten.

Die EU will mit einer friedlichen Regierung auch unter Führung der Hamas zusammenarbeiten.

WOLFFSOHN: Die Frage ist, ob die Hamas eine friedliche Regierung darstellen wird. Man muss aber bei der Hamas berücksichtigen, dass in ihrem jüngsten Wahlprogramm die Töne im Vergleich zu früher erheblich moderater gewesen sind. Außerdem kann man mit Terror allein den Menschen in den palästinensischen Gebieten nichts bieten. Jede Regierung, die wiedergewählt werden will, muss aber ihrer Bevölkerung etwas bieten. Terror zieht israelische Gegenangriffe nach sich. Das ist nicht Erfolg versprechend.

Was heißt das für die Hamas?

WOLFFSOHN: Sie muss sich zunehmend politisieren. Daran führt überhaupt kein Weg vorbei. Sonst ist die militärische und wirtschaftliche Eskalation programmiert.

Wie sind die Aussichten für den weiteren Friedensprozess im Nahen Osten?

WOLFFSOHN: Wenn es zu einer Pragmatisierung der Hamas kommt, und dazu muss es kommen im Eigeninteresse der Palästinenser, dann macht es mittel- oder langfristig keinen Unterschied, ob die Hamas oder die Fatah die Regierung stellt. Wenn aber die Hamas auf eine Doppelstrategie setzt, Politik und Terror,

dann wird das für die palästinensische Bevölkerung viel Unglück bringen.

Wie wird Israel reagieren?

WOLFFSOHN: Israel wird beobachten, ob es diese Pragmatisierung geben wird. Wenn es zu vermehrtem Terror aus den Palästinensergebieten kommt, wird Israel die Gegenaktionen verstärken.



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