Von ANDREAS HELFER, 01.02.06, 07:12h
Verantwortlich für das Wohlergehen von Tieren und Landschaft ist seit neun Jahren Ralf Cholewa vom Amt für Straßen, Grünflächen und Verkehr der Stadt Troisdorf, dem zwei weitere Mitarbeiter zur Verfügung stehen. „Ich wollte schon als kleiner Junge Förster werden und etwas mit Tieren zu tun haben“, sagt der 50-jährige, „dann merkte ich aber, dass diese weniger mit Tieren als mit Holzwirtschaft zu tun haben.“ Die Jägerei habe ihn überhaupt nicht interessiert. Schließlich wurde er Garten- und Landschaftsbautechniker, und mit der Fürsorge für den Park wurde ein Kindheitstraum doch noch wahr.
Namen haben die Tiere im Hirschpark nicht, dafür verfügt Cholewa aber über genaue Familienkenntnisse der Sippschaften. Chef des Rotwild-Clans ist ein kapitaler Bursche, der im Gehege keinen Nebenbuhler hat - dafür aber vier Kühe, die im Frühsommer jeweils ein Kalb zur Welt bringen. „Die Brunftzeit genießt er ausgiebig“, so Cholewa. Zwölf oder 13 Jahre alt sei der Hirsch, was angesichts einer Lebenserwartung von 18 bis 20 Lenzen ein stattliches Alter sei. Unter den Kühen gibt es eine Rangordnung, der Hirsch hat eine Lieblingskuh.
Cholewa achtet im Gehege, wie auch in einem separaten Teil für das aus Asien stammende Sika-Wild, auf einen möglichst naturnahen Lebensraum. Der Boden ist nass, was Raum für Gräser und Binsen bietet, in denen sich im Mai oder Juni die Neugeborenen finden: „Das merkt man sehr deutlich, die Kühe bleiben dann in der Nähe und sind sehr nervös.“ Zwei einige Quadratmeter große Flächen hat er mit jungen Bäumen bepflanzt - sie sollen einen weiteren Sichtschutz für die Tiere bieten, bleiben aber eingezäunt, damit das Wild die Pflanzen nicht anknabbert. Ausgeklügelt ist die Fütterung. In Scheunen lagern Tonnen Mais, Weizen und Gerste. Im Winter steht auch Heu auf der Karte, während die Tiere im Sommer frisches Gras bevorzugen. Wichtig für die Mineralienversorgung sind große Lecksteine aus Salz. „Füttern ist überflüssig und ausdrücklich verboten“, sagt Cholewa, der in Troisdorf auch für die Unterhaltung von Grünflächen und Spielplätzen zuständig ist.
Die Zustände im Hirschpark werden kontrolliert - und Cholewa betont, dass der Kreisveterinär nichts an der Haltung auszusetzen habe. Das war nicht immer so. „Früher war das Verhältnis von männlichen zu weiblichen Tieren fünf zu eins - sie können sich vorstellen , was in der Brunftzeit los war.“ Überalterung und Inzucht wurden zum Problem. Vor vier Jahren wurde das Verhältnis geändert, mit aus Hirsch-Sicht fatalen Folgen. Vier männliche Tiere wurden von einer Plattform aus geschossen, wovon die Löwen im Kölner Zoo profitieren sollten. Weitaus besser haben es heute überzählige Kälber. Sie werden per Blasrohr betäubt und an andere Wildparks weitergegeben.
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