Von SUSANNE HENGESBACH, 07.02.06, 07:36h
Sie ist identisch mit einem deutschen Buchtitel, auf den er vor Jahren aufmerksam gemacht worden sei. Van Friesland las das Werk, dem hierzulande - wie er sagt - wenig Aufmerksamkeit geschenkt worden sei, „konnte daraufhin drei Nächte nicht schlafen“, so aufgewühlt hätte ihn die These des italienisch-deutschen Autoren Francesco Carotta, einem Philosophen und Linguisten, der Beweise für die Annahme zu haben glaubt, dass nicht nur sämtliche Erzählungen aus dem Evangelium, sondern auch das Wirken Jesu in Wahrheit auf dem Leben Cäsars basieren könnten und Jesus faktisch niemand anderer als der römische Kaiser und Feldherr war.
Ich schüttel den Kopf und sage: „Ist Ihnen bewusst, was Sie hier - nur ein paar Meter vom Dom und dem Hause des Kardinals entfernt - lostreten?“ - Der Holländer nickt wie jemand, der derartige Einwände gut zu kennen scheint, und sagt mit ruhiger Stimme: „Ich weiß, das Thema ist eine Bombe.“ Man verneine dieses Buch, man wolle es nicht sehen, weil es eine Bedrohung darstelle. Ihm sei klar, dass man vor allem in Kirchenkreisen gegen Carottas Behauptung Sturm laufe. „Aber leider nicht mit rationalen, wissenschaftlichen Argumenten.“
Die historische Existenz von Jesus in Palästina sei nicht bewiesen. Es gebe bis heute nur Thesen. Beweisbar sei hingegen, dass das Leben des einhundert Jahre vor Christus geborenen Julius Cäsar in unglaublich vielen Punkten mit dem übereinstimme, was von Jesus überliefert sei. Angefangen von den übereinstimmenden Initialen „J. C.“ über die Ähnlichkeit „Gallia und Galiläa“ bis hin zur Kreuzigung.
„Ich dachte, Cäsar sei erdolcht worden“, stelle ich fest. Mein Gegenüber nickt. „Aber bei seiner Leichenfeier gab es ein Kreuz, an dem eine Wachsfigur des vergöttlichten Caesars angebracht war.“ Van Friesland spricht von unendlich vielen Fehlern in den früheren Übersetzungsquellen und berichtet, dass das auf seine Initiative ins Holländische übersetzte Buch „inzwischen in vierter Auflage“ erschienen sei, wohingegen man die deutsche Fassung kaum noch fände. Überdies hätte sich eine Gruppe aus jungen Wissenschaftlern zusammengefunden - „Historiker, Physiker, Sprachforscher, alles sehr kluge Leute“, die aufzeigen wollen, dass die These „kein Blödsinn“ ist. „Und wir hoffen auf kritische Journalisten, die mutig genug sind, auch in Deutschland eine neue Debatte anzustoßen.“
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