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Nackt stricken bei der BBC

Von ULRIKE LANGER, 27.02.06, 07:06h, aktualisiert 27.02.06, 17:43h

Die Britischen Fernsehmacher trauen ihrem Publikum offenbar eine Menge Witz zu. Mit Formaten wie "Tittybangbang" und strickenden Ladies will die renommierte BBC Quote machen. Deutsche TV-Macher schütteln den Kopf.

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Die deutsche Serie: "Türkisch für Anfänger"
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Die deutsche Serie: "Türkisch für Anfänger"
Vieles von dem, was die Briten in diesem Winter in puncto Fernseh-Comedy zu sehen bekommen, wird deutschen Zuschauern niemals zugemutet werden. Das sei vielleicht auch besser so, mag manch einer entgegnen angesichts von Shows wie „Tittybangbang“. Die britische Sketch-Comedyserie ist am 10. Januar im britischen Experimentalsender BBC 3 gestartet. Da gibt es ein Kränzchen älterer Damen, die sich wortlos und als sei es das Natürlichste der Welt, erst einmal von der Hüfte abwärts ausziehen, bevor sie ihr Strickzeug zur Hand nehmen. Eine sexhungrige polnische Putzfrau setzt sich vor einer Touristengruppe in einem Museum mit Strapsen in Szene.

Das mag man urkomisch finden oder geschmacklos, aber auf jeden Fall traut das Geburtsland der „Monty Python“-Truppe seinem Publikum von jeher etwas zu, das über massenkompatiblen Schenkelklopf-Humor hinausreicht.

„Sensitive Skin“, derzeit im BBC 2-Fernsehen, ist eine tragikomische

und bitterböse Studie der Generation 50 plus und alles andere als eine eine typisch deutsche „Am Ende wird immer alles gut“-Serie. Die im politischen Milieu spielende „Dramedy“ (erzählendes Comedy-Drama) „The Thick of It“ fängt mit Handkamera, viel Improvisation und in Echtzeit gedrehten Szenen die fieberhaften Versuche von Politikern und ihrem Personal ein, Affären, Fehlschläge und menschliches Versagen zu verschleiern. Das ist voller Situationskomik und zugleich unglaublich spannend. Wie

seltsam gekünstelt, humorfrei und leblos mutete dagegen die ZDF-Serie „Das Kanzleramt“ an, obwohl auch ZDF-Serienchef Klaus Bassiner betont: „Heutzutage Geschichten zu erzählen, heißt, mit Humor zu erzählen.“ Christiane Ruff, Geschäftsführerin der

TV-Produktionsfirma Sony Pictures, hat jahrelang das Genre Sitcom bei RTL („Das Amt“, „Alles Atze“, „Nikola“) geradezu geprägt. Die Produzentin erzählte jüngst in Köln bei einem Sitcom-Seminar der TV-Produktionsfirma Brainpool, der Adolf Grimme Akademie und der Medienberatung HMR International, von fünf neuen Comedy-Piloten moderner Art, welche Sony Pictures zur Zeit für RTL entwickle. Die Deutschen sollten doch, so Ruff,

nicht immerzu so streng mit sich selbst sein. Immerhin habe der angloamerikanische Sprachraum bei der TV-Sitcom „fünf Jahrzehnte Vorsprung“. Saurabh Kakkar, Comedy-Chef beim britischen Privatsender Granada, glaubt, dass TV-Programmverantwortliche in Großbritannien derzeit „vor lauter Angst, die unter 25-Jährigen zu verlieren, geradezu davon besessen sind, neue Wege bei Comedyformaten zu beschreiten.“ Nicht immer würden dabei gleich alle Genreregeln über Bord geworfen. Am wichtigsten seien „gute Autoren mit der Fähigkeit, mit ihren Texten das größtmögliche schauspielerische Potenzial aus den Darstellern herauszukitzeln.“ „Wir müssen verstärkt auf die Charaktere achten und sie glaubhaft mit Ecken und Kanten gestalten“, betont auch Fiction-Chefin Barbara Thielen. Doch genau dabei würden kreative Fernsehmacher von Senderseite oft ausgebremst, kritisiert Annette Reeker, Kreativchefin der Lunet Entertainment GmbH, welche für ProSieben die Serie „Alles außer Sex“ produzierte. „Wenn man ständig zu hören bekommt, welche Szenen und Dialoge die Hauptfigur angeblich beschädigen, wird es wirklich schwer, authentische Figuren zu entwickeln“, so Reeker.

Am Ende setzen sich oft die Bedenkenträger durch. NDR-Serienchef Bernhard Gleim sieht die Wurzeln der deutschen Arztserie „im Heimatfilm“ verortet und der „Kleine-Leute-Humor“ in Serien wie „Praxis Bülowbogen“ stamme aus der Boulevardkomödie. „Türkisch für Anfänger“, eine am 14. März startende ARD-Vorabendserie, sei modern und breche mit Rollenklischees. Doch in seiner Mehrheit verspüre das deutsche Publikum „ein großes Trostbedürfnis“.

Trostbedürfnis? Solange Programmchefs glauben, ihr Publikum trösten zu müssen, darf man hierzulande wohl keine allzu großen humoristischen Wagnisse erwarten.



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