Von JOACHIM FRANK, 10.03.06, 06:45h
Ob Karikaturenstreit oder das Konstantin-Wecker-Konzert in einer Schule, das nach Drohungen aus der rechtsextremen Szene dort nicht stattfinden durfte: Es häufen sich die Fälle, in denen die Öffentlichkeit - und das sind längst nicht nur Politiker - vor offener oder subtiler Pression zögert, ausweicht oder einknickt. Und immer mit der vermeintlich guten Begründung, Ordnung und Ruhe geböten das. Wenn Angst das Handeln der Menschen zu bestimmen beginnt, haben die Gewalttäter schon gewonnen.
Für Mythen bleibt im Fall des Wecker-Konzerts zum Glück wenig Raum. Denn die Begründung, die Schule dürfe kein Ort für Kommerz oder Politik sein, haben die Verantwortlichen selbst als vorgeschoben bezeichnet. Die Schule soll ökonomisch und parteipolitisch neutral sein - aber nicht weltanschaulich keimfrei. Eine klare Absage an Extremisten etwa müsste zur eisernen Ration gehören, die Jugendliche aus der Schule mitnehmen. Die Antifa-Parolen à la „Nazis raus!“ mögen etwas Ausgestelltes haben (wo eigentlich sollten „die Nazis“ denn hin?) - sie meinen das Richtige: Extremismus ist keine Spielart im pluralen Miteinander, sondern dessen Ende.
Vielleicht merken jetzt auch die, die im „Karikaturenstreit“ Verständnis für den Ausbruch verletzter religiöser Gefühle gezeigt und gegen einen Popanz der Freiheit gewettert haben, wohin das führt. Nicht die Überdehnung der Freiheit ist in der offenen Gesellschaft das Problem, sondern der Druck von Fundamentalisten aller Art, die Freiheit nur nach ihrer Façon gelten lassen wollen.
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