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Düsseldorfer Blutgrätsche

Von Martin Oehlen, 15.03.06, 06:45h

Seit der ruhmreiche „Katsche“ Schwarzenbeck nicht mehr den Ball vor aller Augen spielt, ist von dieser Foul-Variante etwas seltener die Rede. Nun immerhin in Düsseldorf - und zwar nicht in der LTU-Arena, sondern im Rathaus.

Die „Blutgrätsche“ gehört zu den heikelsten Maßnahmen, mit denen sich ein Fußballspieler auf den anderen einlassen kann. Allerdings: Seit der ruhmreiche „Katsche“ Schwarzenbeck nicht mehr den Ball vor aller Augen spielt, ist von dieser Foul-Variante etwas seltener die Rede. Nun immerhin in Düsseldorf - und zwar nicht in der LTU-Arena, sondern im Rathaus.

Die Stadt nämlich hat eine geplante Lesung des bekannten Krimiautors Horst Eckert in der Zentralbibliothek abgesetzt. Der Grund: Der Düsseldorfer erzählt in der Geschichte „Wege zum Ruhm“ (aus dem soeben im Grafit-Verlag erschienenen Buch „Blutgrätsche“) von Machenschaften um eine neue Sportarena, die blutig endet. Mit von der fiktiven Partie ist Oberbürgermeister Kroll. Zwar heißt der OB im wirklichen Leben Erwin - aber das „penetrante Auftreten“ des real existierenden Stadtführers, räumt Grafit-Chef Booß ein, sei in dieser Satire schon zu erkennen.

Solches nun missfällt im Zentrum der Stadt. „Die Geschichte geht zu weit. Wir müssen dies nicht auch noch unterstützen“, stellt ein Rathaussprecher klar. Mit Zensur habe dies allerdings nichts zu tun. Was Autor Eckert anders sieht: „Offenbar kann in Düsseldorf Oberbürgermeister Joachim Erwin Kulturveranstaltungen zensieren, wenn ihm der Inhalt nicht behagt.“ Auch der Grafit-Verlag spricht von einem „Zensurakt“ - und das ausgerechnet in der Stadt Heinrich Heines, wie er betont.

Nach der Einladung an Eckert also die Ausladung durch die Stadt: Mit dieser Blutgrätsche gelingt Düsseldorf eine fette Blamage. Die Rote Karte ist fällig. Aber immerhin - die Stadtführung liefert solcherart Zündstoff für die nächste Satire-Attacke.



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