Von URSULA FUCHSHOFEN, 17.03.06, 07:21h
Angemeldet waren zehn Kinder, gekommen sind rund 20. „Macht nichts“, entschied Workshop-Leiter Martin Erhard. „Alle rein in die gute Stube, aber bitte Schuhe ausziehen.“ Auf dem kleinen Flürchen wuchs ein großer Haufen mit Stiefeln, Anoraks, Schals und Mützen. Und innen drin war's auch arg eng. Denn der rund 20 Quadratmeter große Raum war vollgestellt mit fremdländischen Instrumenten.
Große Xylophone standen dort, Gongs verschiedener Größen hingen an einem hölzernen, schlangenverzierten Gestell, und dann gab's noch niedrige Holz-Konstruktionen, in denen Kessel hingen, die Öffnung nach unten. Überall lagen Schlagstöcke rum, und was machen Kinder, wenn sie warten müssen? Sie greifen nach den Schlegeln und hauen drauf. Arg laut wurde es nun in dem Raum 123 der Leverkusener Musikschule, das Chaos der Töne schien aus dem Bauch der Erde zu fließen, nicht bedrohlich, nicht unangenehm, aber fremd. Als sich dann der indonesische Meister Bapak Sri Hartono im Schneidersitz vor solch ein Xylophon hockte, da wurde es ganz rasch ganz ruhig. Mit offenen Mündern horchten die Kids der Klänge, die so ruhig die Seelen umschmeichelten und den Alltag aussperrten. Martin Erhard hatte sich zuvor jedwede Mühe gegeben, den Kindern zu erklären, was eigentlich Gamelan-Musik ist. Da erzählte er was von Dur und Moll, von krummen Tonschritten und Oktaven, von Kadenz, Tonika und Fünf-Ton-Musik. Aber so richtig kapiert haben die Kinder diese theoretischen Beleuchtungen des Musikers und Lehrers sicherlich nicht, genau so, wie die Berichterstatterin selbst. Da blieb hängen, dass Gamelan nicht mit der Rhythmik westlicher Klassik- und Rockmusik zu vergleichen ist. Sie ist eben anders und hat auch weniger Töne.
Die Instrumente gehören allesamt Martin Erhard. Er ist Barockgeiger und weltweit unterwegs. Bei seinen Reisen lernte er auch Gamelan kennen, und er entdeckte, dass inzwischen viele Musikschulen in westlichen Ländern diese Musik in ihr Programm aufgenommen haben, so zum Beispiel die USA, Japan, Holland und Belgien. Und er war davon so begeistert, dass er Gamelan auch nach Leverkusen holte. Er kaufte im rund 12000 Kilometer entfernten Indonesien Instrumente, „wertvolle Stücke“, wie er am vergangenen Mittwochnachmittag ausführte, ließ sie per Schiff und Lastwagen über Rotterdam nach Leverkusen bringen. Und das alles „einfach aus Begeisterung“, so der 40-jährige Musiker. Die Herzstücke der Instrumente bestehen aus Bronze, und die verleihe den Tönen eine solche Tiefe und Wärme.
Eine Kunst des Gamelan-Spiels liegt darin, einen Ton anzuschlagen und ihn sofort danach mit der Hand zu dämpfen, damit er Raum freigibt für den nächsten Ton. Das hört sich kompliziert an und war für die Kinder in der Tat auch recht schwierig. Ton zwei anschlagen, dämpfen, anschlagen, dämpfen... Es wurde geübt und geübt. Der große Gong durfte immer nur bei jedem achten Schlag erklingen, immer dann, wenn der indonesische Meister die dunkle Trommel schlug.
Ein Gamelankonzert mit Tanz beginnt am Sonntag, 19. März, um 15 Uhr im Konzertsaal der Leverkusener Musikschule in der Friedrich-Ebert-Straße. Dann werden das Gamelanensemble „danau madu“ diese traditionelle javanische Musik spielen. Als Gastkünstler tritt auch Bapak Sri Hartono auf, der Leiter des Gamelanorchesters „Langenpraja“ am Hofe des Sultans von Solo. Mit dabei sind die Sängerin Ibu Umiyati Sri Warsini und die Tänzerin Merel Plantema. Auch die Kinder werden zeigen, was sie in den drei Workshops alles gelernt haben.
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