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Salvador Dalí als Statist

Von MARIANNE KIERSPEL, 22.03.06, 07:03h, aktualisiert 18.10.75, 07:54h

Passend zur aktuellen Dalí-Ausstellung zeigt die Kammeroper das Stück: "Gala Gala". Marc-Aurel Floros und Elke Heidenreich erzählen im Museum Ludwig von der größten Inspiration des Meisters - seiner Muse Gala.

Bild: Lefebvre
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Gala (Regina Richter) mit Dalí (Oliver Knopik)
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Gala (Regina Richter) mit Dalí (Oliver Knopik)
Sänger, Schauspieler und ein Dutzend Gürzenich-Musiker präsentieren die Kammeroper zur Dalí-Schau im coolen Treppenhaus des Museums Ludwig. „Gala Gala“ spielt selbst in einem Museum: Kurz vor einer Dalí-Schau weist Managerin Gala noch rasch den Agenten ein, klopft Dalís verrücktes Image fest und gerät beim Gedanken an Gold und Ruhm in Hitze. Vor allem aber fertigt sie Verflossene ab, den in Hassliebe treuen Paul Éluard und den kritischen Max Ernst. Während des ganzen Stücks schenkt die Egomanin Gala ihrer Tochter keinen Blick, eine stummer bürgerlich-moralischer Vorwurf.

Das Phänomen Dalí selbst ist kein Thema, vielmehr ist der Maler nur Statist. Als barocker Page umtanzt Oliver Knopik die Herrin, malt brav, was Gala will, und brabbelt stereotype Sätze wie ein unmündiges Kind. Das Libretto von Elke Heidenreich erwähnt zwar Dalís Genie, negiert aber seine Sprachfantasie und Eloquenz. Die Kölner Autorin zeigt den Künstler vielmehr als bloße Knetmasse der macht- und geldgierigen Gala. Dafür fand sie Belege. Authentizität sollen auch Zitate von Éluard, Dalí, Gala und Max Ernst sichern. Doch sie ergeben eher ein Kaleidoskop mit Wiederholungen als ein straffes Drama.

Trotzdem sorgt die Musik für Spannung, jedenfalls in abgerundeten Momenten. Leichthändig schreibt der junge Komponist Marc-Aurel Floros Spätromantik und perkussionsfrohe Moderne fort. Er findet burleske und innige Töne, weite Bögen, knappe Dialoge, zarte Vokalisen. Er äugt zum Volkslied und nutzt die schlichte Magie von Orgelpunkten. Floros schwebt ein „modernes Märchen“ vor, das jeder versteht. Seine eingängige Musik und ihre klaren Farben passen jedenfalls. Auch das hellwache Spiel des Gürzenich-Kammerorchesters, dem Xaver Poncette einiges an Leidenschaft entlockt. Gut passt auch die Besetzung der drei Gesangspartien: Gala als Sopran mit Feuer und Eis im Ton (fabelhaft: Regine Richter), der leidende Poet Éluard als lyrischer Tenor (Alexander Fedin) und der gefügige Agent als Bass (Andreas Hörl). Max Ernst aber, Heiner Take, singt nicht, er spricht cool, auch als Gala ihn heftig befummelt, um ihren erotischen Reiz zu testen.

Die Idee der Kölner Oper und der jungen Kammeroper NRW lag nahe, die Dalí-Schau um eine Kurzoper zu ergänzen. Das exaltierte Paar könnte abheben, es giert ja nach Mystifikation und Gloriole. Zum Kunstbetrieb immerhin findet Ralph Goertz (Regie) ein einprägsames Bild: Gala hüllt ihren „kleinen Jungen“ Dalí in ihren roten Schal, um ihn dann als ihr Kunstprodukt zu enthüllen. Weitere Medien aber verfangen kaum: Ein Filmchen mit Bettszenen wirkt ärmlich, ein Video von Galas Kind betont den Bürgerblick auf die Surrealistenszene. Deren Faszination aber kommt zu kurz. Wer das Phänomen Dalí aufspüren will, kann immerhin im selben Haus seine Bilder anschauen.



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