Erstellt 16.03.06, 14:33h, aktualisiert 16.03.06, 17:24h
Dank eingetragener Lebenspartnerschaften und größerer Akzeptanz in der Gesellschaft wünschten sich immer mehr homosexuelle Paare Kinder, sagt Körner, die als Leiterin des Projektes Regenbogenfamilie im Lesben- und Schwulenverband Deutschland (LSVD) Männer und Frauen berät. Sie kann ihre Erfahrungen weitergeben. Ihre drei Kinder aus einer heterosexuellen Beziehung haben die neue Partnerin längst akzeptiert. "Für sie und ihre Freunde ist es ganz normal", sagt sie.
Schwieriger war die Familienplanung mit ihrer Freundin: Die Suche nach dem Mann. "Zuerst haben wir auf Anzeigen in Homomagazinen reagiert. Da war aber nicht der Passende dabei." Dann suchten die Frauen im Bekanntenkreis. Schließlich erklärte sich ein schwuler Freund zur Samenspende per Insemination (künstliche Befruchtung) bereit. "Er wollte aber auch aktiver Vater sein", erzählt Körner. Seit Sebastians Geburt treffen sich die drei Eltern mindestens einmal in der Woche. Und planen schon den gemeinsamen Urlaub.
Nicht immer erfüllt sich der Kinderwunsch so unkompliziert. Lesben, die keinen Bekannten bitten möchten, greifen meist auf Samenbanken im Ausland zurück, zum Beispiel in Holland. Denn in Deutschland werden künstliche Befruchtungen, bei denen der Spender anonym bleibt, nur bei verheirateten Frauen vorgenommen.
"Für die Behandlung allein stehender oder lesbischer Frauen gibt es keine eindeutige Rechtsgrundlage", erläutert Professor Thomas Katzorke vom Zentrum für Reproduktionsmedizin in Essen. Ist der leibliche Vater nicht bekannt, kann die Unterhaltsfrage zum Problem werden. Bei einer eingetragenen Lebenspartnerschaft ist es per Gesetz seit 2005 zwar möglich, dass die Co-Mutter das Kind adoptiert - das Prozedere kann sich aber zwei Jahre hinziehen. Sollte der leiblichen Mutter in der Zwischenzeit etwas zustoßen, könne der Arzt für den Unterhalt herangezogen werden, erklärt Katzorke.
Eine Anfrage des Arbeitskreises Donogene Insemination (Behandlung mit Spendersamen) an das Bundesjustizministerium vom November 2005, wie sich Ärzte in dem Fall absichern können, sei an das Sozialministerium weitergeleitet worden und bisher unbeantwortet geblieben. Lesbische Paare mit leiblichem Kind sollten auf jeden Fall beim Notar einen Elternvertrag abschließen, in dem die Co-Mutter als Vormund gestellt wird, empfiehlt Sabine Hufschmidt, Anwältin für Familienrecht.
Doch nicht nur homosexuelle Frauen wollen den Traum einer Familie mit Kindern verwirklichen. "Auch schwule Paare haben zunehmend diesen Wunsch", berichtet Lela Lähnemann vom Fachbereich für gleichgeschlechtliche Lebensweisen in der Berliner Senatsverwaltung. Für Männer ist die Realisierung allerdings noch schwieriger.
Die erste Überlegung ist meist, ein Kind zu adoptieren. Doch die Wartelisten für Inlandsadoptionen sind lang, verheiratete heterosexuelle Paare werden bevorzugt. Diese müssen mindestens 21 und 25 Jahre alt sein, empfohlen wird ein Höchstalter von 40 Jahren für Säuglingsadoptionen. Letztlich entscheiden darüber die Jugendämter.
Wer ein Kind im Ausland adoptieren möchte, sollte sich an entsprechende Adoptionsvermittlungsstellen wenden. Die Altersbegrenzung für Eltern ist von Land zu Land unterschiedlich, für Tschechien beispielsweise wurde sie auf 43 Jahre festgesetzt. Die Chancen, ein Kind zu bekommen, sind wesentlich größer. "Man muss aber bei einer Adoptionsbewerbung im Ausland mit Kosten rechnen - in Kolumbien zum Beispiel in Höhe von 12 000 bis 14 000 Euro", sagt Telse Rohwer von der Münchner Adoptionsberatung. Rechtlich gesehen könnten auch schwule Männer als Einzelperson ein Kind adoptieren, doch seien die Möglichkeiten in der Praxis begrenzt, schränkt Lähnemann ein.
Weiterhin gibt es die Möglichkeit, Pflegekinder aufzunehmen. Diese können auch von zwei Männern gemeinsam betreut werden, und die Jugendämter seien gegenüber unkonventionellen Lebensformen durchaus aufgeschlossen, hebt Lähnemann hervor.
Auch Frank und Frank Bruno Riebesell sind Pflegeeltern. Raphael (5) lebt seit vier Jahren bei dem schwulen Paar, Simon (3) kam vor zwei Jahren dazu. Dass es zwei Jungen sind, habe das Jugendamt entschieden. "Wir hätten auch gern ein Mädchen aufgenommen", erzählt Frank Bruno Riebesell. Für die Kinder ist er der "Papa", sein Lebenspartner der "Papi". Zu Raphaels Mutter besteht regelmäßiger Kontakt. Die Väter sind berufstätig, haben ihre Jobs aber auf eine Dreiviertel-Stelle reduziert. Tagsüber gehen die Söhne in einen evangelischen Kindergarten. "Dort gibt es keine Vorurteile", betont der 40jährige.
Wie Kinder das Leben in Regenbogenfamilien erleben, haben die Autorinnen Uli Streib-Brzic und Stephanie Gerlach in ihrem Buch "Und was sagen die Kinder dazu?" beleuchtet. "Wir haben in den Interviews festgestellt, dass die Einstellung der Kinder hauptsächlich vom Verhältnis der Eltern zueinander, zu den Kindern und zu ihrer Homosexualität abhängt", fasst Streib-Brzic zusammen. Wenn zwei Mütter und Väter offen mit ihrer gleichgeschlechtlichen Liebe umgingen, könnte sich diese Haltung auch auf die Kinder übertragen. Wer jedoch mit Mutter und Vater aufwachse und das Coming-out eines Elternteils erst später erlebe, habe größere Schwierigkeiten, sich an die neue Situation zu gewöhnen.
Ihre eigenen Kinder würden in ihrer eigenen Beziehung und in der heterosexuellen Partnerschaft des Vaters beide Lebensformen kennen lernen, sagt Constanze Körner. "Das Wichtigste für Kinder ist, dass man ihnen Liebe gibt und Verantwortung für sie übernimmt." (ddp)
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