Erstellt 24.03.06, 07:03h, aktualisiert 23.12.07, 23:07h
Doch wir gewinnen bei einer durchlässigen und kleinteiligen Architektur eine neue Folge kleiner Plätze vom Gülichplatz über einen Vorplatz am Wallraf-Richartz-Museum und einen Platz zwischen der ehemaligen Synagoge und der Mikwe bis zum eigentlichen Rathausplatz. Aber auch kulturhistorisch ist die Bebauung des Areals geboten. Es ist eine in Europa einmalige Chance, dass aus den im Boden versteckten Grundmauern des mittelalterlichen Judenviertels dieser neue Ort der Begegnung wachsen kann. Nicht umsonst hat Papst Benedikt XVI. die Kölner Synagoge besucht und an die Tradition der ältesten jüdischen Gemeinde nördlich der Alpen erinnert. Diese Geschichte werden wir mit dem Haus und Museum der jüdischen Kultur zum Leben erwecken. Mit der angrenzenden unterirdischen Ausgrabungszone, die 2000 Jahre Köln erlebbar macht, schaffen wir einen touristischen Anziehungspunkt von Weltrang. Während andere Städte künstliche Orte für diesen Zweck schaffen müssen, haben wir einen authentischen Ort der Zeitgeschichte.
Die Stadtverwaltung hatte bereits vor vier Jahren Fachleute für Städtebau, Architektur und Kultur zu einem Expertenhearing eingeladen. Der Standort am Rathaus war als der einzig glaubhafte bestätigt worden. Ein Folgetreffen hat den reichhaltigen Inhalt für dieses Haus und Museum der jüdischen Kultur bestätigt. Ich hoffe auf einen Beschluss des Rates noch vor der Sommerpause, der der Fördergesellschaft eine Option auf das Grundstück einräumt, damit diese an die Suche nach Mäzenen gehen kann. In Zeiten knapper Kassen können wir diese einmalige Chance für Köln nicht ungenutzt verstreichen lassen.
Contra: Kein Platz der Bürger mehr
Hanns Schaefer ist Vorsitzender des Kölner Haus- und Grundbesitzervereins. Der Architekt ist außerdem im Bündnis Stadtbaukultur und in der Roncalli-Gesellschaft zur Pflege des Domumfeldes aktiv. Seine Meinung: Die Diskussion ist schon sehr alt, und immer wieder kommen neue Überlegungen aufs Tapet, die diskutiert werden - mitunter im luftleeren Raum.Bei nüchterner Betrachtung müssen wir feststellen, dass vor fast jedem Rathaus oder Bürgermeisteramt in Europa eine mehr oder weniger große Platzfläche vorhanden ist, und das bewusst. Schon im Mittelalter war es eine gängige Maxime, einen Rathausvorplatz auch zum Platz für irgendwie geartete Bürgerversammlungen vorzuhalten.
Mir ist der Rathausplatz von vor dem Kriege noch in bester Erinnerung. Er war damals relativ klein, überschaubar, aber architektonisch gut gefasst. Die Rathauskapelle war grazil und nicht dominant. Die Zerstörungen, die der Zweite Weltkrieg verursacht hat, schufen nun einen größeren Rathausplatz. Er harmonisiert in seiner Größe und jetzigen Gestaltung durchaus mit der
Architektur des Rathauses und der weltberühmten Renaissance-Laube. Das neue Wallraf-Richartz-Museum mit seiner klaren, schlichten und edlen Architektur bildet einen wohltuenden Abschluss des Platzes. Die Glaspyramide auf dem Rathausplatz, die einen Einblick in die Mikwe freigibt, erinnert an die älteste jüdische Gemeinde in unserer Stadt - natürlich unzulänglich. Rechtfertigt das aber den Neubau, der in seinen Dimensionen die vorhandenen Architekturen zurückdrängt? Von einem Platz der Bürger kann dann keine Rede mehr sein. Ich kann und will nicht Stellung zur Architektur nehmen, aber ich bitte zu bedenken, dass die Lösung städtebaulich keine gute wäre, den Rathausplatz jetzt zu verkleinern.
Ich halte den Wunsch des Oberbürgermeisters für äußerst wichtig und gut, ein Modell eins zu eins anzufertigen und aufzustellen, damit die Bürger sehen, wie dieser Neubau in Zukunft wirken würde. Da der geplante Neubau auch als Museum der jüdischen Kultur in Nordrhein-Westfalen dienen soll und nicht nur an die älteste jüdische Gemeinde in Deutschland erinnern soll, wäre es sehr empfehlenswert, diesen Neubau in unmittelbarer Nähe des Rathausplatzes zu erstellen. Möglichkeiten sind, wie jeder weiß, vorhanden.
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