Von MARION EICKLER, 12.02.09, 18:36h
Die Versteigerung der Reihenhäuser in der Junkersdorfer Waldsiedlung stößt in der Bevölkerung auf großes Interesse. Doch anders als von Bundestag und Ratspolitikern gewünscht, sollen nicht nur junge Familien zum Zuge kommen, sondern vor allem finanzstarke Investoren. „Ein schreiendes Unrecht“, findet der FDP-Bundestagsabgeordnete Werner Hoyer. Er habe Bundesfinanzminister Peer Steinbrück (SPD) schriftlich aufgefordert, „dieses unselige Treiben durch ein Machtwort zu beenden“, sagte Hoyer.
In der Waldsiedlung lebten bis vor einigen Jahren Angehörige der belgischen Streitkräfte. Südlich der Jahnwiesen befinden sich die 116 Reihenhäuser mit großen Gärten, wie sie in Köln kaum noch zu bekommen sind. Das idyllische Viertel gehört dem Bund. Die Bundesanstalt für Immobilienaufgaben (Bima), das frühere Bundesvermögensamt, hat die Aufgabe, Häuser und Grundstücke zu versteigern.
Als Käufer waren ausdrücklich „Privatpersonen“ vorgesehen. Das geht aus einem Schreiben hervor, das der Vorsitzende des Haushaltsausschusses des Bundes, Otto Fricke, dem Bima-Vorstandsmitglied Hans Hinrich Schroeder-Hohenwarth, geschickt hat: „Der Verkauf an Investoren wäre eine Notlösung, falls sich der Verkauf an Privatpersonen als nicht realisierbar herausstellen sollte.“
Eben diese „Notlösung“ strebt die Bima jetzt an. In dem bevorstehenden nächsten Bieterverfahren würden 32 Wohngebäude angeboten - „und zwar als kleines Paket, beziehungsweise Teilpakete“. Bima-Verkaufsleiter Gerald Brummund: „Ausbau und Verdichtung ohne Beeinträchtigung des Charakters der Waldsiedlung lassen sich am effektivsten erreichen, wenn diese Maßnahmen aus einem Guss durch einen oder wenige Investoren erfolgen.“ Die Bima gab an, sie habe die Verkaufspakete in Abstimmung mit der Stadt Köln geschnürt.
Die Verkaufsstrategie der Bundesanstalt, so kritisiert Hoyer, verstoße gegen die Interessen junger Familien. Wie groß der Bedarf für derartige Objekt ist, zeigt das Ergebnis der ersten Versteigerung. Für einzelne Häuser gingen bis zu 48 Gebote ein. Die Gebote lagen „teilweise weit über den ausgeschriebenen Preisen“, heißt es in dem Schreiben Frickes an die Bima. „Offensichtlich haben Bund und Stadt das Juwel, das sie mit der Waldsiedlung in der Hand halten, unterschätzt.“ Erst nachdem sie das bemerkt hätten, sei wohl die Entscheidung für die Investorenlösung gefallen.
Private Interessenten müssen sich auf höhere Preise einstellen. Christiane Kantner dagegen hatte noch Glück. Ihre Familie war in der ersten Auktion mit einem Gebot von 390 000 Euro erfolgreich. Seit August vorigen Jahres leben die Kantners in der Waldsiedlung. Die junge Hausbesitzerin weiß von Freunden, dass sie bis zu 30 Prozent mehr als das Mindestgebot zahlen wollten - ohne Erfolg. Christiane Kantner befürchtet, dass die Siedlung verkommt, wenn sich die Bieterverfahren noch weiter verzögern.
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