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Millionen für Kongresse

Von HELMUT FRANGENBERG, 29.03.06, 08:00h

Experten und Politiker beraten in einem so genannten „Workshop“-Verfahren über die neue Bauplanung für Deutz. Doch die vielleicht wichtigste Vorentscheidung für eine erfolgreiche Rahmenplanung ist noch nicht gefallen: Kann sich Köln ein großes Kongresszentrum leisten?

Parteien beraten, ob sich die Stadt trotz Finanznot einen weiteren Subventionsbetrieb leisten kann.

Das Prozedere ist ungewöhnlich: Experten und Politiker beraten in einem so genannten „Workshop“-Verfahren über die neue Bauplanung für Deutz. Doch die vielleicht wichtigste Vorentscheidung für eine erfolgreiche Rahmenplanung ist noch nicht gefallen: Kann sich Köln ein großes Kongresszentrum leisten, mit dem die Stadt mit anderen europäischen Städten um lukrative Veranstaltungen konkurrieren könnte?

Noch gilt der alte Bebauungsplan für das Areal zwischen Messe, Bahnhof und Kölnarena: Er sieht den Bau eines Kongresszentrums vor. Und auch beim ersten Treffen der Workshop-Teilnehmer gab es eine positive Tendenz für das Projekt. Ein aktualisiertes Gutachten im Auftrag der Messe bescheinigt ihm beste Marktchancen. „Das ist der wettbewerbsfähigste Standort in Deutschland, vielleicht sogar in Europa“, sagt der Hauptgeschäftsführer der Industrie- und Handelskammer, Herbert Ferger. IHK und Messe sind heftige Verfechter des Projekts. Auch Stadtkämmerer Peter-Michael Soénius ist in seiner Eigenschaft als noch amtierender Wirtschaftsdezernent für das Tagungshaus. Doch als Kämmerer müsse er natürlich fragen: „Was kostet das?“

Klar ist: Ohne öffentliche Subventionen kann ein Kongresszentrum nicht betrieben werden. Die Gutachterin geht von jährlichen Betriebskostenzuschüssen von deutlich über einer Million Euro aus. Hinzu kommen Zinsen und Abschreibungen, um die etwa 75 Millionen Euro teure Investition stemmen zu können. Das würde kein privater Investor auf die eigene Kappe nehmen, auch wenn er daneben ein neues Hotel bauen dürfte - was das Gutachten ausdrücklich empfiehlt. Unterm Strich ist mit Kosten von rund fünf Millionen Euro pro Jahr zu rechnen, die irgendwie trotz Haushaltsnot finanziert werden müssten. Genauere Zahlen müsste ein Wirtschaftlichkeitsgutachten bringen.

Den Parteivertretern im Workshop geht es ähnlich wie dem Kämmerer. Der wirtschaftspolitische Effekt, den ein solches Zentrum habe, sei hoch, die Finanzierung jedoch äußerst schwierig. SPD, Grüne und FDP schwanken noch.

Einzig Workshop-Teilnehmer Karl-Jürgen Klipper (CDU) sieht eine „positive Tendenz“ für das Kongresszentrum in seiner Fraktion. Die Fraktionen im Stadtrat wollen heute darüber beraten, ob sich die Stadt trotz leerer Kassen einen weiteren Subventionsbetrieb leisten kann. Die politische Diskussion ist offen. IHK und Messe hoffen, dass sich durch den Workshop der Entscheidungsdruck erhöht. Die Stadt habe sich Jahre um eine klare Position herumgedrückt.

Kommentar Seite 25



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