Von JOACHIM SPROTHEN, 10.04.06, 07:15h
Euskirchen - Nach dem dritten „einfachen Roll-over“ war der Kleinwagen italienischer Provenienz nur noch ein qualmendes Etwas. Der mehrfache Überschlag gab dann auch einem Ford den Rest. Als dann auch noch Fahrzeuge mit 3,20 Metern Höhe, 5,50 Metern Länge und mannshohen Reifen mit 350 Pferdestärken drüberbretterten, war der gesamte Fuhrpark anschließend fast schon auf Briefmarkenformat zusammengefaltet. Bei so etwas kommt Freude auf. „Monster Trucks sind der ganz große Renner“, erzählte Michael Lemoine. Er muss es wissen. Denn seit fünf Jahren sind Michael Lemoine und seine drei Brüder Betreiber eines Unternehmens, dessen Hauptattraktion die „Monster-Truck-Live-Show“ ist. Chef ist der jüngste Bruder, der 28-jährige Douglas Lemoine.
Zwei Shows
Das Schaustellerleben wurde den Mitgliedern des insgesamt siebenköpfigen Familienbetriebes quasi schon mit der Muttermilch eingeflößt. Die Vorfahren gehörten zu einer der bekanntesten Artistenfamilien. „Meine Oma war eine Traber“, erzählte Michael Lemoine, bevor die Filmmusik aus „Star Trek“ auf das Spektakel einstimmte. Auf dem Charleviller Platz in Euskirchen ging die Show gestern gleich zwei Mal über die Bühne.
Und die optimistische Erwartungshaltung der Brüder wurde von den Kreisstädtern voll erfüllt. Michael Lemoine: „Man hat uns gesagt, dass Euskirchen für Monster Trucks ein gutes Pflaster ist.“ Der Mann sollte Recht behalten. Schon bei der Vormittagsvorstellung fanden die Karten rund 200 Abnehmer. Kalkuliert war, dass insgesamt 300 zahlende Zuschauer beide Shows besuchen.
Das Gastspiel in Euskirchen dürfte sich für die Truppe also gelohnt haben. Die Betriebskosten sind allerdings auch nicht von Pappe. Ein einziges Rad für so ein Monster Truck, das ehedem mal eine ganz normale Familiendroschke Marke „Dodge“ war, kostet 2000 Euro. „Gebraucht“, wie Michael Lemoine betonte: „Neu sind die noch viel teuer.“ Dass zwei der vier zum Fuhrpark zählende Monster Trucks ausgefallen waren, bekamen die Zuschauer auf dem Charleviller-Platz gar nicht mit. Die zwei noch intakten „Monster“ fuhren halt mehrfach über die für einen Stückpreis von 50 Euro ausgeborgten Schrottkarren, die nach den Vorstellungen hübsch zusammengepresst wieder an die Autoverwerter zurückgegeben werden.
Derartige Verschrottungsaktionen waren auch in Euskirchen das umjubelte Highlight der Show. Vor allem die vielen Kinder waren hin und weg. Dabei mussten die Artisten bei der Monster-Truck-Nummer noch am wenigsten können. Autos platt fahren, kann schließlich jeder, wie so manch ein unfreiwilliger Bruchpilot aus eigener Erfahrung weiß.
Die Stunts auf Motorrädern und mit „normalen“ Autos sollte der geneigte Sonntagsfahrer indes besser nicht nachmachen. Die Artisten zeigten bei diesen Nummern, dass sie ihre Fahrzeuge perfekt beherrschen. Selbst der Benjamin der Truppe, der 13-jährige Jessie, zischte mit seiner Motocross-Maschine furchtlos durch eine brennende Holzwand.
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