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Sex zum Aggressionsabbau

Von HELMUT FRANGENBERG, 21.04.06, 07:21h

Marlar hat im Kölner Zoo eine kleine Sensation in den Schatten gestellt: Nach 15 Jahren gab es wieder Geburten bei den Bonobos.

BILD: WORRING
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Bashira staunt auf dem Bauch ihrer Mutter.
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Bashira staunt auf dem Bauch ihrer Mutter.
Marlar hat im Zoo eine kleine Sensation in den Schatten gestellt: Nach 15 Jahren gab es wieder Geburten bei den Bonobos.

Es ist kaum zu glauben: Kein Primat hat mehr Sex als die Bonobos, und doch gab es bei den kleinen Menschenaffen seit 1990 keine Geburt mehr. Bonobos pflegen ein ausgeprägtes Sexualleben - wechselnde Partner, gleichgeschlechtliche Abenteuer, verschiedenste Praktiken. Ist bei anderen Menschenaffen der Sex zur Fortpflanzung da, hilft er den Bonobos, ein Leben weitgehend ohne Aggressionen zu leben. „Sex statt Krieg“ lautet das boulevardeske Motto, das Zoochef Gunther Nogge gestern gern zitierte. „Da könnten sich die Menschen ein Beispiel dran nehmen.“

Besede („die am Sonntag geborene“) und Bashira („die, die gute Nachrichten bringt“) interessierte das gestern herzlich wenig. Während sich die eine für die Fotografen reckte und streckte, hatte es sich die andere auf dem Bauch ihrer Mutter Bonnie gemütlich gemacht. Die 30-jährige Bonnie war 15 Jahre nicht mehr schwanger. „Dass es in so einem Alter nach so langer Pause noch mal klappt, ist eher selten“, freut sich Kurator Werner Kaumanns. Ob

Clyde der Vater von Bonnies Kind ist, weiß er nicht. Von Monogamie halten die cleveren Tiere nicht viel.

Die Weibchen ziehen ihre Kleinen, die bis zu vier Jahre gesäugt werden, alleine groß. Nicht nur hier haben die männlichen Familienmitglieder wenig zu sagen. Im Bonobo-Alltag gibt die Frau den Ton an. Auch hier unterscheiden sich die Tiere, die genetisch gesehen dem Menschen am ähnlichsten sind, von anderen Affen.

Die beiden Geburten sind nicht nur für den Kölner Zoo, sondern auch für das Europäische Erhaltungszuchtprogramm wichtig. Bonobos sind bedroht, ihre Lebensräume werden zerstört. Im Kongo schießen Menschen ihren nächsten Verwandten, um ihn aufzuessen.

Gestern interessierten sich noch wenige für die beiden Kleinen im Affenhaus, mit deren Vorstellung der Zoo einige Monate gewartet hat, um die sensiblen Tiere zu schonen. Der Besucherandrang konzentrierte sich weiter vor allem auf Marlar, die seit vorgestern zwischen den Beinen ihrer Mutter das Außengehege erkundet.



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