Von ANGELIKA MIKUS, 25.04.06, 09:28h
Seit 1982 führt die Theatergruppe „Ömmes & Oimel“ ihre Stücke im Comedia Theater Köln auf. Seitdem hat sich das Theater zu einer anerkannten Bühne für Kinder- und Jugendtheater entwickelt. Insgesamt 81 Produktionen wurden in den vergangenen zwanzig Jahren auf die Bühne gebracht, von Stücken für Kinder ab vier Jahren bis hin zu Inszenierungen für Jugendliche und Erwachsene. Das Alter der Zielgruppe spiele bei der Planung der Stücke eine bedeutende Rolle, so Fillers. „Wir orientieren uns dabei an eigenen Erfahrungen, ziehen aber auch den Rat von Eltern und Lehrern hinzu, die uns mitteilen, wie ihren Kindern der Besuch im Theater gefallen hat.“ So gebe es für jede Altersstufe das geeignete Stück. Für Kinder unter zehn Jahren sei das Erlebnis des Theaterbesuchs wichtiger, als das Hinterfragen der Handlung. Ein vier- bis sechsjähriges Kind differenziere beispielsweise noch nicht zwischen dem „echten“ Schauspieler und seiner Rolle. „Für sie ist dieser dann auch noch nach der Aufführung die Figur, die er auf der Bühne war“, sagt Fillers. „Sie haben einfach grenzenlos Fantasie.“ Dem solle man gelassen begegnen.
Im Alter zwischen sechs und sieben Jahren dann, werde den jungen Theaterbesuchern zunehmend wichtiger, ihr Wissen anzuwenden. „Die Kinder sind dann stolz, wenn sie den Schauspieler oder die Handlung entlarven. Wenn wir Künstler dann versuchen, dem mit reiner Fantasie zu begegnen, ärgert sie das regelrecht“, sagt Fillers. Für alle Kinder sei aber gleich wichtig, dass sie sich - unabhängig von ihrem Alter - im Theater geborgen fühlen. „Kinder dürfen nicht das Gefühl haben, durchhalten zu müssen“, sagt Fillers. „Falls ihnen das dunkle Licht, die Atmosphäre oder die Geräusche Angst machen, muss man mit ihnen rausgehen.“ Schließlich sei ein Theaterbesuch etwas anderes als ein Arztbesuch.
Viele Kinder seien aber unerschrockener als erwartet, sagt Fillers. „Einige Kinder sitzen sogar sehr gerne alleine.“ Ein genaues Anfängeralter für Theaterbesuche gebe es nicht. Das müsse man nach Meinung der künstlerischen Leiterin einfach „ausprobieren“. „Grundsätzlich haben Kinder Lust auf Theater. Doch die Eltern sind die Entscheider. Sie müssen bereit sein, mit ihren Kindern die Welt des Theaters zu entdecken.“
Dies gilt ebenso für den Besuch in der Oper. Hansmanfred Boden, Vorsitzender des Förderverein der Kinderoper zu Köln, bedauert, dass die Oper für Kinder bislang immer noch etwas Außergewöhnliches ist. „Manche Eltern haben immer noch das Bild im Kopf, Oper sei nur etwas für sehr wohlhabende oder besonders kulturell interessierte Familien“, sagt Boden. Dies sei ärgerlich, denn Oper sei „nichts besseres“ als ein Musical oder ein Konzert. „Die Musik soll den Kindern einfach nur gefallen.“ Um Kinder an die Oper heranzuführen, errichtete der Förderverein vor zehn Jahren im oberen Foyer des Kölner Opernhauses einen Zeltbau, indem für Kinder gemachte Opern aufgeführt werden - die „Kölner Kinderoper“. Dort werden leicht gekürzte, auf Kinder abgestimmte Werke von Sängerinnen und Sängern des Ensembles und des Opernstudios sowie von Musikern des Gürzenich-Orchesters aufgeführt. „Dabei geht es um einiges lockerer zu, als bei den Erwachsenen“, sagt Boden. „Raum, Bühne und die Halle werden mit einbezogen. Manchmal verlassen die Sänger und Musiker die Bühne. Die Kinder sind dann ganz begeistert und fassen die aufwändigen Kostüme und Instrumente an.“ Am Ende der Vorstellung werden den Kindern zusätzlich die Kulisse und die Instrumente erklärt. „Das ist wichtig, denn wir möchten die jungen Opernbesucher an die Musik heranführen“, so Boden. Bei der natürlichen Neugier der „Pänz“ käme dieser Teil des ersten Opernbesuchs besonders gut an. Ob sich der Aufwand lohne, Kinder an die Opernbühne heranzuführen? „Uns geht jedes Mal das Herz auf, wenn wir sehen, wie viel Spaß die Kinder haben. Einige junge Leute, die vor Jahren hier waren, haben uns sogar mitgeteilt, dass sie heute ein Opern-Abo haben“, sagt Fördervereinspräsident Boden.
Ob Dauerkarte oder nicht - was Ihrem Kind gefällt, muss es schon selbst entscheiden. Fest steht, dass es das nur kann, wenn es bei einem ersten Besuch im Theater oder in der Oper die Gelegenheit dazu bekommt.
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