Von AUFGEZEICHNET VON CLAUDIA FREYTAG, 28.04.06, 07:24h, aktualisiert 09.03.07, 18:04h
Als ich mit meinem Mann vor zwölf Jahren von New York nach Deutschland kam, weil er als Bassist von der WDR Big Band engagiert wurde, war es das erst mal mit der Schauspielerei - ich sprach ja kein Wort Deutsch. Außerdem war unser Sohn noch sehr klein. Also habe ich zu Hause nur für mich gespielt, habe komponiert. Und dann begleitete ich meinen Mann zu einem Konzert auf Schloss Lerbach - und habe mich sofort verliebt in dieses alte Gemäuer, in die Atmosphäre, die es ausstrahlt. Seit dem Frühjahr 2001 spiele ich jetzt hier, jeden Freitag- und Samstagabend von sieben bis neun. Die Akustik ist einfach fantastisch: Ich spiele im Foyer, und die Gäste können meine Musik hören, wo immer sie sitzen.
Ich mag es, im Hintergrund zu spielen. Es gibt mir das Gefühl, dass ich eigentlich für mich selbst spiele. Und die Leute hören mir zu - oder auch nicht, ganz wie sie wollen. Nur als ich mein Buch „Piano Girl“ über mein Leben am Klavier vorgestellt habe, habe ich ein Konzert gegeben, bei dem eine Schauspielerin aus dem Buch gelesen hat. Da haben dann wirklich alle zugehört. Das ist nicht immer so. Einmal, bei einer Weinprobe, kam ein Mann zu mir, der wohl schon ordentlich probiert hatte, und fragte: „Kann ich Ihnen meinen Mantel geben?“ Der dachte, ich wäre die Garderobiere! Den Mantel habe ich ihm trotzdem abgenommen. Ist ja nicht schlimm.
Bei uns zu Hause geht es oft recht laut zu. Meine Kinder, Curtis und Julia, spielen inzwischen auch beide Klavier. Und Julia kommt im August auf das Paul-Klee-Gymnasium in Overath, wo Curtis schon seit zwei Jahren ist. Dort leite ich den Unterstufen-Chor für die Klassen fünf und sechs. Einmal die Woche wird geübt. Ich sehe es als meine Mission an, den Kindern beizubringen, dass Musik vor allem Spaß macht. Und: Sie üben Englisch - und merken es gar nicht. Immerhin kann ich so etwas zum Schulleben beitragen. Also, Basteln geht gar nicht. Beim Sankt-Martins-Laternenbasteln habe ich mir prompt die Knie zugeklebt. Und das war eine teure Strumpfhose!
Doch, wir sind glücklich hier. Wir haben die richtige Entscheidung getroffen, nach Deutschland zu gehen. Ich vermisse allerdings diese Energie in New York, die dich umgibt, sobald du auf die Straße gehst - wie ein einziges Summen in der Luft. Hier ist alles viel ruhiger. Aber dafür werden Künstler hier in Deutschland viel mehr respektiert als in den USA. Und: Die Leute können hier klassische Konzerte besuchen, ohne gleich einen Kredit aufnehmen zu müssen.
Mit Fußball kann ich als echte Amerikanerin allerdings wenig anfangen, der Sport spielt bei uns einfach nicht so eine Rolle. Ich weiß natürlich, dass die Brasilianer bei der Weltmeisterschaft in Schloss Lerbach wohnen, und da das Restaurant geöffnet bleibt, werde ich auch für sie spielen. Aber erkennen werde ich wohl keinen.
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