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Sprachkurse für die ganz Kleinen

Von DANIELA NOACK, 03.05.06, 09:55h

Kinder bilden spielend ein Gehör für die Sprache aus, wenn sie früh damit beginnen. Die frühkindliche Förderung ist seit der PISA-Studie allgegenwärtig. Immer mehr Eltern melden ihre Kinder zum Sprachunterricht an.

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Kinder sollten früh anfangen, fremde Sprachen zu lernen.
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Kinder sollten früh anfangen, fremde Sprachen zu lernen.
Jonas hat heute seine erste Französischstunde. Schulreif ist der Junge mit dem flaumweichen Haar und dem dicken Windelpacket aber noch lange nicht. Der Anderthalbjährige kuschelt sich an seine Mutter, während die ein Jahr ältere Claire einen Ball mit den Worten "Je suis Claire" zu Elisabeth rollt. Doch statt sich ebenfalls auf Französisch vorzustellen und den Ball an ein anderes Kind weiterzugeben, presst das Mädchen mit dem strohblonden Haar ihn fest an sich und juchzt entzückt. Dann wird es plötzlich ganz dunkel im Raum.

Der kleine Jonas hat den Lichtschalter entdeckt. Ein lustiges Spiel für die Kinder, für die, ohne dass sie es ahnen, bereits der Ernst des Lebens begonnen hat. Solche Szenen gibt es in Deutschland immer häufiger. Seit der Pisa-Studie ist das Thema frühkindliche Förderung allgegenwärtig. Immer mehr Eltern melden ihre Kinder - immer jünger - zum Sprachunterricht an. Ob in Kita, Sprachschule oder Spielzentren.

Wissenschaftler haben herausgefunden, dass das Gehirn zu bestimmten Zeiten, bestimmte Dinge besonders gut lernt. "Zeitfenster" heißt das Phänomen. Sind die Zeitfenster erst einmal geschlossen, wird das Lernen mühseliger. Das gilt vor allem für den Spracherwerb. Wissenschaftliche Untersuchungen belegen: Wenn Kinder bis zum sechsten Lebensjahr eine Fremdsprache erlernen, wird diese in derselben Hirnregion abgespeichert wie die Muttersprache.

Doch wie bekommt man die kleinen Rabauken, dazu, sich auf so etwas Kompliziertes wie etwa Französisch zu konzentrieren? Sie dabei zum Stillsitzen zu zwingen, wäre eine denkbar ungeeignete Methode. Mit kindgerechten Aktivitäten wie kleinen Bastelarbeiten oder Sing-, Tanz- und Bewegungsspielen kommt man viel eher zum Ziel. Dann haben die kleinen Schüler gute Chancen, einmal viel besser Fremdsprachen zu sprechen als ihre Eltern, obwohl sie während des Unterrichts statt reglos auf einem Stühlchen zu hocken, lieber mal lustig durch den Raum hüpfen und es scheint, als hörten sie gar nicht zu - ganz wie es ihrem Alter entspricht.

Übertriebene Erwartungen sind aber fehl am Platze. Bei nur einer Wochenstunde kann sich das Kind auch nach einem Jahr noch nicht elegant in der fremden Sprache ausdrücken. Während einige vielleicht schon ganze Sätze hinbekommen, können andere möglicherweise nur wenige Worte sprechen. Vielleicht haben sie in dieser Zeit aber schon ein gutes Hörverständnis entwickelt.

Ein zusätzlicher Bezug zur neuen Sprache kann helfen, wie Reisen in das fremde Land oder familiäre Bindungen. Einige Institute bieten zusätzlich zum Unterricht Lehrkassetten an, die dann zu Hause immer wieder angehört werden können. Dann geht es mit dem Lernen meist flotter voran. So unterschiedlich die Lehrmethoden auch sein mögen.

In einem sind sich die meisten Lehrer einig: Wichtig ist das Durchhaltevermögen - wenn möglich über mehrere Jahre. Die zweite Sprache kann in vielerlei Hinsicht ein Kapital sein - auch für die berufliche Zukunft. Um einen Platz auf einer der begehrten Europa-Schulen zu bekommen, müssen die Kinder schon möglichst vor der Einschulung Fremdsprachenkenntnisse vorweisen können, von gutem Hörverständnis bis hin zu der Fähigkeit, sich in der Zweitsprache zumindest mit ein paar einfachen Sätzen ausdrücken zu können.

Doch das ist vor allem eine Frage des Geldbeutels. Die Kurse sind nicht ganz billig. Eine Stunde in der Woche kostet pro Monat im Schnitt 40 Euro. Billiger sind manchmal Spielgruppen. Die können interessierte Eltern in Freizeiteinrichtungen in der Nachbarschaft finden. Regine Fehlings de Acurio, Vorsitzende des Kölner Vereins MehrSprache e.V., die selbst ihre Tochter zweisprachig erzieht, warnt bildungswütige Eltern davor, mit ihren Kindern in Eigenregie eine Sprache zu pauken, die sie selbst nicht richtig beherrschen. Denn dann lernen die Kinder die Fehler gleich mit.

Sinnvoller sei es, nach Angeboten von Muttersprachlern zu suchen. Eine gezielte Förderung von Kindern in Kursen hält dagegen Gila Hoppenstedt von dem Hamburger Sprachforschungsinstitut "GIFIL" mitunter sogar für kontraproduktiv. Sie fordert stattdessen "eine Einbettung der fremden Sprache ins Alltagsleben". Zunächst sollten die Kinder in den ersten drei Jahren ihre Muttersprache perfektionieren und dann eine zweisprachige Kita und anschließend eine zweisprachige Grundschule besuchen.

Wissenschaftliche Untersuchungen hätten dieses Modell als besonders Erfolg versprechend ausgezeichnet. Da zweisprachige Kitas und Schulen in Deutschland zurzeit noch Mangelware sind, rät sie interessierten Müttern und Vätern, diese in Eigeninitiative zu gründen.



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