Von KERSTIN MEIER UND TIM STINAUER, 04.05.06, 08:26h
Tumulte gab es bereits bei den Einlasskontrollen am Eingang des Hauptgebäudes. Mit Unterstützung zweier Polizisten kontrollierten Uni-Mitarbeiter die Taschen der Studenten. „Es sollte verhindert werden, dass Waffen mitgenommen werden“, sagte ein Polizeisprecher. Doch einige Studenten weigerten sich, ihre Taschen zu öffnen. Ein Wort ergab das andere, es kam zu Rempeleien. Die Beamten forderten Verstärkung an.
Derweil hatten Uni-Rektor Freimuth und neun seiner Kollegen „Angst um ihr Leben“, wie der Polizeisprecher berichtete. Sie waren bereits im Sitzungssaal, warteten dort auf die übrigen 30 Teilnehmer der Senatssitzung. „Das war ein Gefühl wie im Bunker im Zweiten Weltkrieg“, schilderte Patrick Honecker, Pressesprecher der Universität die Situation. „Die Studenten haben mit den Fäusten gegen die Türen des Senatssaals getrommelt. Wir kamen nicht raus. Einige Kollegen hatten Panik.“ Schließlich forderten die Senatoren Polizisten als Geleitschutz an. „Das hatte nichts mit Gewalt gegen die Studenten zu tun“, so Honecker, „wir mussten schlicht evakuiert werden.“ Prorektor Norbert Finzsch sei vor dem Senatssaal von Studenten angegriffen worden: „Glücklicherweise hat er sich wehren können, weil er mal geboxt hat.“ Als die Mitglieder der Senatssitzung schließlich von den mit Kampfuniformen bekleideten Polizisten aus der Universität geleitet wurden, seien sie im Treppenhaus mit Gegenständen beworfen worden. Polizeisprecher Wolfgang Baldes: „Die Polizisten wurden getreten, bespuckt und mit Wasser bespritzt.“
Die Version der Studierenden ist eine andere: „Wir haben ausschließlich friedlich protestiert“, sagt Student Till Kühnhausen. Deswegen sei es „besonders schade, dass die Polizei massiv Gewalt angewendet und sogar Schlagstöcke verwendet hat“. „Die haben uns die Treppen runtergestoßen und Tritte verpasst“, empört sich ein nass geschwitzter Student. „Bildung für alle, sonst gibt es Krawalle“ steht auf einem Aufkleber auf seinem T-Shirt. Nach
dem Aufruhr versammelten sich die Studenten vor dem Hauptgebäude. „Jetzt wollen wir erst mal die Aggression aus der Situation nehmen“, meinte Till Kühnhausen und lud die Studenten über Megaphon zu einer Grillparty mit Bands auf dem Albertus-Magnus-Platz ein. Am Abend forderte der SprecherInnen-Rat der Philosophischen Fakultät den Rücktritt des Rektors: „Wer statt des Dialogs mit den Studierenden Gewalt einsetzt, muss sofort zurücktreten.“
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