Von TIM STINAUER, 05.05.06, 07:59h
Nach den Krawallen an der Universität hat Rektor Axel Freimuth gestern in einem Telefonat Oberbürgermeister Fritz Schramma über den Hintergrund der Zwischenfälle in Kenntnis gesetzt: „Der Oberbürgermeister ist ebenso entsetzt wie wir darüber, dass die Situation dermaßen eskalieren konnte“, sagte Freimuth anschließend. Er habe den Eindruck, „dass viele Störer gar nicht in Köln studieren, sondern extra von außerhalb angereist waren, um Krawall zu machen“.
Hunderte Studenten hatten am Mittwoch die geplante Senatssitzung durch lautstarken Protest verhindert und den Senatssaal blockiert, in dem der Rektor mit neun Kollegen ausharrte. 30 Polizisten eskortierten die Gruppe schließlich aus dem Hauptgebäude. Dabei waren sie von Demonstranten wüst beschimpft und mit Gegenständen beworfen worden. Die Studenten ihrerseits beklagen, von Polizisten „getreten und geschubst“ worden zu sein. Während ein Polizeisprecher das Vorgehen der Beamten als „besonnen und umsichtig“ beschrieb, kritisierte die PDS den Einsatz als „völlig überzogen“ und forderte das Ratsgremium „Polizeibeirat“ auf, die Vorkommnisse „aufzuklären“. Rektor Freimuth hätte die öffentliche Senatssitzung von vornherein in einen größeren Hörsaal verlegen sollen, „um größtmögliche Öffentlichkeit“ zu garantieren“, kritisierte der PDS-Fraktionsvorsitzende Jörg Detjen.
Aber genau dies wird nun bei der entscheidenden Sitzung am 24. Mai, in der über die Studiengebühren abgestimmt werden soll, wohl nicht passieren. „Nach den Vorfällen vom Mittwoch könnte ich die Sicherheit von 1000 Leuten etwa in der Aula nicht garantieren“, sagte Freimuth. Der Senatssaal hätte für etwa hundert Teilnehmer Platz geboten, so der Rektor. „Aber ein Gespräch war in dieser aufgeheizten Atmosphäre ja überhaupt nicht möglich.“ Wo die Sitzung am 24. Mai nun stattfinden wird, bleibt vorerst unklar. „Sicher ist nur, dass sie stattfindet“, so Freimuth, der auch Verständnis für die Proteste äußerte: „Ich habe nichts gegen einen lautstarken Protest. Aber eine Einkesselung wie am Mittwoch, das geht entschieden zu weit.“
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