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Protest auf der Bühne

Erstellt 05.05.06, 20:53h, aktualisiert 05.05.06, 22:04h

Auf den Bonner Bühnen wird derzeit ein Stück gespielt, das mit darstellender Kunst fast nichts zu tun hat, inhaltlich aber mit dem Zustand des Bonner Kulturlebens umso mehr: Glucks „Orphée et Euridice“.

Auf den Bonner Bühnen wird derzeit ein Stück gespielt, das mit darstellender Kunst fast nichts zu tun hat, inhaltlich aber mit dem Zustand des Bonner Kulturlebens umso mehr. Und zu erwarten ist, dass die Theater- und die Opernabonnenten es bald auswendig aufsagen können. Beginnend mit der Premiere der Gluck-Oper „Orphée et Euridice“ am Sonntag tritt am Ende einer jeden Aufführung der Oper und des Theaters ein Darsteller auf, um den Protest der Künstler gegen die neuerlichen Sparpläne der Politiker vorzutragen.

Verdeutlicht wird dem Publikum, dass der Kämmerer der Stadt sowie ein Großteil der Politiker angetreten sind, dem Bonner Bühnenwesen eine weitere Sparsumme von bis zu zehn Millionen Euro herauszupressen. Dies geschieht, nachdem bereits im Jahre 2003 der Etat von Oper, Theater, Orchester und Ballett um 15 Millionen geschmälert und 150 Stellen im Bühnenwesen gestrichen wurden. Diesmal sollen es bis zu 170 Stellen sein.

„Das macht niveauvolles Theater in Zukunft unmöglich!“ heißt es. Und das Publikum ist aufgefordert: „Stimmen Sie für niveauvolles Theater statt für reine Eventkultur in Bonn!“ Obwohl der Sparzwang seit längerem dominiert, ist doch die kulturinteressierte Öffentlichkeit erst dieser Tage richtig aufgewacht, nachdem hinter schlichten Zahlen der materiell zu greifende Verlust deutlich wird. Keine Kammerspiele Bad Godesberg mehr, kein Tanz des Balletts, weniger Musiker im Orchester der Beethovenhalle. Die Frage, wie weit die Verantwortlichen der Stadt das Kulturleben weiterbeschneiden wollen, rührt nun schmerzhaft am Selbstverständnis der Bonner.



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