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Iran schreibt Brief an Bush

Von BIRGIT CERHA, 09.05.06, 06:57h, aktualisiert 01.06.06, 10:31h

Irans Präsident Mahmud Ahmadinedschad hat sich in einem Brief an seinen amerikanischen Amtskollegen George Bush gewandt. Mit dem Schreiben beendete Ahmadinedschad 26 Jahre der Funkstille zwischen den Präsidenten Irans und der USA.

Die Führung in Teheran sucht den direkten Dialog mit ihrem ärgsten Feind.

Die Ankündigung aus Teheran, Präsident Mahmud Ahmadinedschad habe einen Brief an seinen amerikanischen Amtskollegen George Bush gesendet, gibt den wegen der Atomkrise hoch angespannten Beziehungen zwischen den beiden verfeindeten Staaten einen neuen Akzent. In dem Brief schlägt Ahmadinedschad nach den Worten seines Sprechers „neue Lösungen für internationale Probleme“ und die „Überwindungen der gegenwärtig kritischen Weltlage“ vor.

Der Hinweis auf „globale Probleme“ bezieht sich vermutlich auf die zahlreichen Differenzen, die seit der Revolution 1979 zwischen Washington und Teheran bestehen. Sie reichen von der Unterstützung radikaler antiisraelischer Palästinensergruppen, der libanesischen Hisbollah bis zu Irans Verwicklungen im benachbarten Irak und schließlich dem Konflikt über das iranische Nuklearprogramm.

Ebenso wichtig wie der Inhalt des Briefes ist aber die Tatsache der ersten direkten Kontaktaufnahme eines iranischen Präsidenten mit dem Führer der „Weltarroganz“ (wie Revolutionsführer Khomeini den „großen Satan“ USA zu nennen pflegte) seit bald drei Jahrzehnten. Seit der 444-tägigen Besetzung der US-Botschaft in Teheran hat sich die „Islamische Republik“ entschieden gegen jeden Kontakt auf höchster Ebene gewehrt, wenn nicht alle ausständigen Probleme, darunter auch die seit 1980 in den USA eingefrorenen iranischen Guthaben in Milliardenhöhe zur Sprache kämen.

Selbst Ex-Präsident Mohammed Chatami, ein entschiedener Verfechter des „Dialogs der Kulturen“, wagte aus internen Gründen, nur Kontakte zwischen dem iranischen und dem amerikanischen Volk - nicht aber deren Führern - zu initiieren. Verhandlungen zwischen beiden Seiten blieben der Geheimdiplomatie vorbehalten. Der jüngst von Washington angeregte Dialog über die Irak-Krise stieß zwar in Teheran auf grundsätzliche Billigung. Doch Gespräche kamen gar nicht erst in Gang, weil Washington auf einer zutiefst widersprüchlichen Strategie bestand: einerseits iranisch-amerikanische Kooperation gegen die Rebellen im Irak, andererseits verschärfter Druck auf Teheran in der Atomfrage und intensive Bestrebungen der USA, den Iran erneut in die internationale Isolation zu treiben, ganz zu schweigen von der Androhung militärischer Gewalt.

Von besonderer Bedeutung ist aber auch der Zeitpunkt des Briefes. Montagabend trat der Weltsicherheitsrat gemeinsam mit Deutschland erneut auf der Suche nach einer Einigung über eine Resolution zusammen, die den Iran zwingen sollte, sein Uran-Anreicherungsprogramm zu stoppen.



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