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Keine Impfpflicht gegen Masern in NRW

Von HEINZ TUTT, 13.05.06, 07:06h

Die gesetzlichen Regelungen in Nordrhein-Westfalen zum Schutz der Bevölkerung vor Masern-Erkrankungen reichen völlig aus. Dies bekräftigte der Sprecher des Gesundheitsministeriums, Ulrich Lensing.

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Untersuchung einer Masern-Patientin in Duisburg.
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Untersuchung einer Masern-Patientin in Duisburg.
Ärzte sollen die Einsicht der Eltern fördern - vor allem zur häufig versäumten Nachfolge-Impfung.

Düsseldorf - Die gesetzlichen Regelungen in Nordrhein-Westfalen zum Schutz der Bevölkerung vor Masern-Erkrankungen reichen völlig aus. Dies bekräftigte am Freitag der Sprecher des Gesundheitsministeriums, Ulrich Lensing, im Gespräch mit dem „Kölner Stadt-Anzeiger“. Er wies damit Forderungen von Kinder- und Jugendärzten nach einer gesetzlichen Impfpflicht zurück. Die gesundheitspolitischen Sprecher der Landtagsfraktionen wiesen die Forderung nach einem Impfzwang ebenfalls zurück und warnten vor Hysterie.

„Wir setzen auf Einsicht der Eltern, Freiwilligkeit und Verantwortungsbewusstsein“, betonte Lensing. Auch die Ärzte seien gefordert, die Eltern in Beratungsgesprächen auf die Notwendigkeit der Impfung hinzuweisen. Insgesamt sei das Impfverhalten bei der ersten von zwei empfohlenen Impfungen durchaus positiv. 93,8 Prozent der Eltern würden ihre Kinder zwischen dem neunten und 14. Monat vor Masern schützen lassen. Die Weltgesundheits-Organisation geht davon aus, dass die Krankheit bei einem Prozentsatz von 95 ausgerottet werden kann.

Bedenklicher ist die Zahl der Impfwilligen bei der empfohlenen zweiten Impfung zwischen dem 15. und 23. Monat. Hier werden nur 66,2 Prozent gegen Masern geimpft. Lensing betonte, dass die Impfung bis zum 18. Lebensjahr kostenfrei sei und auch keine Praxisgebühr fällig werde. Bei den Ärzten schlägt diese Leistung nicht im Budget zu Buche, dass heißt, sie können die Impfung mit der Krankenkasse extra abrechnen. Jugendliche können sich, wenn sie die empfohlenen Termine im Kleinkindalter versäumt haben, jederzeit auch später noch impfen lassen.

Das Land biete zudem den Kommunen den Service eines Impfmobils an, sagte Lensing. In dem umgebauten Reisebus könnten Impfaktionen beispielsweise an Schulen, Kindergärten oder sozialen Brennpunkten angeboten werden. Das Land stellt jährlich 180 000 Euro für Impfstoff zur Verfügung. Das Angebot werde noch zu wenig genutzt, beklagte Lensing.

Der Gesundheitsexperte der CDU-Landtagsfraktion, Rudolf Henke, der zugleich Vorstandsmitglied der Bundesärztekammer ist, begrüßt zwar, dass eine öffentliche Debatte über das Impfen in Gang gekommen ist, hält jedoch selbst nichts von gesetzlichen Vorschriften zur Zwangsimpfung, die ohnehin nur bundesweit möglich wären. Es würde die Aufgabe der Kinderärzte zwar erleichtern, die Ziele der Weltgesundheits-Organisation zu erreichen, doch auch Henke appelliert an Eltern und Kinderärzte, mit Beratung, Einsicht und freiwilligen Impfungen diese hochinfektiöse Krankheit zu bekämpfen.

Gar kein Verständnis hat Henke für so genannte „Masern-Partys“, von denen das Landesinstitut für den öffentlichen Gesundheitsdienst (LÖGD) berichtete. Hier hatten Eltern ihre gesunden Kinder mit Infizierten zusammengebracht in der Hoffnung, durch die natürliche Erkrankung ihre Kinder später zu schützen. „Das ist eine irrationale und gefährliche Entwicklung“, betonte Henke.

Forderungen vieler Kinderärzte, die Masern-Impfung schon ab dem sechsten Monat statt bisher ab dem neunten Monat vom Gesundheitsministerium empfehlen zu lassen, wies Henke - der zugleich Vorsitzender des Präventionsausschusses der Bundesärztekammer ist - allerdings zurück. Das NRW-Ministerium hat auch nicht die Absicht, solchen Forderungen nachzukommen. Dies hänge auch mit Haftungsfragen zusammen, wenn bei den Kleinkindern plötzlich Nebenwirkungen aufträten, sagte Ministeriumssprecher Lensing.

SPD-Gesundheitsexperte Rainer Bischoff hält die gesetzlichen Vorschriften ebenfalls für ausreichend. Er informierte sich am Freitag in Duisburg, dort, wo vor Wochen die Krankheitswelle ausgebrochen war. Nach den bisherigen Informationen seien die Masern nicht in Schulen oder Kindergärten, sondern in der U-Bahn verbreitet worden. Das Gesundheitsamt sei noch dabei, die genaue Ursache zu finden, sagte Bischoff.

Auch die FDP-Landtagsfraktion hat den Forderungen nach einer gesetzlichen Impfpflicht eine klare Absage erteilt. Dies erklärte der gesundheitspolitische Sprecher der FDP-Fraktion, Stefan Romberg. Als unangebracht wies der Mediziner zudem die Kritik an den Behörden und Ärzten zurück, tatenlos zu sein. „Die Vorwürfe des Vorsitzenden der Ständigen Impfkommission am Robert Koch-Institut, Professor Heinz-Josef Schmitt, an Behörden und Ärzten sind fehl am Platz und unfair“, kritisierte er. Die Kinderärzte in Nordrhein-Westfalen leisteten auf dem Gebiet der Impfvorsorge exzellente Arbeit.



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