Von NINA TRENTMANN, 15.05.06, 08:15h
„Ihr seid Beatmesse“, verkündet Pfarrer Jürgen Dreyer mit einem strahlenden Lächeln. Die Johanneskirche ist berstend voll, viele der knapp 500 Gäste sind 50 und mehr Kilometer gefahren, um gemäß dem Motto des Gottesdienstes wieder „Mut zum Glauben“ zu finden. Hinter dem Altar hängt ein Plakat mit einem großen roten Handabdruck, vielleicht das Symbol für den Willen, ein Zeichen zu setzen. Schon beim Ansingen ist aus dem Strahlen auf vielen Gesichtern und dem rhythmischen Händeklatschen die Begeisterung zu spüren, die die Menschen in die Johanneskirche geführt hat. „Von euch zum wir“ wollen die drei Geistlichen - die evangelischen Pfarrer Jürgen Dreyer und Ivo Masanek und der Dominikanerpater David Michael Kammler - die Gemeinde führen, unterstützt von der Band „Ruhama“. Ivo Masanek spricht die Gläubigen mit „du“ an, ein Zeichen für die lockere, entspannte Stimmung, die diesen gelungenen Gottesdienst ausmacht.
Von starren Formen und Regeln hat sich die Beatmesse längst verabschiedet. Hier darf gelacht werden, auch die Geistlichen schunkeln beim Singen mit. Mut zum Glauben sei manchmal eine Zumutung, sagt Pfarrer Dreyer. Drei persönliche Glaubensgeschichten illustrieren dies. Den Faden des Glaubens nicht zu verlieren - diese Botschaft ist den drei Geistlichen besonders wichtig. Hunderte kleine schwarze Kreuze an geknüpften Fäden werden durch die Reihen gereicht. „Ihr braucht kein dickes Seil aus Glaubensbekenntnissen“, sagt Pfarrer Masanek zur Gemeinde. Gottes Gnade sei wie ein Faden, der nie reiße. Ein Wegweiser soll das kleine Kreuz den Gästen sein, kein Schmuckstück. Es sind Dinge wie das kleine Kreuz oder das selbst gebackene Brot, das durch die Reihen gereicht wird, die zeigen, wie liebevoll und sorgfältig der Gottesdienst vorbereitet wurde.
Das Highlight der Messe ist die ironische, fast schon sarkastische Predigt von Wilfried Schmickler. Das, was der Kölner Kabarettist von der Kanzel verkündet, zeugt für die Toleranz des ökumenischen Gottesdienstes: Die Geschichten aus der Bibel halte er für „Mumpitz“, behauptete Schmickler. Glaube ja, aber nicht an Hokuspokus, so sein Credo. „Die Menschen ertrinken im eigenen Angstschweiß“, sagt er. Alle gegen alle, jeder nur für sich und „Geiz ist geil“ - solche Parolen prägten die Zeit. Und das nur, weil der Glaube abhanden gekommen sei. Trotz der Zersplitterung des Glaubens in „Oberpopen“ und Shows wie „Einer wird schon dran glauben“ sollte man den Glauben - egal woran - nicht verlieren. Hauptsache, man glaube nicht alleine.
Die nächste Beatmesse wird am Sonntag, 29. Oktober, gefeiert. Die regulären Gottesdienste finden sonntags um 9.30 Uhr im Tersteegenhaus und um 11 Uhr in der Johanniskirche statt.
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