Von HEINZ TUTT, 16.05.06, 07:03h
Die jüngste Pisa-Studie über die Bildungserfolge von Migranten-Kindern stellt den deutschen Schulen ein schlechtes Zeugnis aus. An diesem Ergebnis ändere sich auch nichts, wenn man den häufig niedrigen sozialen Status und Bildungsstand der Einwandererfamilien berücksichtige, sagte die Bildungsdirektorin der Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD), Barbara Ischinger. Dabei seien die untersuchten 15-jährigen Migrantenkinder in Deutschland wie in den anderen Staaten „hochmotiviert“.
Besonders extrem ist der Leistungsabstand zwischen Migrantenkindern und gleichaltrigen Einheimischen, wenn in der Ausländerfamilie nicht deutsch gesprochen wird. Schüler aus Migrationsfamilien liegen dann in Mathematik im Schnitt mit ihren Leistungen sogar drei Jahre hinter diesen Jugendlichen zurück - der mit Abstand schlechteste Wert von allen untersuchten OECD-Staaten. Noch deutlicher fällt der Leistungsunterschied in der Schlüsselkompetenz Lesen / Textverständnis aus.
Ein Weg zu besseren Lernerfolgen sei gezielte Sprachförderung, sagte Ischinger. Dies zeigten Länder mit klar strukturierten Sprachprogrammen wie Kanada, die USA oder Schweden. Aber auch der Schweiz gelingt es besser, Kinder türkischer Eltern zu Schulerfolgen zu verhelfen als Deutschland. Die Schweiz nimmt hier den Spitzenplatz ein, Deutschland ist Schlusslicht. Die OECD-Studie räumt nach den Worten von Ischinger mit dem Vorurteil auf, dass ein hoher Anteil von Migrantenkindern den Integrationsprozess erschwert. So erzielen Länder mit weitaus höheren Migrantenzahlen als Deutschland, wie etwa Luxemburg, Australien, Schweiz, Kanada oder Neuseeland, deutlich bessere Werte bei ihren Integrationsbemühungen.
Das Ergebnis der Studie ist für den Staatssekretär im NRW-Schulministerium, Günter Winands, keine Überraschung. Er sagte dieser Zeitung, die Politik der Landesregierung - mit einer frühen Förderung von Kindern mit Migrantenhintergrund - sei die konsequente Antwort auf den Befund: „Frühe Förderung von Migrantenkindern hat höchste Priorität.“ Aufgrund der OECD-Studie müsse NRW keine neuen Maßnahmen einleiten. „Den Befund kennen wir schon seit langem. In NRW haben bis zu 30 Prozent der Kinder Migrationshintergrund.“ In den Hauptschulen könne man sogar davon ausgehen, dass jedes zweite Kind Migrationshintergrund habe. NRW habe umfangreiche Fördermaßnahmen eingeleitet, um Kinder und Jugendliche mit Migrationshintergrund zu fördern und zu fordern, so Winands. Zusätzliche Stellen würden bereitgestellt, Qualitätssicherungskonzepte in Gang gesetzt. (mit dpa, epd)
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