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Der Reiz des Runden

Von MILENA KOWALSKI, 25.05.06, 14:18h

Schon zu Urzeiten spielte der Mensch mit der Kugel. Unter den Vorläufern des heutigen Fußball finden sich einige kuriose, aber auch brutale Spielarten des Ballsports.

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Im Kunst- und Kulturprogramm zur Weltmeisterschaft waren in einigen Städten schon „Pok ta Pok“-Spiele zu erleben, wie hier in Berlin.
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Im Kunst- und Kulturprogramm zur Weltmeisterschaft waren in einigen Städten schon „Pok ta Pok“-Spiele zu erleben, wie hier in Berlin.
Unter den Vorläufern des heutigen Fußball finden sich einige kuriose, aber auch brutale Spielarten des Ballsports.

„Fußball ist unser Leben, der König Fußball regiert die Welt!“ schmetterte 1974 die damalige deutsche Nationalmannschaft. So weit wird sich der eine oder andere Ballsportfan zurück erinnern können. Aber wie sieht es zum Beispiel mit 1300 vor Christus aus? Und was bitte ist „Pok ta Pok“?

Hätte man zu jener Zeit einen Menschen gefragt, der im heutigen Mexico lebte, hätte der höchstwahrscheinlich die Antwort gewusst. „Pok ta Pok“ war nämlich eine in Südamerika praktizierte Ballsportart.

Die Menschen spielen schon seit der Antike mit Bällen und Kugeln. Was die Faszination dieses Spiels ausmacht ist aber von Kultur zu Kultur unterschiedlich. Während die Inuit zum Spaß mit Walross-Schädeln kickten, war das Ballspiel in Asien eine zeremonielle Angelegenheit und anderswo ein brutales Raufspiel unter Männern.

Es lohnt sich, eine kleine Zeitreise zu unternehmen und die Urversionen der heutigen Ballsportarten kennen zu lernen. Beim „Pok ta Pok“ beförderten die Maya den Ellbogen einen Kautschukball in einen Steinring an der Wand. Damals musste also das Runde noch nicht ins Eckige wie beim heutigen Fußball.

„Pok ta Pok“ war die lautmalerische Beschreibung für das Geräusch, das beim Erzielen eines Treffers zu hören war und nach dem die Maya ihr Spiel auch benannten.

Für die Verlierer konnte es dabei recht gefährlich werden: Es konnte durchaus vorkommen, dass die Sieger die andere Mannschaft enthaupteten und mit deren Köpfen weiterspielten.

Weniger brutal ging es vor 5000 Jahren in China zu. Dort wurde von Männern und Frauen „Ts'uh Küh“ gespielt. Die Spieler versuchten dabei, eine mit Federn und Haaren gefüllten Lederkugel in ein Loch im Boden zu dribbeln, was viel Geschick erforderte. Eine ähnliche Geschicklichkeitsübung ist auch das, was auf den pazifischen Gilbert-Inseln gespielt wird. Dort besteht die Kunst darin, den Ball so lange wie möglich in der Luft zu halten. Allerdings ist der Ball eigentlich kein Ball, sondern eher ein Würfel.

In Japan wandelte sich das Spiel mit dem Ball zu einer feierlichen Zeremonie, die nur von Staatsoberhäuptern ausgeführt werden durfte. Die Herren des kaiserlichen Hofes hüllten sich zu diesem Zweck in prächtige Kimonos und spielten sich gegenseitig den Ball zu, wobei dieser in der Luft gehalten werden musste. Dabei waren gestreckte Beine verboten und auch die Fußsohlen durften keinesfalls zu sehen sein.

Jede Ästhetik ging bei den Griechen um 400 vor Christus verloren. Hier war der Fußball eine militärische Übung, bei der die Männer ihren Mut unter Beweis stellten. Alles war erlaubt und es durfte nach Herzenslust geschlagen, getreten, gebissen und auf sonstige Weise gefoult werden. Verstöße gegen die wenigen Regeln wurden mit Peitschenschlägen bestraft. Die Griechen nannten diesen brutalen Sport „Spairomachja“. Dem „Spairomachja“ ähnelt die italienische Version, genannt „Calcio Florentino“. Noch heute spielen die Florentiner einmal im Jahr dieses Spiel, das eine Mischung aus Fußball und Rugby ist. Dabei geht es ebenfalls sehr brutal zu und es wird mehr geprügelt als gespielt. Entsprechend viele Verletzte verlassen am Ende das Spielfeld. Früher kam es beim „Calcio Florentino“ häufig sogar zu Todesfällen.

Im Vergleich zu solch martialischen Methoden sind die heutigen Ballsportarten doch recht harmlos. Die Begeisterung für den Ball ist aber geblieben. Und eigentlich können wir froh sein, dass Bestrafungen à la Maya nicht mehr üblich sind. Sonst sähe unsere deutsche Elf wohl schon bald im engeren Sinne kopflos aus.



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