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„C.R.A.Z.Y.” Der geläuterte Wunderknabe

Von OLIVER RAHAYEL, 25.05.06, 12:59h, aktualisiert 25.05.06, 13:23h

Der Film erzählt die Geschichte einer Jugend in den Siebziger Jahren: den schwierigen Weg vom Tag, da der kleine Zachary in eine biedere Familie hinein geboren wird bis hin zum Scheideweg von Kontinuität oder Bruch mit der Familie.

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Michel Côte in C.R.A.Z.Y.
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Michel Côte in C.R.A.Z.Y.
Die Siebziger Jahre - sie waren Glamour und Muff, etablierte Rebellion einerseits und noch längst nicht überwundene Nachkriegsspießigkeit andererseits. Auf der Grundlage der Erlebnisse von François Boulay, des Mitautors neben Nachwuchsregisseur Jean-Marc Vallée, erzählt „C.R.A.Z.Y“ die Geschichte einer Jugend in jener Zeit: den schwierigen Weg vom Tag, da der kleine Zachary in eine biedere Familie in Montreal hinein geboren wird, über die Zeit, da er sich sexuell und musikalisch orientiert, bis hin zum Moment, da er sich am Scheideweg befindet von Kontinuität oder Bruch mit der Familie.

Zachary wird an einem Heiligabend geboren, und er kann offenbar kleine Beschwerden heilen, selbst übers Telefon. Wie ein göttlicher Wunderknabe wird der Junge fortan von der Mutter herum gereicht. Ihm passt das gar nicht - und seine vier Brüder macht es neidisch. Plötzlich nervt ihn Mutters Heimchenrolle - und sein Vater erwischt ihn eines Tages in Frauenkleidern. Schwule hat es nicht zu geben in seiner Familie. Daran hält sich Zac auch, jedenfalls so lange, wie es geht.

Meistens leise, manchmal wehmütig und selten grell ist der Humor des Films, ebenso eigenwillig wie die vielen kleinen Episoden, die immer auch allgemeingültige Beobachtungen über Kindheit und Pubertät beinhalten. Obwohl sich die erzählte Handlung über zwei Jahrzehnte hinzieht, halten ein paar wesentliche Themen die Geschichte zusammen. Da ist der gefährdete Zusammenhalt der Familie. Da ist das Coming-of-age in einer Epoche, die trotz aller Hypes noch weit entfernt ist vom aktuellen Jugendwahn, die geprägt war von überirdischen Stars wie David Bowie, von einer Popkultur der spirituellen Verheißungen. Da ist das bittere Coming-out-Drama: Ein Mitschüler, der Zac mit dessen latenter Homosexualität konfrontiert und lockt, wird von diesem schwer verprügelt, weil nicht sein soll was nicht sein darf.

Und da ist die christliche Symbolik, die zusehends an Gewicht gewinnt. Zac erlebt mehrere Wiederauferstehungen, außerdem Sünde, Läuterung und Buße, etwa gegenüber seinem Bruder, der ignorant und drogensüchtig, aber eben auch cool und sexuell aktiv ist und den er schließlich verrät.

Schließlich erfährt er sogar eine Art Erlösung, für die er allerdings nach Jerusalem pilgern muss. Das Prinzip der Überhöhung, das den gesamten Film kennzeichnet, greift auch hier. So ist der brillant gespielt Film zugleich realistisch und allegorisch.



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