Von MANUELA BRAUN, 30.05.06, 10:42h
In Deutschland hat Pro7 die Serie ins Programm genommen und mit dem brav-biederen Untertitel „Wenn Frauen Frauen lieben“ versehen. Jetzt also Jennifer Beals statt Sarah Jessica Parker.
Die Charaktere sind schnell vorgestellt: Bette Porter (Jennifer Beals) und ihre langjährige Freundin Tina (Laurel Holloman) suchen verzweifelt nach einem Mann, der ihnen mit einer Samenspende zu einem Kind verhilft. Dana ist Tennisspielerin und outet sich nicht als Lesbe, um keine Sponsoren zu verprellen. Shane schleppt einen One-Night-Stand nach dem anderen ab, und Alice ist als bisexuelle Single-Frau auf der Suche nach der Liebe - mit welchem Geschlecht auch immer. Bleibt noch Jenny, die gerade zu ihrem Freund nach L.A. gezogen ist, und durch die Cafébesitzerin Marina zunehmend von der lesbischen Szene fasziniert wird. Spätestens bei den ritualisierten, alltäglichen Treffen in Marinas In-Lokal „Planets“ führen dann wieder alle Handlungsstränge bei Kaffee und Zigarettenpause zueinander. Alle Altersklassen und Beziehungsstrukturen sind vertreten.
Coming-out, Kinderwunsch, sexueller Missbrauch - „Alles Themen, die im lesbischen Leben so vorkommen und relativ realistisch dargestellt werden“, sagt Renate Rampf, Pressesprecherin des Lesben- und Schwulenverbandes Deutschland. „Lesben haben Sex und wollen nicht nur kuscheln, und sie reden auch darüber.“ Eben keine Knastlieben wie in „Hinter Gittern“, in der Frauen aus Einsamkeit, Verzweiflung und Männermangel mal eben lesbisch werden. Dass eine Serie mit lesbischen Frauen im Fernsehen läuft, kommt gut an in der jungen lesbischen Szene. Magazine wie „L-Mag“ berichten bereits in der vierten Ausgabe über die Serie, in Berlin war das „Cinestar“ vor einige Tagen rappelvoll, als die ersten beiden Folgen der zweiten Staffel gezeigt wurden.
Dass es eher selten so viele schöne, schick gekleidete Frauen in gut bezahlten, hoch qualifizierten Jobs in einer einzigen Clique gibt, die zudem noch Sex im luxuriösen eigenen Swimming-Pool haben - nun gut. Exemplare wie „Hinter Gittern“-Vorzeigelesbe Walter oder piefige Frauenbeziehungen aus der „Lindenstraße“ will niemand ernsthaft sehen. Diese kommen in der Welt der 47-jährigen lesbischen Serien-Erfinderin Ilene Chaiken auch nicht vor. Das Provokationspotenzial hält sich in Grenzen, auch wenn in Großbritannien bereits die Werbeplakate bei besorgten Bürgern für den obligaten Sturm im Wasserglas sorgten. Nach „Sex and the City“ und „Desperate Housewives“, die beide bereits auf Pro7 erfolgreich liefen, können die schnoddrigen Sprüche der schicken Lesbenclique eben nur wenig schocken. Zumal in der ersten Folge diejenigen, die den meisten öffentlichen Sex vor der Kamera haben, definitiv Jenny und Tim sind. Das einzige heterosexuelle Paar.
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