Von TOBIAS MORCHNER, 02.06.06, 07:06h, aktualisiert 02.06.06, 18:39h
Die 44 Hausbesetzer, die sich zum Zeitpunkt der Räumung im Barmer Block aufhielten, wurden von der Aktion vollkommen überrascht. Ohne Widerstand zu leisten, ließen sie sich von den Einsatzkräften aus den Räumen in den Innenhof führen. Nach und nach wurden sie ins Polizeipräsidium nach Kalk gebracht. Vier der Besetzer wurden bereits per Haftbefehl gesucht. Vier weitere wurden in Gewahrsam genommen. Die übrigen Besetzer konnten nach der Feststellung ihrer Personalien die Behörde wieder verlassen. „Wir sind von der Stadt Köln um Amtshilfe gebeten worden, weil die Besetzer der Feuerwehr und Mitarbeitern des Bau- und des Gesundheitsamtes am Vortag den Zutritt zu fast allen Räumlichkeiten verweigert hatten“, begründete Polizei-Sprecher Jürgen Laggies den Einsatz.
Am Mittwoch wollte die Stadtverwaltung Hinweisen nachgehen, nach denen an den Wohnungen des Barmer Blocks gravierende bauliche Veränderungen vorgenommen worden waren und die hygienischen Zustände in den Wohnungen unzumutbar seinen. „Den Zutritt von Gesundheitsamt und Feuerwehr hatten wir vorerst abgelehnt, da von diesen beiden Ämtern weder eine konkrete Ordnungswidrigkeit bzw. eine Gefährdung der öffentlichen Sicherheit angegeben wurde“, hieß es in einemm Schreiben der Besetzer. Doch den Mitarbeitern der Bauaufsicht, der Feuerwehr, des Gesundheitsamtes und des Ordnungsamtes, die nach der Räumung die Wohnungen im Barmer Block besichtigten, bot sich ein anderes Bild. „Brandschutzvorschriften waren nicht eingehalten, die Rettungswege waren verbarrikadiert. Ganze Etagen des Wohnblocks waren von den Besetzern als Toilette benutzt worden. In einer´Kloschüssel haben wir sogar ein totes Huhn gefunden. Außerdem hatten die Besetzer die elektrischen Anlagen manipuliert, so dass bereits Kabelbrände entstanden waren“, fasste Stadt-Sprecher Jürgen Müllenberg die Ergebnisse der Untersuchungen zusammen. Die Stadtverwaltung hat den Besitzer der Gebäude, den Erbbauverein Köln, jetzt aufgefordert, die Wohnungen so schnell wie möglich so zu sichern, dass keine Personen die Räume mehr betreten können. Der Verein ließ rund um den Barmer Block einen Metallzaun errichten. Ein Wachdienst soll für zusätzlichen Schutz sorgen. Gleichzeitig sind am Donnerstagnachmittag die Abbrucharbeiten in den ehemals besetzten Räumen aufgenommen worden. Die Wohnungen wurden teilweise entrümpelt, Fensterrahmen herausgerissen. Ziel des Erbbauvereins ist es, den Gebäudekomplex so schnell wie möglich vollständig abzubrechen. Nach ersten Schätzungen wird sich das bis zum Ende der Sommerferien hinziehen. Die ehemaligen Hausbesetzer protestierten gegen die Räumung des Barmer Viertels mit einer Demonstration am Abend vor dem Deutzer Bahnhof. Gegen 18 Uhr versammelten sich dort etwa 60 Personen.
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