Erstellt 16.05.06, 16:51h, aktualisiert 24.05.06, 15:52h
Solche oder ähnliche Ratschläge hat die "Deutsche Zentrale für Tourismus" (DZT) in ein "Album der Gastfreundschaft" geschrieben. Es ist eine Art Knigge für die deutschen WM-Gastgeber, damit der Slogan "Die Welt zu Gast bei Freunden" nicht zur Phrase verkommt. 80 Seiten dick, soll es vor allem den Mitarbeitern der Tourismusbranche und den 15.000 freiwilligen WM-Helfern ("Volunteers") dabei helfen, die Welt auch anständig zu behandeln. "Unser Ziel ist es, das positive Image Deutschlands nachhaltig zu stärken", sagt die DZT-Vorsitzende Petra Hedorfer.
Die Informationen dieses "Schulungshandbuchs" sind umfangreich und darauf ausgerichtet, dass im Umgang mit den Gästen erstens eine vernünftige Kommunikation zu Stande kommt und zweitens dabei nichts schief geht. Wer Anhänger des zweiten deutschen Gruppengegners Polen gewinnen will, sollte folglich "ruhig und zurückhaltend" auftreten, den Offensivfußball ihrer Mannschaft loben und Scherze über Kirche und Papst unterlassen. Besuchern aus Ecuador, dritter WM-Kontrahent der deutschen Auswahl, sollte man zugestehen, dass sie einen derben Humor haben und das Nachbarland Peru für sie ein Tabuthema ist.
Vorsicht ist auch bei Gesten angebracht. Wer es gut meint und Engländer oder Australier nach einem Sieg ihrer Mannschaft mit dem "Victory"-Zeichen begrüßt, der sollte aufpassen, dass dem Besucher dabei nicht der Handrücken entgegengehalten wird - das hieße dann nämlich: "Du kannst mich mal." Englischen Fußball-Fans sollte der Gastgeber auch nicht mit "britisch" oder "Großbritannien" kommen, weil England nun mal nicht Schottland ist. Da empfiehlt sich eher eine Diskussion über das "Wembley-Tor". Und um Missverständnisse zu vermeiden, sollte für Handy das Wort "mobile" verwendet werden.
Unbedingt zu beachten: Rivalitäten! Japaner aus historischen Gründen bitte nicht mit Südkorea kommen, und umgekehrt. Und Gästen aus Südkorea grundsätzlich die Zahl "4" ersparen - sie bedeutet den Tod. Argentinier wiederum missbilligen Vergleiche mit Brasilien, ein besseres Gesprächsthema wäre die deutsche Punkrock-Band "Die Toten Hosen". Außerdem wird den deutschen Gastgebern und Helfen geraten: "Achte darauf, dass du deine Pausenmahlzeiten nicht unbedingt vor einem (argentinischen) Gast einnimmst, Argentinier betrachten essen in der Öffentlichkeit als schlechten Stil."
Besuchern aus den Niederlanden, rät das "Album", sollten die deutschen WM-Gastgeber mit Gelassenheit begegnen, allen Sticheleien zum Trotz: "Es mag innerlich ein wenig brodeln, aber nimm es einfach mit einem Augenzwinkern." In Gegenwart von Südkoreanern wiederum ist eine Herabsetzung der Niederländer zu vermeiden - schließlich war es in Guus Hiddink ein Niederländer, der die Asiaten bei der WM 2002 bis ins Halbfinale führte. Und in Dick Advocaat haben sie nun wieder einen Trainer aus dem Nachbarland und empfinden deshalb eine große Sympathie für Oranje.
Generell Respekt vor den religiösen und kulturellen Besonderheiten wird beim Umgang mit Mannschaften aus den islamisch geprägten Staaten empfohlen. Einen Portugiesen wiederum, so rät es das Freundschafts-Album, solle man doch "lieber auf Suaheli als auf Spanisch anreden". Bei den Besuchern aus Trinidad (Trinidader) und Tobago (Tobagonier), gemeinsam übrigens Trinibagonier genannt, wird der Hotelier Pluspunkte sammeln, wenn er deutsches Bier anbietet, auf den Hotelfluren Eiswürfelmaschinen bereithält und sich ansonsten geduldig zeigt: "Bestehe auf keinen Fall auf Pünktlichkeit."
Grundsätzlich sei der Blick auf die Empfehlungen für den korrekten Umgang mit italienischen Besuchern empfohlen. "Wenn etwas schief geht, erwarten sie, dass man irgendetwas unternimmt, selbst wenn es keinerlei Aussicht auf eine sachliche Lösung des Problems gibt. Allein die Bemühung wird als Zeichen der Wertschätzung empfunden."
Amerikaner, die zur Fußball-WM Deutschland bereisen, müssen sich schon mal auf eine Enttäuschung gefasst machen: Kaum einer läuft mit Lederhose herum, und erst recht nicht in Hamburg, wo die US-Mannschaft ihr Quartier hat. "Deutsche ziehen sich einfach nicht oft wie Deutsche an", warnt ein amerikanisches "Überlebenshandbuch für Deutschland", das zurzeit in New York in vielen Buchläden ausliegt. Andere populäre Ratgeber mit Verhaltenstipps für Old Germany tragen Titel wie "Sitten- und Etikettenführer Deutschland", "Insiderführer durch das deutsche Leben" oder "Deutschland für Dumme".
Die Bücher enthalten viele praktische Hinweise, auf die ein normaler Amerikaner nie kommen würde. Zum Beispiel: "Lehnen Sie sich nie gegen ein fremdes Auto - Autos sind in Deutschland heilig. Vermeiden Sie biologisch nicht abbaubares Verpackungsmaterial. Setzen Sie sich nie mit Badehose in die Sauna. Rufen Sie niemanden zwischen 20.00 und 20.15 Uhr an - dann läuft die Hauptnachrichtensendung im Fernsehen."
Das ist der einfache Teil des Crash-Kurses Germany. Fortgeschrittene müssen noch viel mehr wissen. So lautet das Motto der WM zwar "Die Welt zu Gast bei Freunden", doch alle Ratgeber sind sich einig, dass es schwer ist, einen Deutschen zum Freund zu gewinnen. Zwar betonen sie, dass die meisten Deutschen nichts gegen Ausländer haben, aber ihre distanzierte Art mache es nicht gerade leicht, Kontakt herzustellen.
Alles, was in Amerika zu einer freundlichen Begrüßung gehört -breites Lächeln, zur Schau gestellte Freude, Fragen nach dem Befinden - macht Deutsche eher misstrauisch. "Seien Sie zu Fremden besser nicht übermäßig freundlich", rät Richard Lord, der Verfasser von "Culture Shock". "Die Deutschen werden nur glauben, dass Sie etwas von ihnen wollen oder nicht ganz normal sind." Im besten Fall werde man als "typisch oberflächlicher Amerikaner" abgetan. "Deutsche sind von Natur aus ganz einfach keine sonnigen Frohnaturen."
Was sich auch nicht empfiehlt: Positiv über Präsident George W. Bush zu sprechen. "Wenn Sie die derzeitige US-Politik zu entschieden verteidigen, riskieren Sie Streit." Und noch etwas: In Deutschland behält man während des Essens das Messer in der Hand anstatt erst alles klein zu säbeln oder zu zermantschen und dann nur noch die Gabel zu benutzen. "Mit offenem Mund zu kauen oder mit vollem Mund zu sprechen, gilt als unerzogen - genauso wie Kaugummikauen."
Wer im Hotel oder sonst wo deutsches Fernsehen einschaltet, muss sich auf Nacktszenen gefasst machen. "Die Deutschen sind nicht prüde", erläutert der Ratgeberautor Barry Tomalin, ein Experte für deutsche Unternehmenskultur. "Was sie schockiert, ist nicht Sex, sondern Gewalt. So kommt es, dass Videos, die Sie für harmlos halten, in Deutschland Anstoß erregen können, während Programme, von denen Sie meinen, dass junge Teenager sie sich auf keinen Fall anschauen sollten, in deutschen Haushalten völlig akzeptiert sind."
Und dann noch ein letzter Tipp aus dem "Insiderführer": "Versuchen Sie nie, einen Witz zu erzählen. Überlassen Sie das einem gewissen Harald Schmidt oder Deutschen, die zu viel getrunken haben. Deutsche haben zwar Sinn für Humor, aber mit der amerikanischen Variante hat er nichts zu tun." (sid/dpa)
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