Von Bettina Levecke, 17.05.06, 14:54h
Was ziehe ich an? Werde ich einen guten Eindruck hinterlassen? Um die Ängste vor dem ersten Treffen abzubauen, sollten die eigenen Erwartungen nicht zu hoch geschraubt werden. Wichtig ist nach Ansicht von Experten vor allem, ehrlich zu sein.
«Es ist dieses unangenehme Gefühl, vor den möglichen Schwiegereltern auf dem Prüfstand zu stehen», sagt Klaus Heer, Paartherapeut aus Bern. «Versuchen Sie, diese Situation spielerisch und nicht bierernst anzugehen.» Zu große Ansprüche an sich selbst und der Wunsch, sofort als der perfekte Partner zu überzeugen, sorgen für unnötigen Druck und Stress. «Gehen Sie innerlich davon aus, dass ein peinlicher Moment sowieso nicht zu vermeiden ist», rät Jörg Wesner, Psychologe und Paartherapeut aus Hamburg.
Die wichtigste Grundlage, um dauerhaft zu überzeugen, ist Ehrlichkeit: «Bleiben Sie sich treu und verleugnen Sie sich nicht», sagt Wesner. «Wer sich immer sportlich kleidet, sollte nun nicht plötzlich im schwarzen Kostüm oder Anzug auftreten.» Auch Piercings, die bunt gefärbten Haare oder eine Tätowierung müssen nicht entfernt oder bedeckt werden. «Verkleiden Sie sich nicht, sondern bleiben Sie so, wie Sie sind», rät Regina Swoboda, Kommunikationstrainerin aus München.
Für einen positiven ersten Eindruck ist es jedoch entscheidend, ordentlich aufzutreten. «Auch heute gelten noch die alten Werte wie Höflichkeit, Respekt und gute Manieren.» Als Erfolg versprechenden Einstieg in das Treffen empfiehlt die Trainerin ein gut bedachtes Geschenk. Blumen seien zwar der Klassiker, doch ein persönliches Präsent wirkt viel sympathischer: «Besprechen Sie mit Ihrem Partner, was den Eltern gefallen könnte.» Eine spezielle Whiskysorte für den Vater oder ein Zeitungsartikel passend zum Hobby der Eltern seien eine gute Idee. «Stimmen Sie das Geschenk mit den Interessen der Eltern ab, so findet sich auch schnell ein Einstiegsgespräch.»
Auch für den weiteren Verlauf des Treffens ist es hilfreich, möglichst viel über die Schwiegereltern in spe zu wissen. Vorbereitende Gespräche mit dem Partner sind daher wichtig: «Er kennt seine Eltern seit eh und je, er weiß, wie sie zu handhaben sind. Darüber wird er sich gern befragen lassen», sagt Heer.
Umfassende Informationen verhindern, in ein Fettnäpfchen zu treten. «Wenn man weiß, wo die Minen liegen und die Spielregeln der Familie kennt, fällt schon vieles leichter», sagt Wesner. Positive Themen können dann genutzt werden, um das Eis zu brechen. Etwa, indem die Schwiegermutter auf den schönen Garten angesprochen, der Vater nach seinem Hobby befragt wird. «So zeigen Sie Interesse und finden immer neue Themen zum Anknüpfen», erläutert Swoboda. «Jeden neuen Gesprächspartner kann man am elegantesten für sich einnehmen, wenn man sich ausdauernd für ihn interessiert», ergänzt Heer.
Starke Nervosität darf laut Swoboda zugegeben werden, etwa in folgender Form: «Ich habe mich sehr auf ein Treffen mit Ihnen gefreut, deshalb bin ich jetzt etwas nervös.» Um das erste Treffen etwas lockerer zu gestalten, hilft es, anstatt eines Kaffeebesuches in der elterlichen Wohnung etwas Aktives zu unternehmen: «Ein gemeinsamer Theaterbesuch oder ein Ausflug in die Natur sind weniger steif und sorgen schneller für Gesprächsstoff.»
Wenn die Eltern des Partners mit unangenehmen Fragen aufwarten - nach dem Einkommen oder den Zukunftsplänen wie Heirat oder Nachwuchs - sollte der Partner Einhalt gebieten: «Solche Fragen müssen beim ersten Treffen noch nicht beantwortet werden», sagt Wesner. Wer nicht um eine Antwort herum kommt, sollte ehrlich bleiben und keine falschen Angaben zur beruflichen Situation machen, nur um einen guten Eindruck zu erwecken. «Bleiben Sie auf jeden Fall authentisch.»
Bei zu persönlichen Fragen gilt es, freundlich Abstand zu nehmen. Laut Regina Swoboda könnte das folgendermaßen lauten: «Ich finde es gut, dass Sie so ehrlich fragen, aber bitte haben Sie Verständnis, dass ich darüber noch nicht reden möchte.»
«Entscheidend für ein positives erstes Treffen ist, dass beide Partner miteinander solidarisch sind», sagt Heer. So sollte der Partner zum Beispiel nicht plötzlich mit den eigenen Eltern alleine gelassen werden: «Gehen Sie immer wieder in den Dialog miteinander, zeigen Sie Zusammengehörigkeit», rät Wesner. Und so groß der Wunsch nach einem guten Eindruck bei den Schwiegereltern auch sein mag. «Bleiben Sie ruhig und bedenken Sie: Von diesem Treffen hängt nicht die Welt ab.» (dpa/gms)
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