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Hausbesetzer wollen Genossenschaft gründen

Erstellt 24.05.06, 10:55h, aktualisiert 24.05.06, 10:56h

Seit zwei Monaten hält eine Gruppe von bis zu 150 Leuten in Köln 269 Wohnungen in unmittelbarer Nähe des Messe-Geländes besetzt. Jetzt wollen sie der Stadt den Wohnblock abkaufen und selbst vermieten.

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Hausbesetzer im Barmer Viertel haben ihren Protest auf einen Balkon gesprüht.
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Hausbesetzer im Barmer Viertel haben ihren Protest auf einen Balkon gesprüht.
Köln - Seit mehr als zwei Monaten hält etwa eine Gruppe von bis zu 150 jungen Leuten in Köln 260 Wohnungen in unmittelbarer Nähe des Messe-Geländes besetzt. "Kein Abriss" oder "Stoppt Mietwucher jetzt!" ist auf Transparenten und Tüchern zu lesen, die aus den Fenstern der Graffiti-besprühten Häuser hängen. Bis Ende Juni soll das Viertel mit Bauten aus den 20er Jahren geräumt sein, damit die Stadt es Investoren baureif übergeben kann. Unterstützer gegen den Abriss sind inzwischen aus vielen Städten nach Köln gekommen. "Die Hausbesetzerszene ist nicht ausgestorben und das wird sie auch nicht, solange es Wohnungsnot gibt", sagt Stadtsoziologe Professor Hartmut Häußermann.

Zwar sei die Szene mit der großen Hausbesetzer-Bewegung der 80er und 90er Jahre in Großstädten wie Berlin und Hamburg nicht vergleichbar, sagt der Berliner Wissenschaftler. Es gebe aber immer wieder einzelne, nicht unbedingt Aufsehen erregende Aktionen - etwa in alten Fabrikgeländen oder Kulturzentren. "In Städten wie Berlin oder Köln gibt es zunehmend Leute mit Geld, die innerstädtisch in Altbaugebieten wohnen wollen und dafür hohe Mieten zahlen können." Dagegen rege sich politischer Widerstand.

In Köln wollen die Hausbesetzer nun eine Genossenschaft gründen und der Stadt den Wohnblock für eine Millionen-Summe abkaufen. "Wir wollen da Cafés oder Pizzerien reinnehmen zu einem höheren Mietpreis, Wohnungen zu einem normalen Mietpreis - und für die Hausbesetzer zu einem verbilligten Preis", erklärt Hausbesetzer Rainer Kippe das Konzept, das mit Hilfe eines Wirtschaftsprüfers errechnet wurde.

"Hier gibt es so viel schönen Wohnraum von einer Wahnsinns-Qualität, das darf man nicht kaputt machen", ergänzt Jens, der in eine der seit drei Jahren leer stehenden Wohnungen eingezogen ist. "Viele denken, wir machen hier nur Party, aber wir wollen den Hausbestand erhalten. Hier könnten auch gut Spielplätze entstehen oder Altenwohnprojekte", meint der 34-Jährige.

"Wir haben auch Leute aus Berlin, Bremen, Hannover oder aus Münster hier", sagt Mitstreiter Tom. In der Szene gebe es eine hohe Mobilität, bestätigt Professor Häußermann. "Die Hausbesetzer sind in einer Minderheit, sie unterstützen sich gegenseitig und reisen auch zu überregionalen Solidaritätsaktionen an." Einige seien mit Laptop und Handys ausgerüstet und gut vernetzt. "Die jungen Leute nutzen neue Kommunikationsmöglichkeiten, es gibt Funknetze, die von alternativen Netzwerkern bereitgestellt werden."

Von den fast 400 Wohnungen, die in dem Viertel abgerissen werden sollen, standen einige unter Denkmalschutz. "Sie wurden zum Abbruch aus der Denkmalschutzliste entlassen", sagt Kölns Stadtentwicklungsdezernent Bernd Streitberger. "Das Gelände ist wertvollster Dienstleistungsstandort zwischen ICE-Bahnhof und Messe und gehört zu den wichtigsten Bausteinen in der Entwicklung des Rechtsrheinischen überhaupt." Es gebe großes Interesse bei mehreren potenziellen Investoren. Einige Häuser haben die Bagger bereits eingerissen, nun geht es um die 260 besetzten Wohnungen.

Die Stadt hatte die Häuser vor Jahren vom Erbbauverein für eine zweistellige Millionensumme gekauft. Rund 1000 Bewohner waren vor drei Jahren ohne größeren Protest in modernere Wohnungen umgezogen. Doch die ursprünglichen Pläne für Hochhausbauten wurden gekippt, weil die UN-Kulturorganisation UNESCO dadurch die Gesamterscheinung des Doms beinträchtig sah und ihn auf die Liste des gefährdeten Welterbes gesetzt hatte. Bei vielen in der Bevölkerung bestehe für den Abriss angesichts von 20 000 fehlenden Wohnungen in Köln kein Verständnis, meinen die Hausbesetzer. Jens betont: "Hier kommen dauernd Leute vorbei, die uns Sachen bringen und sagen, wir sollen weiter machen und das machen wir auch." (dpa)



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