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„Das Schloss im Himmel”: Der Zauberer im Trickfilmstudio

Von JOHANNES WOLTERS, 08.06.06, 09:46h

Nach dem großen Erfolg von "Chihiros Reise ins Zauberland" bringt Hayao Miyazaki einen weiteren Animationsfilm auf die deutschen Leinwände. Das Besondere an dem neuen Streifen ist, dass er schon 1986 produziert wurde.

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"Das Schloss im Himmel"
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"Das Schloss im Himmel"
Ein Mädchen mit einem magischen Amulett, ein Junge voller Träume, Luftpiraten, dunkle Geheimdienste, riesige Luftschiffe, freundliche Bergarbeiter und „Laputa“, das geheimnisvolle Schloss in den Wolken - all das sind nur einige der Zutaten dieses bemerkenswerten Trickfilms, der einen weiteren Glanzpunkt im außergewöhnlichen Trickjahr 2006 darstellt.

Dabei stammt der Film „Das Schloss im Himmel“ bereits aus dem Jahr 1986, doch er beweist einmal mehr die Ausnahmestellung seines Regisseurs, Animators, Designers und Autors. Hayao Miyazaki, Mitbegründer des legendären Trickstudios Ghibli, hat wie kaum ein anderer unsere Sehgewohnheiten in puncto Anime (japanischer Animation) definiert. In Japan und Asien ist er eine Legende, und auch die westliche Animationswelt verneigt sich geradezu in Ehrfurcht vor dem Werk des Regisseurs.

So pflegt John Lassetter, der Pixar-Begründer und Regisseur von „Toy Story“, seit Jahren einen regen, kreativen Austausch mit Miyazaki, beider Filme sind inzwischen mit versteckten Anspielungen auf die Leistungen des jeweils anderen durchsetzt.

Nun kommt auch in Deutschland dank Universum-Film langsam das Ruvre des wohl bedeutendsten Trickfilmers seit Walt Disney auf die Kinoleinwände. Zusammen mit seinem Partner Isao Takahata arbeitete Miyazaki seit den sechziger Jahren an verschiedenen Projekten der japanischen Trickstudios, etwa als Designer der TV-Kultserie „Heidi“, bei der Takahata als Regisseur verantwortlich zeichnete.

Hierzulande lange ignoriert, wurde Miyazaki (geboren 1941) im Westen erst mit seinen Werken „Prinzessin Mononoke“ und „Chihiros Reise ins Zauberland“ bekannt. Erst vergangenes Jahr bezauberte sein Alterswerk „Das wandelnde Schloss“ im Kino und bekam prompt wieder eine Oscarnominierung. Der Oscar und ein Goldener Bär für „Chihiro“ sowie ein goldener Löwe fürs Lebenswerk spiegeln inzwischen die späte Anerkennung, die das japanische Multitalent endlich genießt.

Mit dem „Schloss im Himmel“ griff Miyazaki ein Motiv aus Jonathan Swifts „Gullivers Reisen“ aus dem Jahr 1726 auf, eben jenes sagenhafte „Laputa“, zu dem das junge Mädchen Sheeta scheinbar unwissentlich den Schlüssel besitzt. Auf ihrer Flucht vor dubiosen Mächten und einer handfesten Piratenbande, die zu Recht große Schätze auf der fliegenden Insel vermuten, gerät sie an den Bergarbeiterjungen Pazu, mit dessen Hilfe sie den Häschern ein um das andere Mal entfliehen kann, um sich zuletzt doch ihrem Erbe, ihrer Vergangenheit und ihrer Bestimmung zu stellen.

Miyazaki, einem begnadeten Geschichtenerzähler, gelingt es mühelos, den Betrachter in die fantastisch-abenteuerliche Welt seiner Protagonisten zu ziehen, er zitiert munter John Fords „Schlagende Wetter“ (1941), Ridley Scotts „Lautlos im Weltraum“ (1972) oder Fred M. Wilcox' „Alarm im Weltall“ (1956), um eine Atmosphäre zu schaffen, die den Zuschauer hellwach am Geschehen teilnehmen lässt.

Da wechseln Actionsequenzen mit lyrischen Passagen, komische Intermezzi mit hinreißenden Flug- und Landschaftsszenen. Die deutsche Synchronisation mit ihrer sorgfältigen Stimmenauswahl verdient es, beispielhaft genannt zu werden, Joe Hisaichi, der Hauskomponist Miyazakis, unterlegte auch „Das Schloss im Himmel“ wieder mit kongenialen Kompositionen.

In tiefes Nachdenken versetzt, dass dieses „Schloss im Himmel“ noch nach 20 Jahren dem gegenwärtigen europäischen Trickfilm seine Grenzen aufzuzeigen vermag. Dass Hase Felix, Hui Buh oder ein 3-D-Urmel noch zwei Jahrzehnte nach ihrer Entstehung derart begeistern können wie nun Miyazakis Film, darf ruhigen Gewissens bezweifelt werden. Nicht auszudenken, was dieser Film an künstlerischen Impulsen hierzulande hätte freisetzen können, wäre er bereits damals in die Kinos gekommen.

Der deutsche Verleih Universum-Film und sein DVD-Label UFA-Anime werden weitere Miyazaki-Klassiker auf den deutschen Markt werfen. Für den Herbst ist „Mein Nachbar Totoro“ angekündigt, der inzwischen weltweit als bester Trickspielfilm aller Zeiten gilt. Wie gesagt - 2006 ist ein bemerkenswertes Trickfilmjahr.



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