Schriftgröße

„Moolaade”: Magie und moderne Medien

Von KERSTIN MEIER, 22.06.06, 12:42h, aktualisiert 22.06.06, 12:43h

Die brutale Verstümmelung der Genitalien von Mädchen ist in vielen Kulturen Tradition - wer sie überlebt, hat danach oft gesundheitliche und sexuelle Probleme. „Moolaadé“ ist auch eine Anklage gegen die Fortschrittsfeindlichkeit in afrikanischen Dörfern.

Die brutale Verstümmelung der Genitalien von Mädchen ist in vielen Kulturen Tradition. Laut Unicef sind immer noch jedes Jahr ungefähr zwei Millionen Mädchen davon betroffen. Viele sterben während oder nach der blutigen Prozedur - wer sie überlebt, hat danach oft gesundheitliche und sexuelle Probleme. „Ich bin ein leidenschaftlicher Kämpfer für die Abschaffung der Beschneidung“, sagt der senegalesische Regisseur Ousmane Sembène über seinen Film „Moolaadé“. Und so ist „Moolaadé“ auch eine Anklage gegen die Fortschrittsfeindlichkeit in afrikanischen Dörfern.

Widerstand aus dem Dorf

Heldin der Geschichte ist Collé, die ihre eigene Tochter vor der Beschneidung bewahrt hat. Davon haben vier kleine Mädchen gehört, die gerade zu dem Ritual gezwungen werden sollen. Sie fliehen vor den Beschneiderinnen und suchen Schutz bei Collé. Gegen den Widerstand aus dem Dorf gewährt sie ihnen Asyl - „Moolaadé“ Das ist ein uralter magischer Brauch, der einen unantastbaren Schutzraum bietet. Jetzt beginnt ein Kampf der Tradition gegen die Moderne, der auch ein Kampf der Männer gegen die Frauen ist.

Leider verschwendet Ousmane Sembéne das Potenzial seiner Thematik durch eindimensionale Figuren und Symbolik. Ein großer Haufen Radios, die auf dem Dorfplatz angehäuft werden, ist ein solches Symbol. Die Geräte gehören den Frauen des Dorfs, die gezwungen werden, sie abzugeben. Denn die Männer sind sich sicher, dass die modernen Medien schuld an der plötzlichen Aufsässigkeit ihrer Frauen sind. Dieses Bild treibt der Regisseur in seinen letzten Kameraeinstellungen auf die Spitze: Erst ist der Turm der islamischen Dorfkirche zu sehen, dann eine Antenne. Medien als Mittel für Emanzipation: Weniger dick aufgetragen, hätte man die Botschaft von „Moolaadé“ auch verstanden.



Den Kölner Stadt-Anzeiger im Abonnement erhalten JETZT BESTELLEN!
4 Wochen Kölner Stadt-Anzeiger zum Vorzugspreis. Sie sparen mehr als 35%.

Orte des Geschehens

große Karte

Anzeige


WAS.WANN.WO.


Bildergalerien


Kölner Stadt-Anzeiger auf dem iPad


Studio DuMont


Video


Kolumne


Extra


Stadtmenschen Community


Extra


Die andere Meinung


ksta shop


Links


Dienste