Von KERSTIN MEIER, 22.06.06, 12:42h, aktualisiert 22.06.06, 12:43h
Widerstand aus dem Dorf
Heldin der Geschichte ist Collé, die ihre eigene Tochter vor der Beschneidung bewahrt hat. Davon haben vier kleine Mädchen gehört, die gerade zu dem Ritual gezwungen werden sollen. Sie fliehen vor den Beschneiderinnen und suchen Schutz bei Collé. Gegen den Widerstand aus dem Dorf gewährt sie ihnen Asyl - „Moolaadé“ Das ist ein uralter magischer Brauch, der einen unantastbaren Schutzraum bietet. Jetzt beginnt ein Kampf der Tradition gegen die Moderne, der auch ein Kampf der Männer gegen die Frauen ist.
Leider verschwendet Ousmane Sembéne das Potenzial seiner Thematik durch eindimensionale Figuren und Symbolik. Ein großer Haufen Radios, die auf dem Dorfplatz angehäuft werden, ist ein solches Symbol. Die Geräte gehören den Frauen des Dorfs, die gezwungen werden, sie abzugeben. Denn die Männer sind sich sicher, dass die modernen Medien schuld an der plötzlichen Aufsässigkeit ihrer Frauen sind. Dieses Bild treibt der Regisseur in seinen letzten Kameraeinstellungen auf die Spitze: Erst ist der Turm der islamischen Dorfkirche zu sehen, dann eine Antenne. Medien als Mittel für Emanzipation: Weniger dick aufgetragen, hätte man die Botschaft von „Moolaadé“ auch verstanden.
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