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Zeit für Liebe auf den zweiten Blick

Von SUSANNE HENGESBACH, 27.06.06, 07:39h

Simone Janssen betreibt seit 16 Jahren eine Partnervermittlung. Nach ihrer Erfahrung neigen Frauen dazu, in ihre Bekanntschaftsanzeigen „viel zu viel Intellektuelles reinzuschreiben“.

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Öfter einen zweiten Blick riskieren, rät Simone Janssen.
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Öfter einen zweiten Blick riskieren, rät Simone Janssen.
Das gefällt mir! Da stoße ich, die Zufalls-Abhängige im „Kontaktanbahnungs-Geschäft“ endlich mal auf eine echte Expertin, die noch dazu im Gegensatz zu mir Kölns neueste Kaffee-Adresse bereits kennt. Das ist nicht verwunderlich, da das Büro der Partnervermittlung, die Simone Janssen seit 16 Jahren betreibt, gleich um die Ecke der „Galestro“-Bar in der Gürzenichstraße liegt, wo wir uns nun über die Qualität des Cappuccino sowie über die mitunter komplizierten Wege des Glücks austauschen können. Hinsichtlich des Tasseninhalts gibt es nichts zu perfektionieren; doch was die Suche nach „Mr. Right“ betrifft, hat Simone Janssen Vorschläge zur Verbesserung der Erfolgsaussicht.

Nach ihrer Erfahrung neigen Frauen dazu, in ihre Bekanntschaftsanzeigen „viel zu viel Intellektuelles reinzuschreiben“. Das käme bei Männern nicht so gut an. „Die haben's lieber knapp und bildlich dargestellt“, während für die Frauen Werte wie Sicherheit und Treue zählten. Ganz entsprechend dem landläufigen Klischee.

Ich würde zu gern wissen, ob sich hinter den teils viel versprechenden Anzeigentexten, die Simone Janssen unter dem Logo „wir 2“ für ihre Klientel formuliert, „wirklich echte Kandidaten“ verbergen. Die 42-Jährige nickt und und betont, dass es die tatsächlich gebe, was bei mir die Frage aufwirft, weshalb der anscheinend tolle Anwalt oder Arzt nicht „auf dem normalen Weg“ jemanden kennen lernt. Sie lacht und sagt, das habe was mit uns Deutschen zu tun. In südlichen Ländern werde einfach mehr kommuniziert.

In Japan zum Beispiel gebe es in jedem Stadtviertel Partneragenturen; dort sei es ein ganz ehrbarer Beruf.

Hingegen würde bei uns aus dieser Art des Kennenlernens vielfach noch immer ein Geheimnis gemacht. Insbesondere Frauen tendierten zu diesem „Hab-ich-doch-nicht-nötig-Denken“, Männer seien da lockerer. „Hier haben die Internet-Börsen allerdings etwas Positives bewirkt. Es scheint nicht mehr ganz so verrucht“, glaubt Janssen, die ohnehin fragt, was „anstößiger“ sei: „sich abends an eine Bar zu setzen und drauf zu warten, angesprochen zu werden - oder sein Schicksal in die eigene Hand zu nehmen?“

Aber macht das Internet, wo sich jeder teils sogar gratis auf die Suche begeben kann und direkte Zugriffsmöglichkeiten hat, Instituten wie dem ihren insgesamt nicht eher zu schaffen? - „Nein“, sagt sie, „inzwischen geht der Trend dahin, dass die Leute wieder auf die klassische Partnervermittlung setzen.“ Im Netz werde einfach zu viel gelogen. Da sei es ja leicht, sich zwanzig Kilo leichter oder zehn Jahre jünger zu machen.

Kunststück, werfe ich ein, wo das Gros der Männer doch unbedingt etwas Jüngeres wolle. Da habe sich viel geändert, meint Janssen, zumal die richtig tollen Frauen heute nicht 50, sondern auch 60 seien. Das Problem sei viel mehr, dass man sich nicht genug Zeit nehme. Man dürfe diese „Liebe auf den ersten Blick“ nicht erwarten. „Die richtig tollen Typen sind es zumeist nämlich gar nicht.“ Es seien oft gerade nicht die „Eyecatcher“, sondern die anderen, die „den zweiten Blick verdienten“.



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