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Fürs Leben gezeichnet

Von TILL FROMMANN, 27.06.06, 07:41h, aktualisiert 29.06.06, 17:16h

Comictagebücher im Internet spiegeln den Alltag der Zeichner wider. Inzwischen gibt es auch in Deutschland einige Autoren, die täglich Neues veröffentlichen. Dabei kommt es auf einen originellen Blickwinkel an.

Bild: Flix
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Comiczeichner Flix veröffentlicht jeden Tag sein Leben als Cartoon.
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Comiczeichner Flix veröffentlicht jeden Tag sein Leben als Cartoon.
Comictagebücher im Internet spiegeln den Alltag der Zeichner wider. Inzwischen gibt es auch in Deutschland einige Autoren, die täglich Neues veröffentlichen. Dabei kommt es auf einen originellen Blickwinkel an.

Im Internet gibt es seit Jahren Weblogs. Nutzer können hier, frei von redaktioneller Kontrolle und relativ einfach, veröffentlichen, was sie wollen. Über ihr Leben schreiben. Über ihre Interessen. Wie in einem Tagebuch. Alltag! Nichts Neues. Neu hingegen ist, dass es in Deutschland seit kurzer Zeit so genannte Comictagebücher gibt: Comicautoren zeichnen jeden Tag ihr Leben auf - eine Art gezeichnetes Weblog also.

Seit etwa acht Wochen veröffentlicht Felix Görmann jeden Tag auf seiner Website ( www.der-flix.de ), was ihm Spannendes oder Alltägliches oder Skurriles passiert ist - und nennt das „Heldentage“. Besser bekannt ist er unter dem Pseudonym „Flix“, mit welchem er bei Carlsen die Comicbücher „Held“ und „Sag was“ herausgeben ließ - beide teilweise autobiografisch. „Held“ wurde 2004 mit dem Max-und-Moritz-Preis ausgezeichnet, einer Art Comic-Oscar - und zwar in der Rubrik „Beste deutschsprachige Comicpublikation“.

„Es ist ein logischer Schritt gewesen, so etwas auch in einer kompakteren Form als täglichen Cartoon zu veröffentlichen“, sagt er. Und: „Ich will das fünfzig Jahre lang durchhalten. Bisher läuft es sehr gut.“ Angefangen mit dem Comictagebuch hat Flix vor zwei Jahren, veröffentlicht wird es aber erst seit kurzer Zeit. „Dass ich das Tagebuch nun im Internet publiziere, gibt mir einen neuen Kick.“ Er zeichnet zum Beispiel, dass er seiner Freundin etwas kocht. Dass er sie vermisst, wenn sie nicht da ist.

Seit Jahren gibt es solche Comictagebücher jedoch schon - wo sonst? - in Amerika. Eine Übersicht über diese gezeichneten Leben gibt es auf  www.ryanpeq.com/JCJ/ - die meisten davon sind englischsprachig. Einer der Ersten, der sein Leben aufzeichnet, ist der Amerikaner James Kochalka ( www.americanelf.com ), der diverse Preise für seine Comics bekommen hat. Außerdem arbeitet er regelmäßig für den Kindersender „Nickelodeon“. „Er ist, was das Tagebuch angeht, ein großes Vorbild von mir“, gibt Flix zu. Kochalkas Internetseite ist kostenpflichtig - der Zugriff zum Archiv kostet monatlich 1,95 Dollar. Der aktuelle Tag jedoch ist kostenlos.

Auch bei Flix hat man lediglich Einsicht in den aktuellen Tag. „Das ist aber nur so, weil ich es programmiertechnisch einfach nicht hinbekomme“, sagt er. Er habe jedoch daran gedacht, auch ein Archiv mit all seinen Alltagscartoons einzurichten. Kostenpflichtig vielleicht? So, wie es Kochalka macht? „Es ist super, wenn man damit etwas verdienen würde, aber ich glaube eigentlich nicht, dass Internetnutzer für nichtpornographische Inhalte viel Geld ausgeben.“ Ach, warum eigentlich nicht? Ein Indiz dafür, dass Interesse an seinem Leben besteht, ist zum Beispiel, dass sich die Besuchszahl seiner Website fast vervierfacht hat, seitdem er das Comictagebuch veröffentlicht: Hatte er zuvor etwa 150 Internetnutzer pro Tag, die auf seine Internetseite schauten, sind es nach seinen Angaben jetzt etwa 600 bis 700 Interessierte. Tendenz steigend.

Und was bitte schön ist denn nun so spannend an seinem Leben? „Nichts“, sagt er. „Man muss mein Comictagebuch ja auch nicht lesen. Ich glaube aber, dass das, was mir passiert, dem Leser so oder ähnlich auch passiert sein könnte. Es ist nicht unbedingt wichtig, dass es mein Leben ist, sondern dass sich die Leser in diesem wiedererkennen.“

Auch der Kölner Comiczeichner mit dem wohlklingenden, aber pseudonymig klingenden Namen Leo Leowald antwortet auf die Frage, was denn überhaupt so interessant an seinem Leben ist: „Das frage ich mich auch jeden Tag.“ Der hauptberufliche Illustrator zeichnet Autobiografisches, manchmal aber nur Skurriles unter  www.zwarwald.de Da berichtet er zum Beispiel, dass er sich in der Bücherei einen Bildband mit dem Namen „Affen - Eine Hommage“ ausgeliehen hat und dass er am Abend so müde ist, dass man seine Gangart ebenfalls so nennen könnte.

Ein paar Comictagebücher in Deutschland, richtig viele in den USA - Leowald versucht, den Unterschied zu erklären. „Allgemein hat Amerika eine fundiertere und facettenreichere Comictradition“, sagt er. „Das zeigt sich dann auch in solchen Randgebieten.“

Ach, Alltag. Alles ist so wie immer. Alltag nun also auch aufgezeichnet im Internet. Tagtäglich kann man in fremde Comiczeichnerleben hineinvoyeurieren. „Ich mag es, wenn auf einer Website regelmäßig etwas Neues passiert“, sagt Flix. „Das ist wie ein täglicher Morgenspaziergang.“ Solch ein Morgenspaziergang wird dann zwar auch Alltag, wenn man ihn jeden Tag macht - es kommt jedoch nur auf den Blickwinkel an. Spannend ist es nämlich manchmal schon, das Leben.



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