Von CHRISTINE BADKE, 28.06.06, 07:16h
Neben 220 dünnen, in Kunstharz gegossenen Scheiben aus einem Gewehr zeigt das Trio Video-Installationen, die den Herstellungsprozess dokumentieren, und ein Gedicht, das die französische Künstlerin Nathalie Rouvière anlässlich der Ausstellung geschrieben hat. Die drei parallel ausgestrahlten Videos sind teilweise mit Musik unterlegt, exklusiv komponiert von Jean-François' Bruder Stéphane Aillet.
Das „Requiem“ dauert 110 Minuten, das Gewehr ist 110 Zentimeter lang. Wird ein Gewehrstück gezeigt, das aus Holz gearbeitet ist, hört man ein Cello, die Eisenanteile werden durch Saxophon repräsentiert. Besteht eine Scheibe aus beiden Materialien, erklingen beide Instrumente. „Das Requiem ist allen Toten gewidmet, die durch dieses Gewehr und durch alle Kriege der Welt umgekommen sind“, erklärt Jean-François Aillet.
In einem weiteren Schritt will man allen Staatsoberhäuptern der Welt eine Scheibe mit dem Gedicht und einem Anschreiben zuschicken: Darin werden sie aufgefordert, mit ihren Waffen das Gleiche zu tun, also sie unbrauchbar zu machen.
Der explizit politisch-historische Anspruch der Aktion wird deutlich. Aillets Vater (77 Jahre), selbst Kriegsveteran, hatte 2005 in der Normandie, wo 1944 die Alliierten landeten, ein Gewehr aus dem Zweiten Weltkrieg gefunden, das nach einer Idee seines Sohnes (45) und des Euskircheners Westphal (62) bearbeitet wurde und wird.
Nach der FzKKE-Ausstellung wandern die Scheiben und Filme zunächst ins Mémorial, das Friedensmuseum in Caen. Überhaupt gibt es in Frankreich bereits ein beachtliches Interesse an dem Projekt. So fanden sich Sponsoren für die aufwändige und teure Verarbeitung des Gewehrs; die Presse und das Ministerium für Wissenschaft und Technik veröffentlichten Artikel über die Wasser-Sandstrahl-Methodik, mit der das zuvor in einen Kunstharz-Block gegossene Gewehr in Scheiben geschnitten wurde.
Die Kombination von Musik, Objekt, Film, Poesie und „Performance“ birgt aber durchaus auch ästhetische Qualitäten. Sei es die eigenständige Wirkung der Videos mit dem „Sound“ der technischen Geräte, die an Fluxus-Kunst erinnern, seien es die einzelnen Scheiben, die Formen wie Musikinstrumente oder Gesichter annehmen: Aillet und Westphal stellen auch aus, wie Kunst sowohl zu Erinnerung als auch zu Neuanfang und Umdeutung einlädt.
Zu erleben ist das Projekt bis 8. August; Terminvereinbarung unter 0 22 51 / 5 51 00 oder per E-Mail.
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